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Blockchain wird kommen – mit aller Wucht

Blockchain wird kommen – mit aller Wucht
Geschätzte Lesezeit: 8 Minuten

Dr. Mar­kus Kau­lartz, Rechts­an­walt bei der inter­na­tio­na­len Wirt­schafts­kanz­lei CMS Hasche Sig­le, und Asim Soy­sal, Stra­te­gic IT Con­sul­tant bei Fuji­tsu, im Gespräch über Block­chain, die nächs­te digi­ta­le Revo­lu­ti­on, dis­rup­ti­ve Kräf­te und neue Mög­lich­kei­ten – und den Mut zum Wandel. 

Dr. Mar­kus Kau­lartz arbei­tet als Rechts­an­walt bei CMS Hasche Sig­le (CMS) und ist spe­zia­li­siert auf IT-Recht, Daten­schutz und Legal Tech. Als ehe­ma­li­ger Soft­ware­ent­wick­ler ver­bin­det er tech­ni­sches und juris­ti­sches Know-how. Sei­ne Schwer­punk­te lie­gen auf Rechts­fra­gen von Zukunfts­tech­no­lo­gien und neu­en Geschäfts­mo­del­len, etwa in den Berei­chen künst­li­che Intel­li­genz (AI), Indus­trie 4.0, Fin­Tech, Inter­net of Things und Big Data. CMS betreut mit mehr als 4.500 Anwäl­ten und Steu­er­be­ra­tern welt­weit Unter­neh­men zu den Fra­gen des natio­na­len und inter­na­tio­na­len Wirt­schafts­rech­tes; allei­ne in Deutsch­land sind 600 Mit­ar­bei­ter beschäftigt. 

M. Asim Soy­sal war seit 1995 in meh­re­ren inter­na­tio­nal täti­gen IT-Unter­neh­mens­be­ra­tun­gen in Deutsch­land, Öster­reich und Groß­bri­tan­ni­en als Geschäfts­füh­rer und Vor­stand beschäf­tigt. Seit 2016 zeich­net er sich nun in der Unter­neh­mens­ein­heit Stra­te­gic IT Con­sul­ting bei Fuji­tsu für die Wei­ter­ent­wick­lung und Adres­sie­rung der The­men Digi­ta­li­sie­rung, Dis­tri­bu­t­ed Led­ger Tech­no­lo­gy (Block­chain), Indus­trie 4.0, IoT, sowie Big Data & Ana­ly­tics, schwer­punkt­mä­ßig für die Finanz­dienst­leis­tungs- und Fin­Tech-Bran­che, in Cen­tral Euro­pe ver­ant­wort­lich. Dar­über hin­aus ist er seit 2017 Vor­stands­spre­cher des Regio­nal­vor­stan­des des Euro­pean Finan­ce Forums.

Gemein­sam erklä­ren Dr. Mar­kus Kau­lartz und Asim Soy­sal im Inter­view, wel­che Chan­cen und Her­aus­for­de­run­gen der Dis­tri­bu­t­ed-Led­ger-Tech­no­lo­gien (DLT; auch Block­chain-Tech­no­lo­gien genannt) inne­woh­nen: ein auf­schluss­rei­ches Gespräch über Block­chain, Kryp­to­wäh­run­gen und Initi­al Coin Offe­ring, über Regeln, Rah­men­be­din­gun­gen und die Märk­te der Zukunft. 

Wie wird die Distributed-Ledger-Technologie die Wirtschaftswelt und Unternehmen verändern? Hat sie das Potenzial zur Disruption?

