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Sommer in Japan – ein Versteckspiel mit der Sonne: Mit Fujitsu und Susann für ein Jahr nach Tokio, Japan

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Bereits im Mit­tel­al­ter galt ein mög­lichst blas­ser Teint als edel und als Zei­chen eines hohen Stan­des. Blas­se Frau­en muss­ten kei­ner kör­per­li­chen Arbeit nach­ge­hen und hiel­ten sich nicht viel im Frei­en auf. Heu­te hat sich die­ses Schön­heits­ide­al umge­dreht. Wenn in Deutsch­land der Som­mer kommt, bräu­nen wir uns, wo immer es geht. Japa­ni­sche Frau­en hin­ge­gen mei­den die Son­ne, in Japan gilt bis heu­te ein blas­ses Gesicht als gla­mou­rös und schick. Schi­cke Bläs­se beruht in Ost­asi­en jedoch nicht auf den Tra­di­tio­nen des Mit­tel­al­ters, son­dern auf den Blü­te­zei­ten der japa­ni­schen Gei­shas. Wie Susann den Som­mer erlebt, erzählt uns unse­re Kol­le­gin in die­sem Bei­trag. Außer­dem ver­rät sie uns, war­um die hei­ße Jah­res­zeit in Ost­asi­en einem Aus­nah­me­zu­stand im Büro gleichkommt.

Som­mer – für uns heißt das See, Son­ne, Son­nen­brand, lan­ge Grill­aben­de und Urlaub. Für „Busi­ness Men” in Tokio bedeu­tet Som­mer eine gelo­cker­te Klei­der­ord­nung und „Cool Biz”, denn das gan­ze Jahr über gilt in der japa­ni­schen Büro­welt eine ein­heit­li­che Regel. „Arbeits­klei­dung” besteht aus einer Anzugs­ho­se und einem wei­ßem Hemd. Ab dem 1. Juni dür­fen Ange­stell­te ihren Schlips und ihre lan­gen Hem­den jedoch zu Hau­se im Schrank hän­gen las­sen. Mit „Cool Biz” star­tet in Japan offi­zi­ell der Som­mer und das japa­ni­sche Kli­ma lässt sich mit dem Deut­schen nicht ver­glei­chen. Vor allem damit hat­te unse­re Kol­le­gin Susann in Tokio zunächst ein­mal zu kämpfen:

In vie­len Geschäf­ten und Büros hän­gen Schil­der aus, die „Cool Biz” aus­ru­fen. Neben der Klei­der­ord­nung bedeu­tet das, es wird drau­ßen nun rich­tig heiß und feucht. Nach einem traum­haf­ten Früh­ling, der schon im März beginnt und wo zwi­schen­durch die Kir­schen blühen…Nun gut, auf jeden Fall fängt der Som­mer Mit­te Juni mit der Regen­zeit an und es wird hei­ßer und hei­ßer. Die Luft­feuch­tig­keit ist unan­ge­nehm. Ende Juli und August ist es dann bei durch­schnitt­lich 33 Grad und gefühl­ten hun­dert Pro­zent Luft­feuch­tig­keit kaum noch drau­ßen auszuhalten.

Eine Jeans gilt in der japanischen Business-Welt als Tabu

Kli­ma­an­la­gen haben jetzt in Japan Hoch­kon­junk­tur und um die Umwelt nicht zu sehr zu belas­ten, star­tet pünkt­lich zum Som­mer „Cool Biz”. Die Tem­pe­ra­tu­ren in den Büros dür­fen dem­nach nicht unter 26 Grad fal­len und „Cool Biz” setzt der künst­li­chen Käl­te eine Gren­ze. An hei­ßen Tagen dür­fen die Mit­ar­bei­ter auf­grund die­ser Regel ent­ge­gen der übli­chen Klei­der­ord­nung auch in kur­zen Hem­den arbei­ten. Sogar Polo­shirts gel­ten als offi­zi­ell erlaubt.

Das wur­de mir gesagt, Polo­shirts habe ich jedoch noch nicht gese­hen. Sicher­lich will sich kei­ner „die Blö­ße” geben – es sind ja alle stolz auf ihren Job im Büro! Jeder, ja wirk­lich jeder Mit­ar­bei­ter trägt das gesam­te Jahr über Anzugs­ho­se und Hemd. Im Ver­gleich zu Deutsch­land, wo je nach Tätig­keit auch mal eine Jeans ok ist genau wie kur­ze Hem­den oder gar T‑Shirts, sieht hier jeder von Mon­tag bis Frei­tag gleich aus. Vom jüngs­ten bis zum ältes­ten Mit­ar­bei­ter, vom Inter­nen bis zum Vertriebsmitarbeiter.

