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Kind oder Karriere? So antwortet Fujitsu

Janine über die Vereinbarkeit von Kind und Karriere bei Fujitsu
Geschätzte Lesezeit: 6 Minuten

Wer in Deutsch­land ein Kind bekommt, hat oft Angst vor dem Kar­rie­re­knick. So ging es auch mir. Trotz aller Freu­de habe ich mir Sor­gen um mei­ne beruf­li­che Zukunft gemacht: Wer­de ich nur noch Auf­ga­ben bekom­men, für die ich über­qua­li­fi­ziert bin? Wer­den mein Chef und mei­ne Kol­le­gen mir noch Ver­ant­wor­tung über­tra­gen, auch wenn ich weni­ger fle­xi­bel bin, als frü­her? Wer­de ich Fami­lie und Beruf über­haupt unter einen Hut bekom­men? Ob mei­ne Ängs­te berech­tigt waren und wie mein Chef auf unse­ren Fami­li­en­zu­wachs reagiert hat, ver­ra­te ich Ihnen hier.

März 2014: Die Beichte

Sel­ten bin ich in den ver­gan­ge­nen Jah­ren mit so einem mul­mi­gen Gefühl in die Geschäfts­stel­le Düs­sel­dorf gefah­ren. Ver­wir­rend vie­le Fra­gen schwir­ren durch mei­nen Kopf – ein abso­lu­tes Cha­os. Wie geht es jetzt für mich wei­ter? Gera­de habe ich mich fest in mei­ner Posi­ti­on als Ver­triebs­mit­ar­bei­ter eta­bliert und betreue einen wich­ti­gen Kun­den im CCD-Bereich.

Ich arbei­te Voll­zeit, bin geschäft­lich viel unter­wegs und kann nie genau abschät­zen, wann ich wo bei Kun­den und Mee­tings bin. Ich kann mir kei­nen ande­ren Job vor­stel­len, noch dazu habe ich einen Chef, der mich immer und über­all unter­stützt und mir mei­ne Frei­hei­ten lässt, Ent­schei­dun­gen selb­stän­dig zu treffen.

Wie wird das in Zukunft sein? Kann ich wei­ter bei FTS arbei­ten? Auch im Ver­trieb? Was ist mit mei­nen Kun­den? Fra­gen über Fra­gen… Es ist so weit: Knuth sitzt vor mir. Ich „beich­te“: Ich bin schwan­ger. Die Reak­ti­on: Völ­lig uner­war­tet – pure Freu­de, Beglück­wün­schung, fes­tes Drücken.

Für mich als Füh­rungs­kraft kam direkt durch, dass Jani­ne Angst hat­te und sich bei dem Gespräch merk­lich unwohl gefühlt hat. Das ist sicher­lich ver­ständ­lich, da es bei einem sol­chen The­ma immer und abrupt um das Pri­vat­le­ben geht. Knuth Mol­zen, Seni­or Direc­tor Cli­ent Com­pu­ting Devices Cen­tral Europe

Dann fol­gen auf mein Drän­gen hin direkt die wich­ti­gen The­men: Wie geht es jetzt wei­ter? Was ist mit mei­ner Posi­ti­on, mei­nen Kun­den? Kann ich Eltern­zeit neh­men und wenn ja, wie lange? 

Man hät­te fast sagen kön­nen, dass Jani­ne das damals als „Schwä­che“ emp­fun­den hat und Angst hat­te, dass sie sich auf das Abstell­gleis stellt.Knuth Mol­zen, Seni­or Direc­tor Cli­ent Com­pu­ting Devices Cen­tral Europe

Knuth fragt ganz offen: Was wün­sche ich mir? ICH? Was wün­sche ICH mir? Nach so vie­len unschö­nen Geschich­ten in mei­nem Freun­des­kreis läuft die­ses Gespräch ganz anders! Ich bin unend­lich erleich­tert.

