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Frauen in der IT: Vorbilder können sehr hilfreich sein

Frauen in der IT: Vorbilder können sehr hilfreich sein - Interview mit Dr. Christina Eleftheriadou
Geschätzte Lesezeit: 6 Minuten

Hier in Fuji­tsu Aktu­ell berich­ten wir viel von unse­ren Pro­duk­ten, Ser­vices und Lösun­gen. Oder von Events, auf denen Sie uns fin­den kön­nen – und was Sie ver­passt haben, falls Sie nicht vor Ort waren. Auch brand­ak­tu­el­le The­men wie die Smart Cities, Digi­ta­le Bil­dung oder Quan­ten­com­pu­ting ste­hen immer wie­der im Fokus von Bei­trä­gen. Doch über eines schrei­ben wir eigent­lich noch viel zu sel­ten: die Men­schen „hin­ter den Kulis­sen”, die in unse­rem Unter­neh­men Tag für Tag hin­ter die­sen The­men ste­hen und uns vor­an­brin­gen. Wie sind sie zu Fuji­tsu gekom­men? Wie sieht ihre täg­li­che Arbeit aus – und wel­che Her­aus­for­de­run­gen müs­sen bewäl­tigt wer­den? In einer klei­nen Inter­view­se­rie möch­ten wir Ihnen ab heu­te in loser Fol­ge ein paar Mit­ar­bei­te­rin­nen vor­stel­len.

Als ers­tes haben wir mit Dr. Chris­ti­na Eleft­he­ria­dou gespro­chen, Head of Digi­tal Trans­for­ma­ti­on Con­sul­ting & Pro­fes­sio­nal Ser­vices, Cen­tral & Eas­tern Euro­pe bei Fuji­tsu. Im Inter­view hat sie uns ver­ra­ten, wel­che Her­aus­for­de­run­gen es in ihrer Kar­rie­re bis­her gab – und wie sie ihren Weg trotz­dem gegan­gen ist. Außer­dem teilt sie ein paar Kar­rie­re­tipps mit uns. Unter ande­rem die­sen: Vor­bil­der kön­nen sehr hilf­reich sein.

Danke Christina, dass Du Dir heute Zeit für dieses Interview nimmst. Da Du jetzt zu Corona-Zeiten – wie viele andere – Homeoffice und Kind unter einen Hut bringen musst, weiß ich das wirklich zu schätzen.

Sehr ger­ne! Ja, das ist im Moment schon her­aus­for­dernd. Unse­re Toch­ter ist aber schon 9, da ist selb­stän­di­ges Arbei­ten schon eher mög­lich. Ich mer­ke aller­dings, dass sie immer mehr Inter­ak­ti­on mit uns braucht, je län­ger sie nicht in die Schu­le darf oder ande­re Kin­der tref­fen kann. Neu­lich hat sie tat­säch­lich schon gefragt: „Mama, wann darf ich wie­der in die Schu­le?”.

Da sieht man, wie weit es schon gekommen ist. Meine Tochter hat auch nach der Kita gefragt und will sonst nichts lieber als bei Mama und Papa bleiben… Wie war Deine Kindheit? Würdest Du sagen, dass Dein Elternhaus sehr prägend für das war, wo Du jetzt stehst?

Ich bin in einem sehr lie­be­vol­len Umfeld auf­ge­wach­sen. Und ja, zurück­bli­ckend haben mich mei­ne Her­kunft und mei­ne Fami­lie maß­geb­lich geprägt. Mei­ne Eltern kamen in den 70er-Jah­ren als Gast­ar­bei­ter aus Grie­chen­land nach Deutsch­land. Sie haben bei­de in der Fer­ti­gung gear­bei­tet und waren in Schicht tätig. Für mich und mei­ne Schwes­ter war es selbst­ver­ständ­lich, dass auch mei­ne Mut­ter gear­bei­tet hat. Und mei­ne Eltern sind schon immer sehr flei­ßig gewe­sen, das war für mich ein Vor­bild. Vor allem woll­te mei­ne Mut­ter immer, dass mei­ne Schwes­ter und ich sel­ber ent­schei­den kön­nen, wel­che Aus­bil­dung wir machen. Wir soll­ten es mal bes­ser haben. Mei­ne Schwes­ter und ich haben dann auch bei­de an einer Uni stu­diert.

Wie ging es dann nach dem Studium weiter?

Nach dem BWL-Stu­di­um in Augs­burg habe ich ein Ange­bot für eine Pro­mo­ti­on bekom­men und war wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­bei­te­rin am Lehr­stuhl. Zu mei­nen Auf­ga­ben gehör­ten wis­sen­schaft­li­che Ver­öf­fent­li­chun­gen, die Betreu­ung von Diplom­ar­bei­ten und Semi­na­ren und das Hal­ten von Vor­le­sun­gen. Mein Pro­fes­sor hat sich auch gewünscht, dass ich habi­li­tie­re, aber ich habe mich damals dage­gen ent­schie­den.

