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In 24 Stunden zur digitalen Schule: Expertenstimmen, Empfehlungen und Impulse

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Geschätzte Lesezeit: 6 Minuten
Portrait Micha Pallesche
Micha Pal­le­sche

Dür­fen wir vor­stel­len? Das ist Micha Pal­le­sche, Schul­lei­ter an der Ernst-Reu­ter-Gemein­schafts­schu­le in Karls­ru­he. Der stu­dier­te Leh­rer und Medi­en­päd­ago­ge befasst sich seit vie­len Jah­ren mit moder­nen Lern­kon­zep­ten. Er hat im Rah­men sei­ner Pro­mo­ti­on gemein­sam mit ande­ren Lehr­kräf­ten Medi­en­kon­zep­te für inter­ak­ti­ve White­boards und mobi­le End­ge­rä­te ent­wi­ckelt und war Mit­glied des Forum Bil­dung Digi­ta­li­sie­rung, das die Kul­tus­mi­nis­ter­kon­fe­renz beim Pro­zess zur Stra­te­gie „Bil­dung in der digi­ta­len Welt” unter­stütz­te. Von die­sem Wis­sen pro­fi­tiert auch die Schu­le, die er lei­tet. Auf­grund ihres mehr­fach aus­ge­zeich­ne­ten medi­en­bild­ne­ri­schen Pro­fils wur­de die Ernst-Reu­ter-Gemein­schafts­schu­le 2017 zur ers­ten „Smart School” in Baden-Würt­tem­berg gekürt.

Doch Anfang 2020 stand Micha Pal­le­sche dann vor den glei­chen Her­aus­for­de­run­gen wie alle ande­ren. Inner­halb kür­zes­ter Zeit muss­ten nicht nur die Schüler*innen mit einer völ­lig neu­en Situa­ti­on klar­kom­men. Auch Schul­lei­tun­gen, Lehr­kräf­te und Schul­trä­ger muss­ten in den Kri­sen­mo­dus wech­seln und ver­su­chen, den Unter­richt mit digi­ta­ler Unter­stüt­zung am Lau­fen zu hal­ten, qua­si von einem Tag auf den ande­ren. In nur 24 Stun­den zur digi­ta­len Schu­le – geht das überhaupt?

Digitales Lernen hat Vorteile – die Umsetzung ist aber noch zögerlich

Mitt­ler­wei­le ist mehr als ein Jahr ver­gan­gen. Man­ches, das in den ein­zel­nen Schu­len impro­vi­siert wur­de, hat funk­tio­niert. Ande­res nicht. Auch Mischa Pal­le­sche zieht eine Rei­he von Leh­ren aus der Situation:

Learnings Micha Pallesche

Doch sei­ne Ein­schät­zung, ob die Digi­ta­li­sie­rung nach der Pan­de­mie fort­ge­führt wird, ist eher vorsichtig:

„Ich habe die Befürch­tung, dass es nach der Pan­de­mie ein „back to the roots” geben wird, weil die neu­en Erkennt­nis­se noch nicht stark genug in den Köp­fen der Akteu­re von Schu­len ver­an­kert sind. Das hat mit einem Grund­ver­ständ­nis des Ler­nens und des Unter­richts in der Kul­tur der Digi­ta­li­tät zu tun und bedarf einer inne­ren Hal­tung als Leh­re­rin oder Leh­rer. Ich glau­be, dass die­ser Schritt noch nicht gegan­gen ist.”

Aber woher kommt die­ses Zögern? Was die Hard­ware betrifft, sind vie­le Schu­len nun deut­lich bes­ser aus­ge­stat­tet als vor der Pan­de­mie. Und auch eine grö­ße­re Zahl Lehr­kräf­te hat ihre Ängs­te und Vor­be­hal­te gegen­über digi­ta­len Medi­en schon ein Stück weit abge­legt. Doch für einen kon­se­quen­ten Schritt wei­ter in Rich­tung Digi­ta­li­sie­rung fehlt etwas. Das ange­spro­che­ne Umden­ken? Mut? Viel­leicht auch ein­fach ein wenig Wis­sen – durch das der manch­mal kom­pli­ziert wir­ken­de Weg hin zur digi­ta­len Schu­le plötz­lich viel gang­ba­rer erscheint.