Dr. Mar­kus Kau­lartz: Die Block­chain-Tech­no­lo­gien ermög­li­chen etwas bis­lang völ­lig Unbe­kann­tes: das Ver­schie­ben von digi­ta­len Ver­mö­gens­wer­ten. Wer heu­te eine Datei ver­sen­det, führt im Kern einen Kopier­vor­gang durch. Der Emp­fän­ger der Datei weiß nicht, ob der Absen­der die Datei wei­ter­hin besitzt, jeden­falls aber sind bei­de Daten­men­gen unab­hän­gig von­ein­an­der. DLT lässt die Vor­tei­le von phy­si­schen Gegen­stän­den, u. a. die Ein­zig­ar­tig­keit, mit den Vor­tei­len des Vir­tu­el­len, z. B. jeder­zei­ti­ge Erreich­bar­keit und Fle­xi­bi­li­tät, ver­schmel­zen. Dies revo­lu­tio­niert die Über­tra­gung von Rech­ten und ande­ren Ver­mö­gens­wer­ten – und lei­tet den Über­gang vom „Inter­net of Infor­ma­ti­on“ zum „Inter­net of Values“ ein. Zum Weg­fall der Inter­me­diä­re kommt die so genann­te Tokenization.

M. Asim Soysal, Fujitsu
M. Asim Soy­sal, Fujitsu

Asim Soy­sal: Erst ein­mal ist es ent­schei­dend zu ver­ste­hen, was die­se Tech­no­lo­gie für das eige­ne Geschäfts­mo­dell bedeu­tet – und wel­che Kon­se­quen­zen man dar­aus zie­hen muss. Inwie­weit wer­den die eige­nen Wert­schöp­fungs­ket­ten betrof­fen sein und wel­che Aus­wir­kun­gen wird das auf mei­ne zukünf­ti­ge Wett­be­werbs­si­tua­ti­on haben? In den ver­gan­ge­nen Jah­ren hat die Platt­form-Öko­no­mie eta­blier­ten Geschäfts­mo­del­len zuge­setzt – auf ähn­li­che Wei­se wird das zukünf­tig durch die­se neue dezen­tra­le Tech­no­lo­gie pas­sie­ren. Der Unter­schied aber wird sein, dass die Platt­form-Öko­no­mie, im Gegen­satz zur Block­chain-Tech­no­lo­gie, nicht dis­rup­tiv ist bzw. war.

Ein Bei­spiel der Platt­form-Öko­no­mie ist Airbnb. Das Unter­neh­men ist der größ­te Zim­mer­ver­mie­ter, ohne ein Zim­mer zu besit­zen. Es hat zwar das klas­si­sche Hotel­ge­schäft nicht dis­rup­tiert, aber die Wert­schöp­fungs­ket­ten mas­siv ver­scho­ben und die Schnitt­stel­le zwi­schen Anbie­ter und End­kun­den besetzt. Airbnb ist in die­sem Modell ein klas­si­scher Inter­me­di­är, Platt­form­be­trei­ber oder vir­tu­el­ler Markt­platz, je nach­dem, wie man es bezeich­nen mag. Das geis­ti­ge Eigen­tum und das Know­how liegt nicht in den Hän­den der Inter­me­diä­re, noch nicht ein­mal das unter­neh­me­ri­sche Risi­ko für die­ses Seg­ment. Aber der Inter­me­di­är bestimmt, wer wann, wo und zu wel­chem Preis das Geschäft macht. Das hängt auch ganz maß­geb­lich davon ab, wel­cher Lie­fe­rant die höchs­ten Mar­gen für den Platt­form­be­trei­ber bereit­hält, denn nur er hat den direk­ten Kon­takt und die Kennt­nis, d. h. Daten über den Kunden.

Mit der Block­chain-Tech­no­lo­gie kann ich eta­blier­te Inter­me­diä­re aus mei­nem Geschäfts­mo­dell strei­chen. Die Tech­no­lo­gie bie­tet mir Sicher­heit und das Ver­trau­en, das ich für mein Geschäft immer benö­tigt habe und das mir in der Ver­gan­gen­heit durch die klas­si­schen Inter­me­diä­re für teu­res Geld zur Ver­fü­gung gestellt wur­de – z. B. von Ban­ken, Nota­ren, Mak­lern, GEMA, Check24, Uber und natür­lich auch Airbnb. DAS ist ech­te Dis­rup­ti­on, denn hier wer­den Markt­teil­neh­mer verschwinden!

