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Fujitsu Perspectives: Sophie Graham über Pflege und Betreuung in einer digitalen Zukunft

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Fujitsu_Perspectives_sophie_grahamDie Tra­di­ti­on „Groß­fa­mi­lie”, in der sich die Kin­der um die Eltern und die Eltern um die Groß­el­tern küm­mern, besitzt in der heu­ti­gen Zeit kaum noch Bedeu­tung. Der Trend zu kin­der­lo­sen Sin­gle-Haus­hal­ten nimmt hin­ge­gen immer mehr zu. Als Fol­ge leben immer mehr älte­re und pfle­ge­be­dürf­ti­ge Men­schen in unse­rer Gesell­schaft. Die medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung und Pfle­ge die­ser stellt das Gesund­heits­sys­tem stä­n­idg vor neue Her­aus­for­de­run­gen.

In ihrem eng­lisch­spra­chi­gen Arti­kel Sen­sing Tech­no­lo­gy and the Aging Popu­la­ti­on beleuch­tet Sophie Gra­ham, Respon­si­ble Busi­ness Lead EMEIA, Fuji­tsu, die Mög­lich­kei­ten der tech­no­lo­gisch beglei­te­ten Alters- und Gesund­heits­für­sor­ge, kurz der digi­ta­len Alten­pfle­ge. Dabei greift sie das Risi­ko der sozia­len Aus­gren­zung auf. Sie beschreibt, wie das Zusam­men­spiel von Tech­no­lo­gie, Ange­hö­ri­gen und per­sön­li­cher medi­zi­ni­scher Betreu­ung die Lebens­qua­li­tät von älte­ren Men­schen posi­tiv beein­flusst.

Möglichst lange in den eigenen vier Wänden leben können

Die immer stei­gen­de Zahl älte­rer Men­schen ist für das Gesund­heits­we­sen mit stei­gen­den Kos­ten ver­bun­den. Allein in der EU wird von 2010 bis 2060 eine Ver­drei­fa­chung der Kos­ten für Lang­zeit­pfle­ge pro­gnos­ti­ziert. Aller­dings wird das Ver­hält­nis der Arbei­ter und Arbeits­lo­sen von heu­te 4:1 bis 2060 auf 2:1 sin­ken. Bis 2020 wer­den zwei Mil­lio­nen Stel­len in der Gesund­heits­bran­che und Für­sor­ge unbe­setzt sein.

Die­ser Per­so­nal­man­gel ver­hin­dert eine kon­ti­nu­ier­li­che Über­wa­chung und Betreu­ung älte­rer Men­schen – Tech­no­lo­gie könn­te das Fach­per­so­nal unter­stüt­zen, die Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen ent­las­ten und betrof­fe­ne Men­schen behal­ten weit­ge­hend ihre Selbst­stän­dig­keit. Wie die „digi­ta­le Alten­pfle­ge” funk­tio­nie­ren kann, erläu­tert Gra­ham anhand beein­dru­cken­der Bei­spie­le.

Smart Homes als Alternative zum Pflegeheim und zum betreuten Wohnen

Mit dem Pro­jekt KIDUKU rie­fen Wis­sen­schaft­ler ein kli­nisch geführ­tes For­schungs­pro­jekt ins Leben. KIDUKU kommt hier­bei aus dem Japa­ni­schen und steht für das Bewusst­sein. Im Rah­men des Pro­jekts stat­te­ten Exper­ten 16 Häu­ser in Nord­ir­land mit Sen­so­ren und inter­ak­ti­ver Tech­no­lo­gie aus. „Gre­at Nort­hern Haven” dient als leben­di­ges Labor, in dem das von Sen­so­ren unter­stüt­ze Leben getes­tet wird.

Eine Mischung von fest ver­bau­ten und vom Men­schen getra­ge­nen Sen­so­ren zeich­nen Daten zu Akti­vi­täts­ge­wohn­hei­ten und Vital­da­ten auf. Durch den Ein­satz von Kinect- und Infra­rot­ka­me­ras wäre es denk­bar, behan­deln­den Ärz­ten ein 3D Modell des „All­tags” zu Ver­fü­gung zu stel­len. Die Ver­bin­dung mit einem 24-Stun­den-Moni­to­ring-Ser­vice bie­tet nicht nur erwei­ter­te Sicher­heits­aspek­te bei zum Bei­spiel an Demenz erkrank­ten Pati­en­ten, son­dern auch die Mög­lich­keit, Trends und Unre­gel­mä­ßig­kei­ten früh­zei­tig zu erken­nen und dar­auf ein­zu­ge­hen.