Expert*innen-Interviews zur Digitalisierung in Schulen

Genau hier setzt ein Leit­fa­den an, den wir Ihnen heu­te vor­stel­len möch­ten. Wir haben uns inten­siv mit einer Fra­ge aus­ein­an­der­ge­setzt, die im Moment sicher­lich vie­le Schul­lei­tun­gen, Lehr­kräf­te und Schul­trä­ger beschäf­tigt: Wie digi­ta­li­sie­ren wir unse­re Schu­len? Her­aus­ge­kom­men sind gute zwan­zig Sei­ten vol­ler Expert*innen-Interviews, kon­kre­ter Tipps, Emp­feh­lun­gen und Impul­sen für die Umsetzung.

Micha Pal­le­sche ist einer der Exper­ten, die wir inter­viewt haben. Er berich­tet davon, was sich durch Coro­na ver­än­dert hat, erläu­tert was die Schul­lei­tung zur Digi­ta­li­sie­rung bei­tra­gen kann und zeigt auf, dass Schu­len mehr Frei­hei­ten besit­zen, als sie glau­ben. Außer­dem spra­chen wir zum Bei­spiel auch mit Dr. Chris­ti­an Bütt­ner. Der leiten­de Direk­tor des Insti­tuts für Päd­ago­gik und Schul­psy­cho­lo­gie Nürn­berg (IPSN) ist eben­falls 1. Vor­sit­zen­der des Bünd­nis­ses für Bil­dung e.V. Seit Beginn der Pan­de­mie hat ihn die Fra­ge beschäf­tigt, wie Schu­len und Schul­trä­ger an einem Strang zie­hen und Lösun­gen Hand in Hand anbie­ten können.

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Vor dem Digi­tal­pakt Schu­le gab es für ihn vor allem digi­ta­len Wild­wuchs. Hier wur­den Smart­boards ange­schafft, dort ein Screen, wie­der woan­ders Tablets – eine Her­aus­for­de­rung für die­je­ni­gen, die die IT-Infra­struk­tur pfle­gen und die Leh­rer­fort­bil­dung orga­ni­sie­ren muss­ten. Doch wie lässt sich dar­aus etwas Steu­er­ba­res und Nach­hal­ti­ges eta­blie­ren? Sei­ne Emp­feh­lung: „Hier gibt es für mich zwei Grund­sät­ze. Der ers­te ist: Kei­ner kann’s allei­ne. Und der zwei­te ist: Ein­fach machen! Damit mei­ne ich nicht nur ein­fach los­zu­le­gen, son­dern alle Betei­lig­ten in ihrer Rol­le und auf ihrem Niveau mitzunehmen.”

Fernunterricht? Hybridunterricht? Kein Problem

Neben Expert*innen-Interviews haben wir für Sie vie­le kon­kre­te Tipps und Hil­fe­stel­lun­gen zusam­men­ge­stellt – zum Bei­spiel zum Fern­un­ter­richt, wohl DEM The­ma des Jah­res 2020. Um wäh­rend der nach wie vor andau­ern­den Pan­de­mie – und auch danach – gut auf­ge­stellt zu sein, geht es jetzt dar­um, eine gute Basis zu schaf­fen, ganz prag­ma­tisch und prak­ti­ka­bel, statt immer per­fekt. Wie weit ist Ihre Schu­le? Wel­che der sechs Punk­te unse­rer Check­lis­te konn­ten Sie bereits in Angriff nehmen?