Wenn man das Ver­ständ­nis für die­se Tech­no­lo­gie auf­ge­baut hat und weiß, wo man anset­zen muss, geht es in die ope­ra­ti­ve Umset­zung. Wie kann man die Block­chain-Tech­no­lo­gie in sein eta­blier­tes Geschäfts­mo­dell inte­grie­ren? Hier gilt der Spruch: „Nicht die Gro­ßen fres­sen die Klei­nen, son­dern die Schnel­len fres­sen die Lang­sa­men.“ Die Not­wen­dig­keit, schnell und adäquat auf geän­der­te Markt­ge­ge­ben­hei­ten zu reagie­ren, ist grö­ßer denn je. Time-to-Mar­ket wird zur Schlüs­sel­kom­pe­tenz über alle Bran­chen hin­weg; der Zugang zu den rich­ti­gen Fach­kom­pe­ten­zen wird zu einer ech­ten Her­aus­for­de­rung – Stich­wort: War of Talents. Die größ­te Chal­len­ge für eta­blier­te Unter­neh­men wird aber nicht in der Bewäl­ti­gung der Tech­no­lo­gie lie­gen, son­dern dar­in, den Wan­del der Unter­neh­mens­kul­tur und die Anpas­sung an die neu­en Her­aus­for­de­run­gen vor­an­zu­trei­ben. Wie weit sind die „Wil­ling­ness to Chan­ge“ und „Abi­li­ty to Chan­ge“ im eige­nen Unter­neh­men aus­ge­prägt? Das muss man wis­sen. Oder um es mit Peter F. Dru­ckers Wor­ten zu sagen: „Cul­tu­re eats stra­te­gy for breakfast!“

Wie werden die Kryptowährungen unser Geschäftsleben verändern – und wieso ist davon noch nichts zu sehen, von Bitcoin einmal abgesehen? Gibt es im Design einen Unterschied zwischen Cryptocurrencies von privaten Unternehmen und der öffentlichen Hand, z. B. von Zentralbanken?

Dr. Mar­kus Kau­lartz: Dass Kryp­to­wäh­run­gen wie Bit­coin nicht von Zen­tral­ban­ken kon­trol­liert wer­den, ist einer der Grün­de für ihre extre­me Vola­ti­li­tät und damit dafür, dass sie zwar als Spe­ku­la­ti­ons­ob­jekt tau­gen mögen, nicht aber als Zah­lungs­mit­tel. Vor die­sem Hin­ter­grund ist der Begriff Kryp­to­wäh­rung lei­der voll­kom­men miss­ver­ständ­lich. Wir dür­fen aber davon über­zeugt sein, dass Zen­tral­ban­ken Tokens künf­tig ein­set­zen wer­den, um mit ihnen ihre eige­nen Wäh­run­gen tech­nisch abzu­bil­den. In Schwe­den ist das schon gesche­hen. Auch hier gilt: Die Block­chain-Tech­no­lo­gien sind zuvor­derst neue Technologien.

Asim Soy­sal: Die Cryp­to­cur­ren­ci­es sind sehr wohl sicht­bar. So ist Bit­coin z. B. als offi­zi­el­les Zah­lungs­mit­tel in Japan zuge­las­sen. Auch in Zug, in der Schweiz, kann man schon sei­ne Steu­ern damit zah­len. Aller­dings ist auch aus regu­la­to­ri­schen Grün­den in der EU die Bit­coin – eben­so wie ande­re nicht­staat­li­che Initia­ti­ven – nicht als offi­zi­el­les Zah­lungs­mit­tel zugelassen.

