close

Neben Mut gehört auch Geduld ins Reisegepäck: Mit Fujitsu und Susann für ein Jahr nach Tokio, Japan

Geschätzte Lesezeit: 2 Minuten

Wo vie­le Men­schen auf­ein­an­der tref­fen und das­sel­be wol­len, müs­sen wir uns zwangs­läu­fig anstel­len: an der Kas­se, an einer öffent­li­chen Toi­let­te oder beim Check-In am Flug­ha­fen. Was uns in Deutsch­land eher nervt, hat in Japan Tra­di­ti­on: Schlan­ge ste­hen. Laut unse­rer Kol­le­gin stel­len sich Japa­ner schein­bar ger­ne an – auch vor dem Restau­rant, auf dem Bahn­steig oder an der Bus­hal­te­stel­le. Für ein Jahr tauscht Susann ihren Schreib­tisch am Fuji­tsu Stand­ort Mün­chen gegen ein Groß­raum­bü­ro im Shi­o­do­me City Cen­ter und sich in einer War­te­schlan­ge ein­zu­rei­hen, gehört in Japan mehr­mals am Tag dazu.

Noch bevor Susann ihren Arbeits­platz erreicht, muss sie sich bereits auf dem Bahn­steig anstel­len. Gedrän­gel kommt auch wäh­rend der Rush­hour nicht auf, obwohl zu Stoß­zei­ten in der Bahn kein Blatt Papier mehr zwi­schen die Pas­sa­gie­re passt. Mar­kie­run­gen zei­gen, wie die War­ten­den zu ste­hen haben und auf wel­cher Höhe des ste­hen­den Zuges sich die Türen befin­den. Im Shi­o­do­me City Cen­ter ange­kom­men, muss sich Susann erneut einer War­te­schlan­ge anschlie­ßen. Um ihren Platz im 31. Stock zu errei­chen, braucht unse­re Kol­le­gin ganz bestimm­te Auf­zü­ge, die mor­gens ledig­lich die Stock­wer­ke 28 bis 32 anfahren.

Schlange_stehen

Um exakt 8.20 Uhr fan­gen wir an zu arbei­ten, wes­halb sich bereits zwan­zig Minu­ten vor­her die Ein­gangs­hal­le des Gebäu­des mit einer Schlan­ge aus „Busi­ness­man” und „Busi­ness­wo­man” füllt, die alle in die­se Auf­zü­ge wol­len. Anfangs dach­te ich noch, dass es sich hier­bei um eine Schlan­ge auf­grund der Rush­hour han­delt – das ist im All­ge­mei­nen auch so. Jedoch stell­te ich nach und nach fest, dass sich Japa­ner  immer ger­ne in einer Rei­he anstellen.

Essen, um die Zeit bis zum Essen zu überbrücken

Gele­gen­hei­ten dazu bie­ten sich stän­dig. Nicht nur an Toi­let­ten im Ein­kaufs­zen­trum, son­dern auch vor Restau­rants, Ver­kaufs­stän­den und Bus­hal­te­stel­len. Sich vor einem Restau­rant für ein Abend­essen anzu­stel­len, erscheint uns aus deut­scher Sicht mehr als unge­wöhn­lich. Möch­ten wir essen gehen, reser­vie­ren wir recht­zei­tig einen Tisch. Für einen Restau­rant­be­such in Tokyo stellt man sich eben recht­zei­tig an.

Da sich alle so ger­ne anstel­len, gibt es über­all vor­be­rei­te­te Pfei­le, Schil­der oder Absperr­bän­der, die genau anzei­gen, wie man sich anzu­stel­len hat. Die meis­ten Cafés oder Restau­rants neh­men kei­ne Reser­vie­run­gen an, sodass bei den belieb­ten Loka­len auto­ma­tisch eine Schlan­ge ent­steht. An den Bahn­sta­tio­nen gibt es Hin­wei­se, wo man sich hin­stellt, damit die Fahr­gäs­te erst aus­stei­gen kön­nen – das Gan­ze ist mit ent­spre­chen­den Pfei­len gekenn­zeich­net. Selbst im Dis­ney­land ste­hen etwa 20 Fami­li­en als ers­tes für ein Foto von und mit Mickey an.

Beim War­ten zei­gen die Japa­ner eine bemer­kens­wer­te Geduld, erzählt Susann, die sich vor allem von einem japa­ni­schen Pär­chen beein­druckt zeigt, wel­ches sich im Gegen­satz dazu von der War­te­zeit völ­lig unbe­ein­druckt blieb.

An einem Restau­rant stan­den so vie­le Leu­te an, dass es einen Mit­ar­bei­ter gab, der ein Schild mit der War­te­zeit von zwei Stun­den hielt – und das lan­ge nicht am Ende der Schlan­ge. Dort stand ein Pär­chen und aß Pom­mes „to go”. Es war nach­mit­tags um zwei Uhr und sie stell­ten sich für ein Din­ner am Abend an. Wer so lan­ge auf sein Essen war­ten muss, kann schon ein­mal in der War­te­schlan­ge einen klei­nen Snack zu sich nehmen.

Mehr Erfah­run­gen von Susann fin­den Sie unter dem Schlag­wort „Rei­se­ta­ge­buch Japan”. Wir freu­en uns jetzt schon auf den nächs­ten Bericht aus der japa­ni­schen Haupt­stadt und wis­sen nun eins: Neben einer Men­ge Mut gehört auch Geduld in das Reisegepäck.

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , ,

Keine Trackbacks
Story Page