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Interview mit Susanne Brügelmann zu GreenIT und Made in Germany

Interview mit Susanne Brügelmann zu GreenIT und Made in Germany
Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Unse­re Kol­le­gin Susan­ne Brü­gel­mann, Seni­or Pro­duct Mar­ke­ting Mana­ger Green IT & Cor­po­ra­te Social Respon­si­bi­li­ty bei Fuji­tsu, wur­de von der vier­tel­jähr­lich erschei­nen­den Zeit­schrift FIfF-Kom­mu­ni­ka­ti­on zum The­ma Gree­nIT bei Fuji­tsu interviewt.

Die FIfF-Kom­mu­ni­ka­ti­on wird her­aus­ge­ge­ben vom Forum Infor­ma­ti­ke­rIn­nen für Frie­den und gesell­schaft­li­che Ver­ant­wor­tung e.V., wel­ches sich aktu­el­len The­men aus Infor­ma­tik und Gesell­schaft wid­met. Schwer­punkt­the­ma der aktu­el­len Aus­ga­be ist die Fra­ge, wie fai­re Com­pu­ter Rea­li­tät wer­den kön­nen. Das Forum besteht aus Fach­leu­ten der Infor­ma­tik und Infor­ma­ti­ons­tech­nik, die sich Gedan­ken über ihre gesell­schaft­li­che Rol­le machen.

Das The­ma Gree­nIT hat bei Fuji­tsu eine lan­ge Tra­di­ti­on. Um einen Bei­trag zur öko­lo­gi­schen Nach­hal­tig­keit für zukünf­ti­ge Genera­tio­nen zu leis­ten, hat Fuji­tsu den Umwelt­schutz zur obers­ten Prio­ri­tät erklärt.

Susanne BrügelmannIm Inter­view ver­rät unse­re Kol­le­gin mehr…

Sehr geehr­te Frau Brü­gel­mann, erken­nen Sie eine Nach­fra­ge nach fai­rer her­ge­stell­ten Gerä­ten? Spü­ren Sie die zuneh­men­de Medi­en­prä­senz die­ses Themas?

Gene­rell neh­men wir fol­gen­den Para­dig­men­wech­sel wahr: Im Umfeld von Green IT fließt die sozia­le Kom­po­nen­te zuneh­mend in die Kauf­ent­schei­dung mit rein, zuzüg­lich zu Fra­gen nach der Ener­gie­ef­fi­zi­enz und der Reduk­ti­on des CO2-Aus­sto­ßes. Damit sind nun auch Pro­duk­ti­ons- und Arbeits­be­din­gun­gen in Bezug auf unse­re eige­nen Wer­ke und auch auf unse­re Lie­fer­ket­ten ein wich­ti­ges Thema.

Kei­ne der Mar­ken­fir­men hat die Her­kunft der Roh­stof­fe in den Gerä­ten ver­öf­fent­licht. Was sind die Pro­ble­me, und wie könn­te man sie Ihrer Mei­nung nach überwinden?

Das hängt mit der Kom­ple­xi­tät eines Pro­dukt­le­bens­zy­klus­ses zusam­men. Neh­men wir als Bei­spiel einen Com­pu­ter: Auf den ers­ten Blick scheint die­ser sich aus einer über­sicht­li­chen Zahl von Kom­po­nen­ten zusam­men­zu­set­zen – der Anschein trügt jedoch. So setzt sich ein PC aus unter­schied­li­chen Kom­po­nen­ten­grup­pen zusam­men, die ihrer­seits aus einer Viel­zahl von Klein­tei­len bestehen. Noch kom­ple­xer ist die Situa­ti­on bei Ser­vern. Daher sind Lifecy­cle Assess­ment Ana­ly­sen selbst inner­halb einer Pro­dukt­fa­mi­lie sehr auf­wän­dig. Bei Fuji­tsu kommt zudem noch ein sehr brei­tes Port­fo­lio hin­zu, das gemäß unse­rem Prin­zip „Think Glo­bal – Act Local“ geo­gra­phisch diver­gie­ren kann. Kon­kret heißt das, dass man je nach Markt­an­for­de­rung unter­schied­li­che Pro­dukt­li­ni­en vorfindet.

Mei­ner Ein­schät­zung nach lässt sich die­ses The­ma nur im Rah­men eines inte­grier­ten Reportings gestützt auf inter­na­tio­na­le Stan­dards angehen.