Die vir­tu­el­len Wäh­run­gen erfül­len oft­mals die grund­le­gen­den gesetz­li­chen Anfor­de­run­gen nicht, z. B. Know your Cus­to­mer (KYC) oder AML/CFT (Geld­wä­sche, Anti­ter­ror­fi­nan­zie­rung). Dar­über hin­aus wird das Fiat-Geld – also die Wäh­rung eines Lan­des, ein offi­zi­el­les Zah­lungs­mit­tel wie bei­spiels­wei­se Euro oder US-Dol­lar – übli­cher­wei­se von den Zen­tral­ban­ken her­aus­ge­ge­ben und ver­brieft einen Wert.

Es macht einen sehr gro­ßen Unter­schied, ob eine Zen­tral­bank eine Cryp­to­cur­ren­cy aus­gibt, also z. B. einen Cryp­to-Euro ana­log zum Fiat-Euro, oder eine pri­va­te Initia­ti­ve eine Cry­pro­cur­ren­cy designt. Die pri­va­te Initia­ti­ve gibt in der Regel ein so genann­tes White Paper her­aus, aus dem sich das Geschäfts­mo­dell ablei­ten und der Sinn und Zweck her­aus­le­sen las­sen. Eine Zen­tral­bank möch­te viel­leicht nur die Kos­ten des Geld­drucks und der Münz­prä­gung ein­spa­ren und den Geld­fäl­schern und dem Schwarz­geld­markt die Grund­la­ge ent­zie­hen. Die Moti­va­ti­ons­la­ge ist zwar nach­voll­zieh­bar, geht aber mit der völ­li­gen Auf­ga­be der Pri­vat­sphä­re aller ein­her, die mit vir­tu­el­len Wäh­run­gen hantieren.

Was genau ist ein Initial Coin Offering (ICO) – was kann man damit machen und was steckt dahinter? Könnte diese Finanzierungsmethode herkömmliche Finanzierungsmöglichkeiten ablösen?

Dr. Markus Kaulartz, CMS Hasche Sigle
Dr. Mar­kus Kau­lartz, CMS Hasche Sigle

Dr. Mar­kus Kau­lartz: Wir sehen gera­de einen star­ken Umschwung zu den soge­nann­ten Secu­ri­ty Tokens. Das wird Unter­neh­men nächs­tes Jahr noch viel mehr beschäf­ti­gen. Secu­ri­ty Tokens ver­kör­pern tat­säch­lich Divi­den­den­an­sprü­che oder Unter­neh­mens­an­tei­le. Hält man sich an bestimm­te Schwel­len­wer­te oder spricht nur bestimm­te Inves­to­ren an, sind die regu­la­to­ri­schen Hür­den auch sehr gering. Der Vor­teil von Secu­ri­ty Tokens ist sicher­lich, dass sie recht ein­fach aus­ge­ge­ben wer­den kön­nen. Sie lie­ßen sich sogar an den Umsatz eines kon­kre­ten Pro­jekts knüp­fen, auto­ma­ti­sie­ren die Aus­zah­lung und füh­ren dank Smart Con­tract sogar noch Buch. Die Trans­ak­ti­ons­kos­ten sin­ken bei Secu­ri­ty Tokens mas­siv, bis­her fehlt nur eine gewis­se Stan­dar­di­sie­rung und natür­lich eine Ver­wal­tungs- und Rechtspraxis.

Asim Soy­sal: Ein ICO ist ver­gleich­bar mit dem Bör­sen­gang eines Unter­neh­mens, das zu Finan­zie­rungs­zwe­cken Akti­en her­aus­gibt – mit dem Unter­schied, dass nicht Akti­en, son­dern Tokens oder Coins erwor­ben wer­den kön­nen. Der ICO ähnelt einer her­kömm­li­chen Crowd­fun­ding-Initia­ti­ve. Aller­dings ver­brie­fen die­se Tokens typi­scher­wei­se nicht die ein­fa­che Funk­ti­on eines Unter­neh­mens­an­teils, son­dern einen digi­ta­len Anteil an einem Pro­jekt. Das kön­nen Stimm­rech­te, Cou­pons, Gewinn­be­tei­li­gun­gen, Unter­neh­mens- oder Pro­jek­tan­tei­le, Lizen­zen oder ähn­li­che Din­ge sein, die für den Her­aus­ge­ber oder den Käu­fern einen Wert darstellen.