  1. Alle ins digi­ta­le Boot holen
    Es geht nicht dar­um, von Anfang an die per­fek­te Stra­te­gie zu haben. Viel­mehr soll­te sie mit allen Kolleg*innen gemein­sam ent­wi­ckelt wer­den. Denn wer sich mit­ge­nom­men fühlt, enga­giert sich auch für ein Projekt.
  2. Ein­fa­che Tech­nik für alle bereitstellen
    Für den Start benö­ti­gen Sie kei­ne High­tech-Gerä­te. Viel wich­ti­ger ist es, jedem Leh­ren­den und Ler­nen­den ein digi­ta­les End­ge­rät mit Inter­net­zu­gang bereit­stel­len zu kön­nen, das er oder sie gut bedie­nen kann.
  3. Apps und Tools nut­zen, die jede*r versteht
    Wäh­len Sie gemein­sam Pro­gram­me und Tools aus, die auf eine brei­te Akzep­tanz sto­ßen und leicht erlern­bar sind. Spür­ba­re Erfol­ge haben kla­ren Vor­rang vor tech­ni­scher Komplexität.
  4. Struk­tu­ren schaf­fen, die zum digi­ta­len Ler­nen passen
    Pla­nen Sie in grö­ße­ren Zeit­ab­schnit­ten. Bin­den Sie die Hand­ha­bung der Gerä­te und Pro­gram­me in den Unter­richt ein. Sinn­voll sind Pro­jekt­ar­bei­ten in Klein­grup­pen, bei denen sich die Team­mit­glie­der gegen­sei­tig unter­stüt­zen können.
  5. Ver­trau­en vs. Kon­trol­le: Das rich­ti­ge Maß finden
    Um jedem Mit­glied der Klas­se gerecht zu wer­den, bedarf es beim Fern­un­ter­richt unter­schied­li­cher Stra­te­gien: zum Bei­spiel fes­te Sprech­zei­ten, eine gemein­sa­me digi­ta­le Pinn­wand oder der Aus­tausch mit den Eltern.
  6. Feed­back will­kom­men hei­ßen – aber mit Kultur
    Ohne den per­sön­li­chen Kon­takt blei­ben vie­le Stim­mun­gen unent­deckt. Doch es ist wich­tig, die­se trans­pa­rent zu machen und immer wie­der aktiv nach Feed­back zu fra­gen. Dabei hel­fen digi­ta­le Tools wie anony­me Umfra­gen oder Themen-Votings.

Sie haben die Her­aus­for­de­rung, dass Ler­nen­de in der Schu­le gleich­zei­tig mit denen zuhau­se unter­rich­tet wer­den müs­sen? Auch das geht – Stich­wort „Hybrid­un­ter­richt”. Auf Sei­te 11 unse­res Leit­fa­dens fin­den Sie dafür wert­vol­le Tipps: „In vier Stu­fen zum Hybrid­un­ter­richt”.

Die Rolle der Medienzentren

Nicht nur der Unter­richt selbst muss an die neu­en Bedin­gun­gen ange­passt wer­den. So haben zum Bei­spiel die Medi­en­zen­tren eine Schlüs­sel­rol­le inne. Kom­mu­na­le Medi­en­zen­tren ver­sor­gen Bil­dungs­ein­rich­tun­gen mit didak­ti­schen Medi­en, infor­mie­ren zu ihrer Anwen­dung und bil­den die Lehr­kräf­te wei­ter. Sie sind auch gefragt, wenn es um die Aus­stat­tung von Schu­len mit Tech­nik und Bera­tung zu deren Bedie­nung geht. Da ist es kein Wun­der, dass sie seit den Coro­na-beding­ten Schul­schlie­ßun­gen im März 2020 gefragt sind wie nie. Der Bedarf reicht von der geeig­ne­ten Hard- und Soft­ware für Lehr­kräf­te und Ler­nen­de über Mate­ri­al für das Home­schoo­ling bis hin zum Coa­ching im The­ma Video­kon­fe­renz.

Durch den stark gestie­ge­nen Digi­ta­li­sie­rungs­be­darf sind die Medi­en­zen­tren mitt­ler­wei­le umfas­sen­der Dienst­leis­ter für Schul­ent­wick­lung. Wir haben mit Jörg Schu­ma­cher vom Stadt­me­di­en­zen­trum Karls­ru­he und Dr. Peter Jaklin vom Lan­des­me­di­en­zen­trum Baden-Würt­tem­berg über die­se Rol­le und die damit ver­bun­de­nen Auf­ga­ben gesprochen.

Digitaler Unterricht? Geht nicht – Datenschutz!