Man sagt immer, alle Her­stel­ler wären gleich, weil sowie­so jeder in Chi­na bei Fox­conn oder ähn­li­chen Kon­trak­t­her­stel­lern fer­ti­gen lässt. Sehen Sie das auch so? Gibt es Mög­lich­kei­ten, sich von der Kon­kur­renz posi­tiv abzusetzen?

Nein, das sehen wir nicht so. Mit Sicher­heit hat die Kom­mo­di­fi­zie­rung Ein­zug in die IT-Indus­trie gehal­ten und die Lie­fe­ran­ten­land­schaft welt­weit ver­schlankt. Den­noch gibt es nach wie vor Mög­lich­kei­ten, ande­re Wege zu gehen – und genau das machen wir. So haben wir bei­spiels­wei­se vie­le eige­ne Wer­ke. Allen vor­an unser Werk in Augs­burg. Oder unser For­schungs- und Ent­wick­lungs­stand­ort Pader­born mit eige­nem Recy­cling-Cen­ter. Zudem gibt es in Japan eige­ne Wer­ke, in denen Fuji­tsu-Pro­duk­te und Kom­po­nen­ten her­ge­stellt werden.

Von der Fer­ti­gung in Deutsch­land ist wenig bekannt. Wel­che Pro­duk­ti­ons­schrit­te fin­den in Augs­burg statt und wel­chen Anteil hat dies inner­halb Ihrer gesam­ten Pro­duk­ti­on von PCs? Wäre es in Chi­na nicht günstiger?

Fuji­tsu setzt stark auf den Stand­ort Deutsch­land und das Werk in Augs­burg. Wir sind das ein­zi­ge IT-Unter­neh­men die­ser Grö­ße, das noch in Deutsch­land fer­tigt. So wird bei­spiels­wei­se die Pro­dukt­li­nie ESPRIMO PC mit Main­board kom­plett in Augs­burg gefer­tigt. Das garan­tiert kur­ze Wege.

Dar­über infor­mie­ren wir auch regel­mä­ßig und bie­ten zudem Werks­füh­run­gen an. Die­se wer­den bei­spiels­wei­se von unse­ren Part­nern ger­ne wahr­ge­nom­men, aber auch von Schu­len oder Uni­ver­si­tä­ten. Zudem infor­mie­ren wir im Inter­net dar­über. Dass über die Fer­ti­gung wenig bekannt ist, stimmt so also nicht.

Haben Sie eine Erklä­rung, war­um nie­mand der gro­ßen Her­stel­ler, Fuji­tsu ein­ge­schlos­sen, tut, was Fair­Pho­ne oder Nager-IT vor­ma­chen? War­um nutzt nie­mand die vor­han­de­nen Mög­lich­kei­ten zur fai­re­ren Her­stel­lung offen­siv als Verkaufsargument?

Fuji­tsu stellt sich immer wie­der neu­en Her­aus­for­de­run­gen mit alter­na­ti­ven Design­kon­zep­ten, durch die natür­li­che Mate­ria­li­en und bio-basier­te Kunst­stof­fe zum Ein­satz kom­men – und das kom­mu­ni­zie­ren wir auch.

Ers­tes Bei­spiel: Das Öko-Key­board. Das Fuji­tsu KBPC PX ECO Key­board besteht zu 45 Pro­zent aus Bio­kunst­stoff, ver­fügt über ein PVC-frei­es USB-Kabel und eine halo­gen­freie Pla­ti­ne. Die Basis der Hand­auf­la­ge ist ARBOFORM® (Lignin), ein Abfall­pro­dukt der Papier­in­dus­trie. Das Unter­teil besteht aus BIOGRADE®, einem Grund­ma­te­ri­al der Papier­in­dus­trie. Damit hilft es, auf Öl basie­ren­de Pro­duk­te wie Plas­tik und PVC aus der Fabrik­pro­duk­ti­on zu entfernen.

