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Two in one: Welche Hybridkassen sind Tests wert?

Fujitsu Retail Mall
Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Gast­bei­trag von Klaus Manz, Retail Tech­no­lo­gy

Fle­xi­bel vom SB- in den Bedie­ner-Modus wech­seln: Mit ihren hybri­den Vari­an­ten zie­len die Her­stel­ler von SB-Kas­sen ins­be­son­de­re auf Märk­te, deren Kas­sen­zo­nen nur begrenz­ten Platz bie­ten. Eini­ge Han­dels­un­ter­neh­men tes­ten die Technik.

NCR konn­te im ver­gan­ge­nen Jahr ein dickes Aus­ru­fe­zei­chen set­zen. Mit der im Novem­ber ange­kün­dig­ten und für 2013 geplan­ten Instal­la­ti­on von rund 10.000 SB-Kas­sen in 1.200 Walm­art-Filia­len zog der US-ame­ri­ka­ni­sche IT-Dienst­leis­ter einen Groß­auf­trag an Land. Ansons­ten ging es welt­weit eher ruhig zu im Markt für SB-Kas­sen­lö­sun­gen. In Deutsch­land stan­den in 2012 vor allem klei­ne­re Instal­la­tio­nen auf dem Pro­gramm, etwa bei dem Ede­ka-Händ­ler Gerd Grüm­mer, der sei­nen Markt in Boos­tedt bei Neu­müns­ter von dem IT-Dienst­leis­ter Micros mit vier SB-Ter­mi­nals aus­rüs­ten ließ. Oder bei dem Ede­ka-Händ­ler Jan Hayun­ga, in des­sen Elms­hor­ner E‑Center sie­ben SB-Sta­tio­nen von NCR auf­ge­stellt wurden.

Zurück­hal­tend reagiert der Han­del bis­lang auch auf die von den Her­stel­lern seit eini­ger Zeit ange­bo­te­nen Hybrid-Vari­an­ten – also Ter­mi­nals, die sowohl im SB-Betrieb als auch im tra­di­tio­nel­len, von Mit­ar­bei­tern bedien­ten Modus funk­tio­nie­ren. Im E‑Center von Jan Hayun­ga sol­len, als ers­te Instal­la­ti­on in Deutsch­land, zu den sie­ben rei­nen SB-Kas­sen in Kür­ze noch zwei die­ser Hybrid-Gerä­te hin­zu­kom­men. Die „Self­serv Check­out Con­ver­ti­ble“ von NCR wer­den in den gesi­cher­ten Lot­to-Bereich des Mark­tes als Bezahl­mo­du­le inte­griert. Dadurch soll dem Andrang auf die Lot­to­stel­le an Wochen­en­den ent­ge­gen­ge­wirkt und Schlan­gen­bil­dun­gen ver­mie­den werden.

Kun­den­fre­quen­z­wech­sel

Inter­na­tio­nal hat NCR sei­ne Hybrid-Ver­si­on bis­her in einem  Super­markt des bri­ti­schen Filia­lis­ten Asda ein­ge­baut. Und hofft auf mehr.

Prin­zi­pi­ell ver­spre­chen wir uns Poten­zia­le in allen Märk­ten, in denen es auf eine hoch­ef­fi­zi­en­te Aus­nut­zung des vor­han­de­nen Plat­zes und eine Anpas­sung der Kas­sen­ka­pa­zi­tä­ten bei dyna­mi­schem Kun­den­fre­quen­z­wech­sel ankommt

erklärt Han­no Kall­mey­er, EMEA Store Busi­ness Con­sul­tant bei NCR. Das kön­nen laut Kall­mey­er klei­ne­re Filia­len im Lebens­mit­tel­ein­zel­han­del, aber auch Shops in Bahn­hö­fen oder Flug­hä­fen sein.

Im Rah­men sei­nes „MoveFiow“-Programms bie­tet auch der Aus­rüs­ter ITAB eine hybri­de Kas­sen­lö­sung an. Im Hei­mat­markt des Unter­neh­mens, beim schwe­di­schen Filia­lis­ten ICA, sind vier Hybrid-Ter­mi­nals Instal­liert. ITAB berich­tet, dass die Sys­te­me bei ICA über­wie­gend im SB-Modus genutzt wer­den. Wie künf­tig bei Ede­ka Hayun­ga, kom­men sie ledig­lich dann als bedien­ter Check­out zum Ein­satz, wenn zum Bei­spiel Lot­to­schei­ne ver­kauft wer­den. Denn die­se müs­sen in der Kas­sen­la­de abge­legt wer­den, somit wird eine Kas­sen­kraft benötigt.

Pilo­t­in­stal­la­tio­nen laufen

Als Anbie­ter von Retail-Tech­no­lo­gie hat­te der japa­ni­sche Groß­kon­zern Fuji­tsu auf der Euro­CIS 2013 sei­nen ers­ten gro­ßen Auf­tritt in Deutsch­land. Dabei ist Fuji­tsu auch im Markt für Self-Check­out-Lösun­gen ein Big Play­er. Fuji­tsu-SB-Sys­te­me sind welt­weit in fünf­stel­li­ger Zahl Instal­liert. Unter ande­rem bei Auchan. Car­re­four, Cora, Kro­ger, Conad, A&P und Match. Nach eige­nen Anga­ben liegt Fuji­tsu damit welt­weit auf Rang zwei bei Self-Checkout-Anwendungen.