Wenn es um die digi­ta­le Schu­le geht, kommt auch schnell das The­ma Daten­schutz zur Spra­che. Unter­richt über Zoom, Grup­pen­ar­bei­ten und Klas­sen­chats in Micro­soft Teams? Das leh­nen vie­le Schu­len und Schul­trä­ger ab mit dem Ver­weis auf den Daten­schutz. Viel­leicht kommt Ihnen eines oder auch meh­re­re die­ser Argu­men­te bekannt vor:

  • Die DSGVO ver­bie­tet den Ein­satz von US-Anbie­tern wie Zoom oder Microsoft
  • US-Anbie­ter ermög­li­chen Ermitt­lungs­be­hör­den den Zugriff auf per­sön­li­che Daten
  • Live-Kom­mu­ni­ka­ti­on im Fern­un­ter­richt ist daten­schutz­kon­form unmöglich
  • Damit Schu­len den gesetz­li­chen Daten­schutz­an­for­de­run­gen gerecht wer­den kön­nen, müs­sen sie extra Expert*innen einstellen

Wir räu­men mit die­sen Mythen auf. Erfah­ren Sie mehr im Leit­fa­den auf Sei­te 16.

Was Sie noch erwartet

Fujitsu Aktuell - 24h-Digitale-SchuleWer sich wei­ter­ent­wi­ckeln möch­te, ist auf Aus­tausch ange­wie­sen – da geht es Lehrer*innen genau­so wie Schu­len und Schul­trä­gern. Eine eben­so ein­fa­che wie wir­kungs­vol­le Metho­de sind digi­ta­le Netz­wer­ke. Das viel­fäl­ti­ge Ange­bot reicht von den offi­zi­el­len Ange­bo­ten von Bünd­nis­sen und Orga­ni­sa­tio­nen bis hin zu orga­nisch gewach­se­nen Grup­pen auf den sozia­len Kanä­len. Wir stel­len in unse­rem Leit­fa­den ein paar Mög­lich­kei­ten vor.

Das glei­che gilt für das The­ma Fort- und Wei­ter­bil­dung. In einem Inter­view spricht Sil­ke Weiß, Bil­dungs­in­no­va­to­rin und Lei­te­rin der Lern­Kul­tur­Zeit Aka­de­mie davon, wie von- und mit­ein­an­der Ler­nen auch län­der­über­grei­fend geht und wie in den letz­ten Jah­ren Viel­falt und Ver­net­zung von Bil­dungs­an­ge­bo­ten zuge­nom­men haben – auch dank digi­ta­ler Möglichkeiten.

Natür­lich geben wir auch Emp­feh­lun­gen für die opti­ma­le Hard- und Soft­ware, vom Rech­ner bis hin zur Kol­la­bo­ra­ti­ons­lö­sung für die vir­tu­el­le Zusam­men­ar­beit. Und von A wie Access Points bis Z wie Zugangs­kon­trol­le zei­gen wir Ihnen, wie die pas­sen­de Infra­struk­tur für die digi­ta­le Schu­le aus­sieht und was Sie benö­ti­gen.

Übri­gens: Den Leit­fa­den gibt es in einer indi­vi­du­el­len Ver­si­on für jedes der sech­zehn Bun­des­län­der. Neben den all­ge­mein­gül­ti­gen Infor­ma­tio­nen und Hin­wei­sen fin­den Sie dort Infor­ma­tio­nen zu spe­zi­el­len För­der­pro­gram­men, För­der­richt­li­ni­en für digi­ta­le Bil­dung und Richt­li­ni­en für Soft­ware und Cloud-Lösun­gen – spe­zi­ell für Ihre Region.

In 24 Stunden zur digitalen Schule

Haben wir Ihre Neu­gier­de geweckt? Hier geht’s zum Leit­fa­den: „In 24 Stun­den zur digi­ta­len Schu­le?”. In der PDF-Datei fin­den Sie vie­le wei­ter­ge­hen­de Infor­ma­tio­nen zu allen hier ange­spro­che­nen The­men  – und noch vie­les mehr. Eins kön­nen wir Ihnen schon jetzt ver­ra­ten: 24 Stun­den rei­chen natür­lich nicht, um eine Schu­le kom­plett digi­tal auf­zu­stel­len. Aber mit den rich­ti­gen Infor­ma­tio­nen ist der Weg zum Ziel deut­lich ein­fa­cher, als er anfangs viel­leicht erschei­nen mag.

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