Ich hof­fe ich habe Jani­ne damals direkt die Angst genom­men und habe ihr gesagt, dass sie sich kei­ne Sor­gen machen soll und wir alles gemein­sam in den Ein­klang bekom­men. Sie soll so viel Aus­zeit neh­men wie sie möch­te und sie kann jeder­zeit ganz fle­xi­bel ent­schei­den, wann sie zurück­kom­men möch­te und wie vie­le Stun­den sie dann arbei­ten möch­te und selbst­ver­ständ­lich stel­len wir Jani­ne nicht auf das Abstell­gleis.Knuth Mol­zen, Seni­or Direc­tor Cli­ent Com­pu­ting Devices Cen­tral Europe

Mei­ne Kol­le­gen freu­en sich eben­falls sehr. Ich glau­be, mit die­ser Nach­richt hat wohl nie­mand gerech­net 😉 Aber die Fra­ge nach mei­nen Accounts und wie es wei­ter­ge­hen soll ist per­ma­nent prä­sent. Ins­ge­heim ist mir damals schon klar gewe­sen, dass ich mei­nen größ­ten Account abge­ben muss.

Die­ses Gespräch im März 2014 – das ers­te von vie­len, in denen wir mei­ne beruf­li­che Zukunft bei FTS bespro­chen haben – ist fest in mei­ner Erin­ne­rung ver­an­kert. Es hat mir die Angst vor der Zukunft genom­men: Die Angst, auf dem „Abstell­gleis“ zu lan­den, weil man nicht mehr so fle­xi­bel wie die Kol­le­gen und deut­lich weni­ger prä­sent ist.

Der Plan

Die fol­gen­den Mona­te ver­ge­hen wie im Flug. Bevor ich in den Mut­ter­schutz gehe, bespre­chen wir alle Details. Ich blei­be 12 Mona­te zu Hau­se und kom­me dann, auf mei­nen Wunsch hin, in Teil­zeit mit 25 Stun­den pro Woche zurück. Die Stun­den­zahl kann ich ohne Pro­ble­me, sowohl nach oben, als auch nach unten, anpas­sen. Erst ein­mal schau­en, wie alles so läuft und wie ich Beruf und Fami­lie unter einen Hut bekomme.

Die fina­le Ent­schei­dung für eine Wochen­ar­beits­zeit fiel mir anfangs schwer. Auf der einen Sei­te woll­te ich Pau­li­ne, gera­de mal 11 Mona­te alt, nicht län­ger in der Kita las­sen, als nötig. Auf der ande­ren Sei­te war mir aber auch wich­tig, nicht als Mami mit einer so gerin­gen Stun­den­an­zahl zurück­zu­kom­men, dass ich nicht mehr in den akti­ven Ver­trieb zurück kann und ich dann meh­re­re Schrit­te in mei­ner Ent­wick­lung zurückmache.

Natür­lich war auch der finan­zi­el­le Aspekt wich­tig. Wir leben in der Düs­sel­dor­fer Innen­stadt, mein Gehalt ist fest in die Finanz­pla­nung ein­ge­plant und kann nicht wegfallen.

Aus mei­nem Kun­den­stamm suche ich mir die her­aus, die ich ger­ne wei­ter per­sön­lich betreu­en möch­te. Mei­nen größ­ten Kun­den muss ich lei­der abge­ben, für mich aller­dings auch ver­ständ­lich. Die­se Auf­ga­be wäre in Teil­zeit nicht zu bewäl­ti­gen gewe­sen. Dar­an muss­te ich eini­ge Zeit knab­bern, aber die­se Ent­schei­dung habe ich für mei­ne klei­ne Fami­lie getroffen.