Der Aspekt „Wirt­schaft­lich­keit” bleibt auch immer ein Teil des Spiels – tie­fe­re Ein­bli­cke dazu bie­tet ein bereits 2012 abge­schlos­se­nes EU Pro­jekt. Das von Poli­cy Sup­port Pro­gram­me (ICT) kofi­nan­zier­te Pro­jekt „Dreams” lief über vier Jah­re. Steu­er­ba­re Sen­so­ren über­wach­ten dabei die Umge­bung und gesund­heit­lich rele­van­ten Wer­te des Men­schen und konn­ten bei Bedarf War­nun­gen bezie­hungs­wei­se Alar­me an eine zen­tra­le Stel­le sen­den, von der aus das Per­so­nal wei­te­re Maß­nah­men in die Wege lei­ten konn­te. Die Ergeb­nis­se zei­gen nicht nur eine posi­ti­ve Wir­kung auf die psy­chi­sche Gesund­heit und Lebens­qua­li­tät, son­dern auch eine gerin­ge­re Nach­fra­ge von Gesund­heits­leis­tun­gen.

In die Hard­ware zur Fern­über­wa­chung muss zunächst zwar inves­tiert wer­den – im Gegen­zug kann aber unter ande­rem ein Teil des Pfle­ge­per­so­nals ein­ge­spart wer­den.

Die Grenzen und Risiken der digitalen Pflege

Die Pro­jek­te zeig­ten auch – digi­ta­le Pfle­ge stößt in eini­gen Punk­ten an ihre Gren­zen und das Ver­trau­en in die Tech­nik fehlt wei­test­ge­hend noch. Eine gesi­cher­te Gesund­heits­für­sor­ge hat für alte und chro­nisch erkrank­te Men­schen zwar hohe Prio­ri­tät – aber ohne sozia­le Inter­ak­ti­on ver­einsamt der Mensch den­noch. Trotz aller Mög­lich­kei­ten soll­ten also per­sön­li­che Behand­lungs­ge­sprä­che, die auch Fami­li­en­an­ge­hö­ri­ge oder Sozi­al­pfle­ge­per­so­nal mit­ein­be­zie­hen, ein Teil des Gesund­heits­pla­nes blei­ben. Denk­bar wären bei­spiels­wei­se Bera­tungs­an­ge­bo­te zu Fit­ness oder Ernäh­rung, in denen sich die Betrof­fe­nen per­sön­lich ange­spro­chen füh­len und „ein­mal reden kön­nen”. Der zwi­schen­mensch­li­che Aspekt bleibt ein star­ker Fak­tor für die Betrof­fe­nen, wie die wei­te­ren Ergeb­nis­se zei­gen.

Ver­trau­en ist gut – Kon­trol­le scheint bes­ser. Dass die­se Weis­heit immer noch eine star­ke Gel­tung besitzt, bewie­sen die Pro­jek­te im Rah­men der digi­ta­len Pfle­ge eben­falls. Wäh­rend des Ver­laufs von „Dreams” gin­gen die Zah­len der Kran­ken­haus­ein­wei­sun­gen, Besu­che beim Spe­zia­lis­ten trotz der tech­ni­schen Unter­stüt­zung nicht zurück. Das Ver­trau­en von Pati­ent und Arzt in die Tech­no­lo­gie ist noch nicht stark genug. Daher soll­te zukünf­tig der Fokus dar­auf gelegt wer­den, die Vor­tei­le der Fern­über­wa­chung beson­ders bei chro­nisch erkrank­ten Men­schen auf­zu­zei­gen. Die Arzt­be­su­che könn­ten mas­siv ver­rin­gert, auf Ver­än­de­run­gen zeit­nah reagiert und Fach­kol­le­gen Co-Dia­gno­sen bereit­ge­stellt wer­den. Sophie Gra­ham zeigt uns mit einem Bei­trag eine Welt, in der Tech­no­lo­gie den Men­schen in sei­nem Tun unter­stützt – exakt so stel­len wir uns die „Human Centric Inno­va­ti­on” vor.

Wir stel­len in locke­rer Fol­ge unse­re Zukunft aus Sicht der Exper­ten vor. Erle­ben Sie unse­re Visi­on aus einer ganz neu­en Per­spek­ti­ve. Bis­lang erschie­nen sind fol­gen­de Bei­trä­ge:

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