Mit „U‑Reverse“ haben auch die Japa­ner ein hybri­des Ter­mi­nal im Ange­bot. Getes­tet wird es momen­tan bei der fran­zö­si­schen Han­dels­ket­te Auchan, in einem Markt im süd­fran­zö­si­schen Valence. Eine wei­te­re Anwen­dung im Osten des Lan­des soll in die­sem Früh­jahr fol­gen. Mit Hin­weis dar­auf, dass die Sys­te­me erst seit Kur­zem instal­liert sind, will Auchan noch nicht über ers­te Erfah­run­gen berichten.

Doch auch Ralf Schi­en­ke, Sales Mana­ger Retail Deutsch­land bei Fuji­tsu Tech­no­lo­gy Solu­ti­ons, geht von stei­gen­dem Inter­es­se der Han­dels­be­trie­be an Hybrid-Lösun­gen aus (sie­he Inter­view). Auf der Euro­CIS hat­te Fuji­tsu eine groß­for­ma­ti­ge, auf gro­ße Waren­kör­be aus­ge­rich­te­te Kas­sen­li­nie auf­ge­baut, die mit weni­gen Hand­grif­fen vom Bedie­ner-in den SB-Modus umge­stellt wer­den kann.

Laut Schi­en­ke kann Fuji­tsu auf der bestehen­den Platt­form auch kom­pak­te Model­le her­stel­len, er sieht die Hybrid-Lösun­gen aber eher als

Ergän­zung einer klas­si­schen SB-Instal­la­ti­on bei Groß­for­ma­ten.“

Vom Kom­pakt-Modell bis zum Groß­for­mat kön­nen die IT ‑Anbie­ter prin­zi­pi­ell jede Hybrid-Vari­an­te in Zusam­men­ar­beit mit Kas­sen­tisch-Her­stel­lern rea­li­sie­ren. Fuji­tsu zeig­te auf der Euro­CIS sei­ne „U‑Reverse“ Hybrid­lö­sung für gro­ße Waren­kör­be. Dage­gen prä­sen­tier­te NCR mit dem „SCO Express Con­ver­ti­ble“ eine beson­ders kom­pak­te Ver­si­on. Neben ITAB mit dem „Move­Flow Hybrid“ haben auch die Her­stel­ler Toshi­ba und Win­cor Nix­dorf hybri­de Kas­sen­lo­sun­gen im Port­fo­lio, die aller­dings noch nicht im Pra­xis-Ein­satz sind.

Inter­view

Ralf Schi­en­ke, Sales Mana­ger Retail Deutsch­land bei Fuji­tsu Tech­no­lo­gy Solu­ti­ons, über Nut­zen und Ein­satz­mög­lich­kel­ten von Hybrid-Kassenlösungen.

Wel­chen Bene­fit ver­spricht eine Hybrid-Kasse?

ln nied­rig­fre­quen­ten Pha­sen kön­nen Sie eine Men­ge unbe­setz­ter Kas­sen beob­ach­ten, über wei­te Tei­le des Tages blei­ben die­se Flä­chen unpro­duk­tiv. Umge­kehrt kommt es immer wie­der zu Schlan­gen­bil­dun­gen, die kurz­fris­ti­ge Kas­sen­öff­nun­gen not­wen­dig machen. Fle­xi­ble Check­out-Sys­te­me wir­ken hier wie ein Puf­fer, sie erwei­tern die Anzahl der offe­nen Kas­sen in beleb­ten Pha­sen, ohne zusätz­li­chen Platz oder Mit­ar­bei­ter zu erfordern.

Wie inten­siv wer­den SB- bzw. Hybrid-Sys­te­me genutzt?

Self-Check­out-Waren­kör­be beinhal­ten bis zu 10 Arti­kel. Bei Hybrid­sys­te­men, die wie unser „U‑Reverse“ auch auf Ein­kaufs­wa­gen hin gestal­tet sind, sind es bereits bis zu 25 Arti­kel. In Län­dern, in denen SB-Kas­sen schon län­ger eta­bliert sind, liegt der Anteil der Kun­den, die am SCO aus­che­cken, bei einem Drittel.

Beruht die Ent­wick­lung der Hybrid­kas­se auf Anre­gun­gen aus dem Handel?

Ja, Fuji­tsu ist stolz dar­auf, neue Lösun­gen gemein­sam mit Kun­den ent­wi­ckeln zu kön­nen. Das Sys­tem „U‑Reverse“ wur­de zusam­men mit einem füh­ren­den Han­dels­un­ter­neh­men in Frank­reich ent­wi­ckelt. „U‑Reverse“ läuft dort im Ech­t­ein­satz in einer Pilot­fi­lia­le und dient als Ergän­zung zu den dort instal­lier­ten Self-Check­out-Sys­te­men von Fujitsu.

Wel­che Rol­le wer­den Hybrid­kas­sen künf­tig spielen?

Self-Check­out-Sys­te­me sind ja nie ganz bedien­erlos, es wird in jedem Fall ein Mit­ar­bei­ter benö­tigt, der Kun­den zum Bei­spiel bei der Frei­ga­be von Arti­keln mit Alters­be­schrän­kung oder im Feh­ler­fall unter­stützt. Das spricht eher für den Ein­satz von Self-Check­outs in Kom­bi­na­ti­on mit Hybrid-Checkouts.

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