Zwei­tes Bei­spiel: Die Öko-Maus. Das Gehäu­se der Fuji­tsu-Maus M440 ECO besteht aus BIOGRADE®. Wei­ter­hin ver­fügt die­se Maus über ein PVC-frei­es USB-Kabel sowie eine halo­gen­freie Pla­ti­ne. Wei­te­rer Plus­punkt: Durch den Ein­satz bio­lo­gisch abbau­ba­rer Mate­ria­len treibt Fuji­tsu sei­ne umwelt­ver­träg­li­che Pro­duk­ti­on wei­ter vor­an und redu­ziert den CO2-Aus­stoß wäh­rend der Her­stel­lung. Hin­zu kommt, dass das Maus­ge­häu­se zu 100 Pro­zent bio­lo­gisch abbau­bar ist und somit für deut­lich weni­ger Müll sorgt. Das Bes­te dabei, die Öko-Maus kos­tet nicht mehr als her­kömm­li­che Computermäuse.

Was ist Ihr nächs­ter Schritt in Rich­tung einer fai­re­ren Her­stel­lung der Geräte?

Die Fuji­tsu Group ist Mit­glied des Netz­werks „United Nati­ons Glo­bal Com­pact“. Durch das Ein­hal­ten der Prin­zi­pi­en des Glo­bal Com­pact in den Berei­chen Men­schen­rech­te, Arbeits­nor­men, Umwelt­schutz und Kor­rup­ti­ons­be­kämp­fung sowie die akti­ve Umset­zung von CSR-Initia­ti­ven för­dert Fuji­tsu als glo­ba­les Unter­neh­men ver­ant­wor­tungs­be­wuss­tes Manage­ment und trägt so zu einer nach­hal­ti­gen Gesell­schaft bei. Aus die­sem Grund hat FTS einen Ver­hal­tens­ko­dex für Zulie­fe­rer ein­ge­führt, den Sup­plier Code of Con­duct. Die­ser ver­deut­licht unser Enga­ge­ment für ethi­sches und ver­ant­wor­tungs­vol­les Han­deln und die damit ver­bun­den Ver­pflich­tun­gen, die wir unse­ren Zulie­fe­rern auferlegen.

Zudem sind wir der­zeit dabei, ein umfas­sen­des glo­ba­les Com­pli­an­ce-Pro­gramm aus­zu­rol­len, das fai­re Betriebs- und Geschäfts­prak­ti­ken einschließt2.

Das ist lei­der etwas undurch­sich­tig. Ich per­sön­lich wür­de ger­ne das fai­re­re Pro­dukt von dem ver­ant­wor­tungs­vol­le­ren Her­stel­ler kau­fen, aber ein Ver­gleich ist schwie­rig. Wie kön­nen wir gemein­sam zu mehr Trans­pa­renz kom­men, die für den Ein­käu­fer und Kon­su­men­ten nütz­lich ist?

Mit unse­rem Sie­gel „pro­GREEN Selec­tion“ kenn­zeich­nen wir beson­ders umwelt­freund­li­che und ener­gie­ef­fi­zi­en­te Pro­duk­te von Fuji­tsu. Damit sind sie auf einen Blick zu erken­nen. Auf unse­rer Web­site fin­den Inter­es­sier­te außer­dem zu jedem unse­rer Pro­duk­te detail­lier­te Infor­ma­tio­nen – über Pro­dukt­be­schrei­bun­gen mit tech­ni­schen Details, bis hin zu Daten­blät­tern und Zer­ti­fi­ka­ten. Im Inter­net fin­den Ein­käu­fer und Kon­su­men­ten also wich­ti­ge Infor­ma­tio­nen, um unter­schied­li­che Pro­duk­te und Her­stel­ler zu vergleichen.

Was kön­nen aus Ihrer Sicht die kri­ti­schen Kon­su­men­ten tun?

Ganz klar: Sie müs­sen im Ein­klang mit ihren Vor­stel­lun­gen han­deln und die Kauf­ent­schei­dung danach rich­ten, nicht nur nach dem Preis. Das zeigt dann auch den Unter­neh­men, dass sozi­al- und umwelt­ver­träg­li­che Pro­duk­ti­on von den Kon­su­men­ten gewünscht ist und ein ent­spre­chen­der Markt exis­tiert – und führt hof­fent­lich lang­fris­tig zu einem Umdenken.

Wei­te­re Informationen

Umwelt­schutz
Ent­wick­lung und Produktion
Grü­ne Produkte
Recy­cling-Pro­gramm

Quel­le des Inter­views ist die aktu­el­le Aus­ga­be der FIfF Kom­mu­ni­ka­ti­on 4/2013.

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