Was in Deutschland kaum vorstellbar scheint, gilt in Japan in älteren Gebäuden als normal: Sie besitzen keine Zentralheizung. Wenn wir im Winter frieren, drehen wir in der gesamten Wohnung einfach die Heizung auf. Für gemütliche Stunden fachen wir den Kamin an oder wir verstecken uns zusätzlich noch unter einer kuscheligen Decke. Ein Haus ohne Zentralheizung – bei uns undenkbar, in Japan keine Seltenheit. Um sich warm zu halten, greifen die Japaner auf „Insellösungen“ zurück und auch unsere Kollegin Susann hat sich von einer dieser Inseln „infizieren“ lassen. Für ein Jahr tauscht sie ihren Schreibtisch in München gegen ein Großraumbüro in Tokio und zu Hause entspannt, arbeitet und isst Susann täglich an ihrem wärmenden „Kotatsu“.

Hinter dem „Kotatsu“ steckt eine einfache, aber geniale Idee und die Geschichte des beheizten Tisches geht auf eine lange Tradition in Japan zurück. Einstöckige Häuser verfügten früher über eine als Grube angelegte Feuerstelle und die Bewohner heizten mit Holzkohle. Über das Loch stellte man im Laufe der Zeit einen Tisch. Diese Grundform des „Kotatsu“ hat sich bis heute gehalten – bis auf das Feuer. Moderne „Kotatsu“ verfügen über ein elektrisches Heizelement unter der Tischplatte – auch der von Susann.

Wie man von der japanischen Kultur weiß, sitzen die Familien an flachen Tischen am Boden. Dies natürlich auch im Winter. Und da die älteren Gebäude in Japan keine zentrale Heizung vorweisen, werden eben die verschiedenen Elemente der Wohnung „beheizt“. In früheren Zeiten hat man die Wärme unter dem Tisch mit Glut aus einem Feuer erzeugt. Heute ist es einfacher – ich stecke einfach den Stecker in die Steckdose.

Niemand muss am Ende frieren

Susanns_Kotatsu_querZu einem richtigen „Kotatsu“ gehört auch eine am Tisch angebrachte Decke. So bleibt die Wärme unter dem Tisch und wer an besonders kalten Tagen friert, kann sich einfach darunter kuscheln. Für Susann hat diese japanische Heizvariante den Praxistest definitiv bestanden. „Wärmende Insellösungen“ gehören für die Japaner zum Alltag, beheizte Decken, Schuhe und eine Vielzahl von elektrischen Heizkörpern und Wärmeelementen füllen in Elektromärkten teils ganze Etagen. Von den beheizten Klobrillen allerdings zeigt sich Susann noch nicht gänzlich überzeugt. Den „Kotatsu“ jedoch beschreibt unsere Kollegin als „einen Traum für die kalten Wintertage, wenn man sowieso nicht aufstehen mag“ und für ihre Rückkehr nach Deutschland hat sie sich den ganz besonderen Tisch ebenfalls schon vorgemerkt.

Man kann sich dazu auch passende Sitzelemente kaufen, die einem das Sitzen oder auch Liegen noch einmal angenehmer machen. Am Ende hat man eine Liegewiese für die ganze Familie und niemand muss frieren.

Für Susann bleibt der „Kotatsu“ der schönste Platz in Japan an einem kalten Wintertag. Auch wir halten uns schließlich bei frostigen Temperaturen lieber an einem warmen, kuscheligen Ort auf. Zwar können wir uns eine Wohnung oder ein Haus ohne Zentralheizung und Isolierung kaum vorstellen, aber zusätzliche Wärmequellen wie zum Beispiel ein Kamin verleihen auch in Deutschland jedem klirrend kalten Tag behagliche Gemütlichkeit. Susann jedenfalls möchte ihren „Kotatsu“ nicht mehr missen – weder in Tokio noch zu Hause.

Alle Beiträge von Susann finden Sie unter dem Schlagwort „Reisetagebuch Japan“.



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