Ob ein ICO den glei­chen stren­gen Regle­men­tie­run­gen und der Auf­sicht durch Regu­lie­rungs­be­hör­den unter­liegt wie ein Initi­al Public Offe­ring (IPO), also ein Bör­sen­gang, hängt ganz maß­geb­lich von der recht­li­chen Aus­ge­stal­tung des ICO ab. Ein juris­ti­sches Gut­ach­ten im Vor­feld erstel­len zu las­sen, bewahrt den oder die Her­aus­ge­ber vor unschö­nen Über­ra­schun­gen im Nachgang.

Initi­al Coin Offe­ring scheint sich als Alter­na­ti­ve zu her­kömm­li­chen Crowd­fun­ding-Initia­ti­ven zu eta­blie­ren. Dabei kön­nen gro­ße Geld­men­gen akqui­riert wer­den. Hohe drei­stel­li­ge Mil­lio­nen­be­trä­ge sind nicht mehr die Aus­nah­me. Es sind schon Geld­mit­tel von bis zu vier Mil­li­ar­den US-Dol­lar ange­wor­ben wor­den (Block­O­ne, EOS). Dies stellt eta­blier­te Unter­neh­men vor neue Her­aus­for­de­run­gen, da Start-ups, die so mas­siv finan­ziert sind, eine rea­le Bedro­hung bedeu­ten, und zwar über alle Bran­chen hin­weg. Da kann man auch fra­gen: Wer braucht noch eine Bank?

Welche Regeln muss ich beachten, wenn ich mich dieser neuen Technologie annähern möchte? Gibt es unterschiedliche Herangehensweisen für Anbieter, Intermediäre und Konsumenten?

Dr. Mar­kus Kau­lartz: Was die Regu­lie­rung und den gesetz­li­chen Rah­men anbe­langt, ist fest­zu­hal­ten, dass sich Inno­va­tio­nen schon immer im Grenz­be­reich des Rechts abge­spielt haben. Dies ist bei Block­chains und ande­ren Dis­tri­bu­t­ed-Led­ger-Tech­no­lo­gien nicht anders. Wich­tig ist aber zu ver­ste­hen, dass der Grenz­be­reich kein Grau­be­reich ist. Ent­ge­gen einer ver­brei­te­ten Mei­nung ins­be­son­de­re in der Tech-Sze­ne benö­ti­gen wir nicht für jede Inno­va­ti­on neue Geset­ze und sind wir auch nicht in unre­gu­lier­ten Berei­chen unter­wegs, solan­ge es sol­che Geset­ze nicht gibt. Der Gesetz­ge­ber hat hier­zu­lan­de schon immer einen tech­no­lo­gie­neu­tra­len Ansatz ver­folgt, was sich in zwei Aspek­ten zeigt: Zum einen wird typi­scher­wei­se nie die Tech­no­lo­gie selbst regu­liert, son­dern ihre Aus­wir­kung – die Regu­lie­rung ver­folgt also kon­kre­te Schutz­zie­le. Zum ande­ren nutzt der Gesetz­ge­ber unbe­stimm­te Rechts­be­grif­fe, die eine zeit­ge­mä­ße Aus­le­gung ermög­li­chen. So ver­wun­dert es auch nicht, dass z. B. das Bür­ger­li­che Gesetz­buch (BGB) fast 120 Jah­re alt ist und die Para­gra­fen dar­in prak­tisch nie auf­grund neu­er Tech­no­lo­gien geän­dert wur­den – mit Aus­nah­me eben sol­cher Rege­lun­gen, die etwa dem Ver­brau­cher­schutz dienen.