Als Jani­ne zurück­ge­kom­men ist, ist sie in den glei­chen Job als Account Mana­ge­rin wie­der ein­ge­stie­gen. Da Jani­ne weni­ger Stun­den arbei­ten woll­te, haben wir ein­fach die Kun­den­an­zahl und die Stun­den­an­zahl ver­sucht anzu­pas­sen. Ins­be­son­de­re haben wir auch ver­sucht, über­wie­gend regio­na­le­re Kun­den zu selek­tie­ren. Das ist uns nicht ganz gelun­gen. Das lag aber auch an Jani­nes Wunsch, die genau wuss­te, wel­che Kun­den sie ger­ne wie­der machen wol­len würde.
Knuth Mol­zen, Seni­or Direc­tor Cli­ent Com­pu­ting Devices Cen­tral Europe

Oktober 2015: Die Rückkehr

Ich bin zurück. Und wie ich mich freue! Es beginnt eine ganz wei­che Ein­ge­wöh­nung an der Sei­te eines erfah­re­nen Kol­le­gen. Ohne Druck und in mei­nem Tem­po. Die ers­te Zeit war anstren­gend und alles fühl­te sich neu an. Ein Jahr in der IT fühlt sich ein biss­chen an wie eine Ewigkeit.

Janine bekommt Kind und Karriere gut unter einen Hut.

Jeden Tag bin ich um spä­tes­tens 17:00 Uhr in der Kita, um mei­ne Toch­ter abzu­ho­len. Ter­mi­ne und Tel­kos wer­den auf mei­nen Wunsch hin mög­lichst bis 16:00 Uhr gelegt. Natür­lich gibt es auch Aus­nah­men. Mal bin ich über Nacht in ande­ren Städ­ten, mal auch bis abends in der Geschäfts­stel­le oder bei Kun­den. Bei gro­ßen Aus­schrei­bun­gen gel­ten ein­fach ande­re „Zeit-Geset­ze“. Da wir in Düs­sel­dorf kei­ne fami­liä­re Unter­stüt­zung haben, Oma und Opa woh­nen 200 und 400 Kilo­me­ter weit weg, haben wir uns für eine Ganz­tags­ki­ta ent­schie­den, die von 7:30 Uhr bis 19:30 Uhr geöff­net hat. Die­ses war mir wich­tig, damit ich auch mal Kun­den­ter­mi­ne am Nach­mit­tag wahr­neh­men kann und bei einem mög­li­chen Stau nicht ins Schleu­dern gera­de und Angst haben muss, dass mein Kind ab 15:00 Uhr auf der Stra­ße steht.

Da mein Mann Lars geschäft­lich noch mehr unter­wegs ist als ich, und oft meh­re­re Tage am Stück in ande­ren Län­dern ist, brau­che ich die­ses „Back-Up“ einer Kita, der ich ver­traue und die Pau­li­ne so betreu­en kann, wie ich es brau­che. Das lässt sich alles mit ein biss­chen Vor­lauf gut pla­nen – die Spon­ta­ni­tät lei­det an der ein oder ande­ren Stel­le ein wenig, damit muss ich mich erst noch anfreun­den. Einen guten Draht beim Kun­den ent­wi­ckelt man aber nicht, indem man stän­dig in Ter­mi­nen sitzt – der per­sön­li­che Draht, auch mal „nur“ per Tele­fon, ist genau­so wichtig.

April 2018: Fazit

2,5 Jah­re sind seit­dem ver­gan­gen und ich habe mei­ne Ent­schei­dung nie bereut. Die 5 Stun­den pro Tag ver­ge­hen oft wie im Flug – gera­de, wenn ich Aus­schrei­bun­gen bear­bei­tet oder mich an einem The­ma bei Kun­den fest­ge­bis­sen habe. Die 25 Stun­den pro Woche sind oft schon am Don­ners­tag voll. Frei­tag ist daher mein fle­xi­bler Home­of­fice Tag, an dem ich nur die drin­gends­ten The­men anfas­se, die kei­nen Auf­schub erlauben.

