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Fujitsu Perspectives: Sophie Graham über Pflege und Betreuung in einer digitalen Zukunft

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Fujitsu_Perspectives_sophie_grahamDie Tradition „Großfamilie“, in der sich die Kinder um die Eltern und die Eltern um die Großeltern kümmern, besitzt in der heutigen Zeit kaum noch Bedeutung. Der Trend zu kinderlosen Single-Haushalten nimmt hingegen immer mehr zu. Als Folge leben immer mehr ältere und pflegebedürftige Menschen in unserer Gesellschaft. Die medizinische Versorgung und Pflege dieser stellt das Gesundheitssystem stänidg vor neue Herausforderungen.

In ihrem englischsprachigen Artikel Sensing Technology and the Aging Population beleuchtet Sophie Graham, Responsible Business Lead EMEIA, Fujitsu, die Möglichkeiten der technologisch begleiteten Alters- und Gesundheitsfürsorge, kurz der digitalen Altenpflege. Dabei greift sie das Risiko der sozialen Ausgrenzung auf. Sie beschreibt, wie das Zusammenspiel von Technologie, Angehörigen und persönlicher medizinischer Betreuung die Lebensqualität von älteren Menschen positiv beeinflusst.

Möglichst lange in den eigenen vier Wänden leben können

Die immer steigende Zahl älterer Menschen ist für das Gesundheitswesen mit steigenden Kosten verbunden. Allein in der EU wird von 2010 bis 2060 eine Verdreifachung der Kosten für Langzeitpflege prognostiziert. Allerdings wird das Verhältnis der Arbeiter und Arbeitslosen von heute 4:1 bis 2060 auf 2:1 sinken. Bis 2020 werden zwei Millionen Stellen in der Gesundheitsbranche und Fürsorge unbesetzt sein.

Dieser Personalmangel verhindert eine kontinuierliche Überwachung und Betreuung älterer Menschen – Technologie könnte das Fachpersonal unterstützen, die Familienangehörigen entlasten und betroffene Menschen behalten weitgehend ihre Selbstständigkeit. Wie die „digitale Altenpflege“ funktionieren kann, erläutert Graham anhand beeindruckender Beispiele.

Smart Homes als Alternative zum Pflegeheim und zum betreuten Wohnen

Mit dem Projekt KIDUKU riefen Wissenschaftler ein klinisch geführtes Forschungsprojekt ins Leben. KIDUKU kommt hierbei aus dem Japanischen und steht für das Bewusstsein. Im Rahmen des Projekts statteten Experten 16 Häuser in Nordirland mit Sensoren und interaktiver Technologie aus. „Great Northern Haven“ dient als lebendiges Labor, in dem das von Sensoren unterstütze Leben getestet wird.

Eine Mischung von fest verbauten und vom Menschen getragenen Sensoren zeichnen Daten zu Aktivitätsgewohnheiten und Vitaldaten auf. Durch den Einsatz von Kinect- und Infrarotkameras wäre es denkbar, behandelnden Ärzten ein 3D Modell des „Alltags“ zu Verfügung zu stellen. Die Verbindung mit einem 24-Stunden-Monitoring-Service bietet nicht nur erweiterte Sicherheitsaspekte bei zum Beispiel an Demenz erkrankten Patienten, sondern auch die Möglichkeit, Trends und Unregelmäßigkeiten frühzeitig zu erkennen und darauf einzugehen.

Der Aspekt „Wirtschaftlichkeit“ bleibt auch immer ein Teil des Spiels – tiefere Einblicke dazu bietet ein bereits 2012 abgeschlossenes EU Projekt. Das von Policy Support Programme (ICT) kofinanzierte Projekt „Dreams“ lief über vier Jahre. Steuerbare Sensoren überwachten dabei die Umgebung und gesundheitlich relevanten Werte des Menschen und konnten bei Bedarf Warnungen beziehungsweise Alarme an eine zentrale Stelle senden, von der aus das Personal weitere Maßnahmen in die Wege leiten konnte. Die Ergebnisse zeigen nicht nur eine positive Wirkung auf die psychische Gesundheit und Lebensqualität, sondern auch eine geringere Nachfrage von Gesundheitsleistungen.

In die Hardware zur Fernüberwachung muss zunächst zwar investiert werden – im Gegenzug kann aber unter anderem ein Teil des Pflegepersonals eingespart werden.

Die Grenzen und Risiken der digitalen Pflege

Die Projekte zeigten auch – digitale Pflege stößt in einigen Punkten an ihre Grenzen und das Vertrauen in die Technik fehlt weitestgehend noch. Eine gesicherte Gesundheitsfürsorge hat für alte und chronisch erkrankte Menschen zwar hohe Priorität – aber ohne soziale Interaktion vereinsamt der Mensch dennoch. Trotz aller Möglichkeiten sollten also persönliche Behandlungsgespräche, die auch Familienangehörige oder Sozialpflegepersonal miteinbeziehen, ein Teil des Gesundheitsplanes bleiben. Denkbar wären beispielsweise Beratungsangebote zu Fitness oder Ernährung, in denen sich die Betroffenen persönlich angesprochen fühlen und „einmal reden können“. Der zwischenmenschliche Aspekt bleibt ein starker Faktor für die Betroffenen, wie die weiteren Ergebnisse zeigen.

Vertrauen ist gut – Kontrolle scheint besser. Dass diese Weisheit immer noch eine starke Geltung besitzt, bewiesen die Projekte im Rahmen der digitalen Pflege ebenfalls. Während des Verlaufs von „Dreams“ gingen die Zahlen der Krankenhauseinweisungen, Besuche beim Spezialisten trotz der technischen Unterstützung nicht zurück. Das Vertrauen von Patient und Arzt in die Technologie ist noch nicht stark genug. Daher sollte zukünftig der Fokus darauf gelegt werden, die Vorteile der Fernüberwachung besonders bei chronisch erkrankten Menschen aufzuzeigen. Die Arztbesuche könnten massiv verringert, auf Veränderungen zeitnah reagiert und Fachkollegen Co-Diagnosen bereitgestellt werden. Sophie Graham zeigt uns mit einem Beitrag eine Welt, in der Technologie den Menschen in seinem Tun unterstützt – exakt so stellen wir uns die „Human Centric Innovation“ vor.

Wir stellen in lockerer Folge unsere Zukunft aus Sicht der Experten vor. Erleben Sie unsere Vision aus einer ganz neuen Perspektive. Bislang erschienen sind folgende Beiträge:

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