Ich woll­te in die Pra­xis und hat­te ange­fan­gen, mich zu bewer­ben. Pro­dukt­ma­nage­ment fand ich viel­fäl­tig und inter­na­tio­nal. Fuji­tsu Sie­mens Com­pu­ters hat­te damals eine Stel­le aus­ge­schrie­ben, die inter­es­sant klang. Über die Bran­che hat­te ich mir erst­mals gar nicht so sehr Gedan­ken gemacht. Als es mit dem Job geklappt hat, habe ich mich durch viel Lesen auf den tech­nisch aktu­ells­ten Stand gebracht. Ich glau­be, es hat des­we­gen funk­tio­niert, weil ich es woll­te. Ich habe mir das tech­ni­sche Know-how mit „Lear­ning on the Job” selbst ange­eig­net und es dann lie­ben gelernt. Es gab aber auch vie­le tol­le Kol­le­gen, die mich unter­stützt haben. Wir waren die „AMI­LO-Girls” in einem jun­gen und inter­na­tio­na­len Team und saßen oft bis in die Nacht zusam­men, um über zukünf­ti­ge Pro­duk­te zu dis­ku­tie­ren. Nach­dem die Con­su­mer Pro­duk­te ein­ge­stellt wur­den, bin ich über Zwi­schen­sta­tio­nen zum Ser­ver­team gewech­selt.

Nach ca. 4 Jah­ren im Job kam dann mei­ne Toch­ter zur Welt. Ich bin ein Jahr mit ihr zuhau­se geblie­ben. Das habe ich sehr genos­sen, woll­te dann aber auf kei­nen Fall län­ger aus dem Job sein.

Hattest Du das Gefühl, dass sich die veränderte private Situation auf Deinen Job auswirkt? Das hört man ja von vielen.

Ja, durch­aus. Auf ein­mal war das Vor­an­kom­men schwie­ri­ger, weil oft ande­re für mich vor­aus­ge­dacht haben. Da hieß es dann: „Bleib doch hier im Team, dann hast Du es ein­fa­cher, wenn Du das 2. Kind bekommst”. Das war wirk­lich nett gemeint, aber nicht mein Weg. Ich bin dran­ge­blie­ben und schließ­lich hat es dann mit einer Füh­rungs­auf­ga­be in einem ande­ren, mir neu­en Bereich geklappt. Kon­se­quenz und Mut haben sich aus­ge­zahlt. Es ging mir gar nicht um „Kar­rie­re” in eigent­li­chen Sinn, son­dern um mei­ne eige­ne Wei­ter­ent­wick­lung.

Hört sich so an, als ob Du einiges an Energie und Hartnäckigkeit aufbringen musstest, um voran zu kommen.

Ich war sehr fle­xi­bel, effi­zi­ent und hat­te mei­ne kla­ren Zie­le. Fast ein Jahr spä­ter kam dann eine zukünf­ti­ge neue Füh­rungs­kraft aus Groß­bri­tan­ni­en nach Deutsch­land und woll­te mich tref­fen. Durch mei­ne Teil­nah­me am Future Lea­der Pro­gramm (Anmer­kung der Redak­ti­on: eines der Talent­pro­gram­me bei Fuji­tsu) war ich nun wohl offen­bar irgend­wie auf dem Radar. Die Per­so­nal­ab­tei­lung hat­te mich infor­miert, dass der­je­ni­ge eine fach­li­che Assis­tenz such­te. Eigent­lich woll­te ich nicht ein­mal zum Gespräch gehen. Ich befand mich da, wo ich sein woll­te, hat­te end­lich eine Füh­rungs­auf­ga­be – und jetzt soll­te ich die Posi­ti­on wech­seln?

Ich hol­te mir Rat von mei­ner Men­to­rin und mei­ner Schwes­ter. Mein Kopf sag­te nein, Bauch und Herz waren aber dafür. Mei­ne Men­to­rin sag­te dann etwas zu mir, das ich mir gemerkt habe: „Kopf hast du genug, hör auf Dein Herz”. Schließ­lich habe ich den Job ange­nom­men und es war wirk­lich eine Berei­che­rung. Es hat mir Ein­bli­cke in eine völ­lig neue Welt ermög­licht, die der Exe­cu­ti­ves. Es war auch ein Vor­teil, einen eng­li­schen Mut­ter­sprach­ler als Chef zu haben. Er ver­trau­te mir und er gab mir auch die Chan­ce, zum Bei­spiel Prä­sen­ta­tio­nen für ihn zu hal­ten und sehr selbst­stän­dig zu arbei­ten und zu ent­schei­den.

Oh je, bei mir als Mutter rattert es da gleich im Kopf. Wie hast Du das mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie hingekriegt? Der Job war ja sicher mit einiger Reisetätigkeit verbunden?