„Was dem einen nicht passt, gefällt dem anderen um so mehr”

Eben nicht aus der Mas­se her­aus­zu­ste­chen, gehört in Japan anders als in Deutsch­land zur Kul­tur. Wer die Erwar­tun­gen erfüllt und sich kor­rekt ver­hält, trägt wie jeder ande­re ein „wei­ßes Hemd”. „Bun­te Hem­den” hin­ge­gen blei­ben den Indi­vi­dua­lis­ten vor­be­hal­ten, die sich nicht an die Norm hal­ten. Damit spielt die Weis­heit „Klei­der machen Leu­te” in Ost­asi­en eine nicht uner­heb­li­che Rol­le. Susann trägt ihr „bun­tes Hemd” mit Stolz. Indi­vi­dua­li­tät gilt in Deutsch­land als aus­drück­lich erwünscht und avan­ciert bei­na­he zum gesell­schaft­li­chen Sta­tus­sym­bol. In Japan hin­ge­gen sieht man das anders:

Dies ist einer der größ­ten Unter­schie­de in den Kul­tu­ren, hier in Japan will man eher nicht aus der Mas­se her­aus­ste­chen. Was über einen gedacht oder gere­det wird, ist sehr wich­tig. Jeder der sich mit Japan aus­ein­an­der­setzt, muss sich dar­über im Kla­ren sein. Jedoch soll­te man dabei nicht ver­ges­sen, dass es immer zwei Sei­ten der Medail­le gibt. Was dem einen nicht passt, gefällt dem ande­ren um so mehr.

Weißes Make-Up betonte das Gesicht der Geisha im Kerzenschein

susann_reisetagebuch_japan_beach_sommerEinen wei­te­ren wesent­li­chen Unter­schied zwi­schen den Län­dern stellt Susann im äußer­li­chen Erschei­nungs­bild der Frau­en fest. Gera­de im Som­mer suchen wir die Son­ne und scheint sie ein­mal nicht, gehen wir in das Sola­ri­um. Bräu­ne gilt hier als schick und gesund, in Japan dage­gen herrscht eine vor­neh­me Bläs­se vor. Mit dem Mit­tel­al­ter hat die­ses Ide­al aller­dings nichts zu tun, blas­se Haut geht auf die lang­jäh­ri­ge Tra­di­ti­on der Gei­shas zurück. Ein hohes Anse­hen genie­ßen die „Per­so­nen der Küns­te” bis heu­te. Ihre Aus­bil­dung begann in der Blü­te­zeit der Gei­shas im 18. und 19. Jahr­hun­dert tra­di­tio­nell mit sechs Jah­ren, sechs Mona­ten und sechs Tagen.

Heut­zu­ta­ge star­tet die „Leh­re” mit 16 Jah­ren und der Ruf der Gei­shas hat sich im Lau­fe der Zeit stark ver­än­dert. Heu­te gilt sie als Bewah­re­rin der tra­di­tio­nel­len Küns­te und ihre Diens­te als exklu­siv und teu­er. Ihr weiß geschmink­tes Gesicht geht auf eine Zeit zurück, in der es nur Ker­zen­licht gab. Mit ihrem wei­ßen Teint beton­te die Gei­sha ihr Gesicht bei Ker­zen­schein. Der blas­se Trend hat sich in der japa­ni­schen Kul­tur gehal­ten, ech­te Gei­shas hin­ge­gen gibt es in Japan immer weni­ger. Den­noch hel­fen japa­ni­sche Frau­en ihrer Bläs­se auf die Sprün­ge und mei­den Son­nen­strah­len, wo immer es geht. Susann:

Wo unser­eins die Son­ne sucht, um mög­lichst schnell braun zu wer­den, wird hier jeder Son­nen­strahl gemie­den. Um ihre Bläs­se nicht zu ver­lie­ren, gibt es für die japa­ni­schen Frau­en die ver­schie­dens­ten Hilfs­mit­tel mit UV-Schutz. Das reicht von Schir­men bis zu Hand­schu­hen. Auch Klei­dungs­stü­cke sind UV geschützt genau­so wie das Make-Up. Vor allem das Make-Up unter­stützt zum Teil das Erblas­sen der Haut.

In ein paar Wochen geht es zurück nach Deutschland – wir freuen uns auf ein spannendes Resümee

Ent­ge­gen dem japa­ni­schen Trend sucht sich Susann gern ein son­ni­ges Plätz­chen im som­mer­li­chen Tokio. Wäh­rend an einem wun­der­schö­nen Som­mer­tag am Strand oder auf der Wie­se in Deutsch­land dich­tes Gedrän­ge von Män­nern und Frau­en herrscht, blei­ben die­se Plät­ze in Japan den Män­nern vor­be­hal­ten. Unse­re Kol­le­gin freut sich hin­ge­gen über mehr Platz.

Bereits in ein paar Wochen geht es für Susann zurück nach Deutsch­land. Wir haben sie ein Jahr lang bei ihrem „Aben­teu­er Tokio” beglei­tet und möch­ten uns an die­ser Stel­le noch ein­mal ganz herz­lich für die tol­len und zahl­rei­chen Ein­drü­cke bedan­ken. Was ihr beson­ders gut gefal­len hat und wel­che Erleb­nis­se sie in beson­de­rer Erin­ne­rung behält, ver­rät sie uns in ihrem nächs­ten Bei­trag. Wir freu­en uns bereits jetzt auf ein span­nen­des Resü­mee einer Zeit, die Susann garan­tiert nicht ver­ges­sen wird.

Alle Bei­trä­ge von Susann fin­den Sie unter dem Schlag­wort „Rei­se­ta­ge­buch Japan”.

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