Nach­dem Jani­ne die ers­ten 6 Wochen wie­der gear­bei­tet hat, habe ich sie mir mal zur Sei­te genom­men und gefragt, ob alles ok ist, die Stun­den­an­zahl passt oder ob wir die­se mit weni­ger oder mehr Stun­den anpas­sen sol­len. Damals hat sie mir gesagt, dass alles passt und für mich war das The­ma damit ok. Ich kann mich noch erin­nern, dass Jani­ne mir damals eine Mail im Nach­gang geschickt hat und sie sich bedankt hat, dass ich pro­ak­tiv noch mal auf sie zuge­gan­gen bin und mich erkun­digt habe, ob die Stun­den­an­zahl passt und ob die Ein­ge­wöh­nung bei Ihrer Toch­ter funk­tio­niert hat.
Knuth Mol­zen, Seni­or Direc­tor Cli­ent Com­pu­ting Devices Cen­tral Europe

Die Ent­schei­dung, wie­der Voll­zeit zu arbei­ten, habe ich noch etwas auf­ge­scho­ben. Das jet­zi­ge klei­ne „Über­stun­den­pols­ter“ gibt mir eine gewis­se Sicher­heit, auch mal aus­fal­len zu kön­nen, wenn das anfäl­li­ge Öko­sys­tem „Fami­lie“ durch Krank­heit aus den Fugen gerät. Beson­ders dann bin ich froh über einen ver­ständ­nis­vol­len Arbeit­ge­ber und gute Kol­le­gen, die mich unter­stüt­zen und anfal­len­de Arbei­ten unbü­ro­kra­tisch auf­fan­gen können. 

Aktu­ell hat Jani­ne noch immer einen 25-Stun­den-Ver­trag und ich habe ehr­lich gesagt ein schlech­tes Gewis­sen. In der Rea­li­tät arbei­tet Jani­ne deut­lich mehr als die 25 Stun­den. Ich habe Jani­ne dar­auf auch mal ange­spro­chen und gefragt, ob wir die Stun­den­an­zahl wie­der erhö­hen sol­len. Ihre Ant­wort war damals nein. Sie fühlt sich damit fle­xi­bler und siche­rer, falls mal was mit Ihrer Toch­ter ist.
Knuth Mol­zen, Seni­or Direc­tor Cli­ent Com­pu­ting Devices Cen­tral Europe

Natür­lich kratzt es auch manch­mal an mei­nem Ego, nicht mehr die gro­ßen und reprä­sen­ta­ti­ven Kun­den betreu­en zu kön­nen. Gera­de mit Hin­blick auf die Zukunft macht mir das manch­mal Sor­gen. Ich bin mir aber sicher, dass wir auch das gemein­sam stem­men wer­den und ich mei­nen Weg bei Fuji­tsu wei­ter erfolg­reich gehen werde.

Mei­ne per­sön­li­che Erfah­rung: Es ist toll, dass wir Jani­ne wei­ter bei uns im Team haben und sie leis­tet wirk­lich einen tol­len Job. Ich kann wirk­lich nur jeder Füh­rungs­kraft emp­feh­len, den Weg aktiv zu beglei­ten und einer wer­den­den bezie­hungs­wei­se jun­gen Mut­ter aktiv Brü­cken zu bau­en. Es gibt kei­ne bes­se­ren, loya­le­ren und dank­ba­re­ren Mitarbeiter.
Knuth Mol­zen, Seni­or Direc­tor Cli­ent Com­pu­ting Devices Cen­tral Europe

Ich freue mich auf die Zeit und die Her­aus­for­de­run­gen, die noch vor mir lie­gen. Mit Ein­satz, Leis­tungs­be­reit­schaft, gutem Orga­ni­sa­ti­ons­ta­lent und einem Chef, der mit Rat und Tat zur Sei­te steht und immer ein offe­nes Ohr hat, lässt sich auch der akti­ve Ver­trieb her­vor­ra­gend mit Fami­lie ver­ein­ba­ren. Und wenn es ein­mal hakt, dann muss man offen spre­chen und eine Lösung finden.

Fazit: Für mich war der Wie­der­ein­stieg bei FUJITSU genau der rich­ti­ge Weg und ich möch­te allen zukünf­ti­gen Müt­tern Mut machen, den glei­chen Weg zu gehen – es wird alles gut!

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