Ja, das stell­te gele­gent­lich schon eine Her­aus­for­de­rung dar. Das Ein­flie­gen mei­ner Mut­ter aus Grie­chen­land gehör­te auch mal auf die kurz­fris­ti­ge Tages­ord­nung, wenn es gar nicht anders ging. Aber meis­tens haben wir es für alle gut hin­be­kom­men und wir haben uns dar­auf ein­ge­stellt, dass wir einen höhe­ren Auf­wand bei der Pla­nung haben.

Ande­rer­seits waren gera­de die inter­na­tio­na­len Rei­sen in mei­nem Job eine enor­me Berei­che­rung, da ich mit sehr vie­len unter­schied­li­chen Kul­tu­ren zusam­men­ar­bei­ten durf­te – und auch heu­te noch darf. Ich kann­te das ja schon von jeher: Ich bin in zwei Kul­tu­ren und bilin­gu­al auf­ge­wach­sen und habe in unter­schied­li­chen sozia­len Schich­ten (Arbei­ter und Pro­fes­so­ren) gear­bei­tet. Die Zusam­men­ar­beit mit Men­schen auf der gan­zen Welt – Süd­afri­ka, Isra­el, die Bal­kan-Län­der, Russ­land, Japan und so wei­ter – hat mir sehr viel Freu­de berei­tet und mei­ner per­sön­li­chen Ent­wick­lung wirk­lich gehol­fen.

Um noch ein­mal auf die Fra­ge zurück­zu­kom­men: Ja, in den letz­ten Jah­ren hat mei­ne Rei­se­tä­tig­keit zuge­nom­men. Aber zeit­gleich habe ich auch eine gewis­se Fle­xi­bi­li­tät und Frei­heit, selbst dar­über zu ent­schei­den, wann und wo ich sein darf.

Hast Du Dich manchmal als Exotin gefühlt in der IT? Nicht männlich, nicht technisch…

In den meis­ten Jobs, die ich gemacht habe und mache, war ich von Män­nern umge­ben – sicher mit einem Anteil von oft über 90 %.

Das war für mich nie ein The­ma, weil ich tol­le und vor allem sehr hilfs­be­rei­te Kol­le­gen hat­te, unab­hän­gig  ob Mann oder Frau. Auf der ande­ren Sei­te haben mir schon oft „ande­re“ gefehlt. Denn anders zu sein ist ja gut. Ein Exot oder eine Exo­tin in einem IT-Unter­neh­men zu sein, berei­chert unge­mein, fin­de ich. Dadurch ändert sich eini­ges in der Zusam­men­ar­beit. Viel­fäl­ti­ge­re Teams erar­bei­ten auf jeden Fall die inno­va­ti­ve­ren Lösun­gen.

Pri­vat neh­me ich auch ger­ne das Bes­te aus bei­den Wel­ten mit, der grie­chi­schen und der deut­schen. Bei­des ist ein Teil von mir – und es ist toll, zwei­mal Ostern zu fei­ern. Wenn die Leu­te mei­nen Namen hören, kommt oft auto­ma­tisch ein: „Aha, eine Grie­chin”. Und wenn ich dann anfan­ge zu spre­chen, set­zen sie hin­zu „Die schwä­belt aber ganz schön”. Eine grie­chi­sche Schwä­bin sozu­sa­gen.

Hast Du Karrieretipps, die Du teilen möchtest?

 Ich bin glück­lich mit dem, wie es gelau­fen ist. Ich habe mir immer mal wie­der einen gro­ben Plan über mei­nen gewünsch­ten nächs­ten Wei­ter­ent­wick­lungs­schritt zurecht­ge­legt. Wenn es Gegen­wind gab, habe ich mich nicht abschre­cken las­sen bezie­hungs­wei­se auch die Kon­se­quen­zen getra­gen. Außer­dem habe ich immer öfter auf mein Herz gehört. Ein star­ker Wil­le ist wich­tig und gera­de als Fami­lie mit Kind auch der Wil­le, den zusätz­li­chen Orga­ni­sa­ti­ons­auf­wand auf sich zu neh­men. In mei­nen Augen hat der sich immer gelohnt.

Ich glau­be, den einen rich­ti­gen Weg gibt es nicht. Was für mich passt, passt viel­leicht für jemand ande­ren gar nicht. Aber Vor­bil­der kön­nen sehr hilf­reich sein. Mei­ne Mut­ter war in vie­ler­lei Hin­sicht eines für mich und die Füh­rungs­kraft aus Groß­bri­tan­ni­en war defi­ni­tiv ein männ­li­ches Vor­bild. Ich muss aber auch ein Lob an Fuji­tsu los­wer­den: Es gab ein­fach immer im rich­ti­gen Moment eine Gele­gen­heit zum nächs­ten Schritt. Unse­re Per­so­nal­ab­tei­lung macht da ein­fach einen pri­ma Job.

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