Asim Soy­sal: Solan­ge der Markt kei­ne Stan­dards auf den Weg bringt und es noch kei­ne Ver­wal­tungs- und Rechts­pra­xis gibt, wird es schwie­rig sein, die Block­chain-Tech­no­lo­gie in eta­blier­ten Unter­neh­men zu plat­zie­ren. Hier kom­men ein­fa­che öko­no­mi­sche Erwä­gun­gen ins Spiel. Wenn das Ent­schei­dungs­gre­mi­um nicht gewähr­leis­ten kann, dass die Inves­ti­ti­on in eine neue Tech­no­lo­gie ein Min­dest­maß an Inves­ti­ti­ons­schutz genießt, wird sich das Gre­mi­um schwer­tun, hohe Inves­ti­tio­nen zu täti­gen. Das ist einer der Grün­de, wes­we­gen eta­blier­te Unter­neh­men der­zeit nur in über­schau­ba­ren Grö­ßen in Pro­ofs of Con­cept (PoCs) und Pilot­pro­jek­te inves­tie­ren. Ich rech­ne damit, dass der Block­chain-Markt rasant zule­gen wird, sobald Rechts- und Inves­ti­ti­ons­si­cher­heit her­ge­stellt sind.

Wohin geht die Reise – technologisch, regulatorisch, ökonomisch und soziologisch?

Dr. Mar­kus Kau­lartz: Wir wer­den in Zukunft mehr sehen im Bereich der Toke­ni­sie­rung. Tokens wer­den als vir­tu­el­le Gegen­stän­de zuneh­mend an Bedeu­tung gewin­nen, da sie sehr sicher über­tra­gen wer­den kön­nen und in ihnen wahn­sin­nig gro­ßes Poten­zi­al schlum­mert. Wer sie als neue „Asset-Klas­se“ bezeich­net, meint im Kern damit, dass sie eine Art neu­es Medi­um sind, in wel­chem wir Rech­te ver­kör­pern kön­nen. Hat man frü­her zum Bei­spiel Akti­en in Papier­form über­tra­gen und zwi­schen­zeit­lich eine Depot­bank nur des­we­gen benö­tigt, weil die digi­ta­le Form nicht ein­zig­ar­tig war, so haben wir nun mit den Tokens einen Weg gefun­den, bei­de Wel­ten zu ver­ei­nen: Tokens haben die Funk­ti­on einer vir­tu­el­len Urkun­de – den Inter­me­di­är in der Mit­te benö­ti­gen wir gar nicht mehr, so wie wir ihn frü­her in Zei­ten der Papier­ak­ti­en auch nicht benö­tigt haben.

Asim Soy­sal: Die Tech­no­lo­gie wird kom­men – und zwar mit aller Wucht. Vie­le der heu­te noch eta­blier­ten Mark­teil­neh­mer wer­den durch die­se dis­rup­ti­ve Tech­no­lo­gie ver­schwin­den, wie vor Jah­ren z. B. Kod­ak (Digi­tal­fo­to­gra­fie) oder Nokia (Smart­pho­ne).

Mei­ne Emp­feh­lung: „Sei vor­be­rei­tet!“ Für den, der sich erst noch in Posi­ti­on brin­gen muss, wenn sich die Tech­no­lo­gie bereits durch­ge­setzt hat, dürf­te es dann zu spät sein. An der Stra­te­gie muss heu­te schon gear­bei­tet wer­den. Und natür­lich müs­sen neben der Block­chain-Tech­no­lo­gie zeit­gleich auch wei­te­re Digi­ta­li­sie­rungs­the­men ange­gan­gen wer­den, z. B. Big Data/Analytics oder Künst­li­che Intel­li­genz (KI), um nur zwei zu nen­nen. Doch die tech­no­lo­gi­sche Umset­zung ist nicht die Her­aus­for­de­rung: Es wird in ers­ter Linie eine unter­neh­mens­kul­tu­rel­le Her­aus­for­de­rung sein, sich mit den rich­ti­gen Men­schen den Anfor­de­run­gen zu stellen.

Vielen Dank an Dr. Markus Kaulartz und Asim Soysal für dieses spannende Gespräch.

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