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Zeit für soziales Engagement: unsere Auszubildenden erzählen eine starke Geschichte, „AzubiSozial 2016” – Teil 1

Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten

Jeden Tag tun wir vie­le Din­ge, über die wir nicht groß­ar­tig nach­den­ken. Wir kau­fen ein, wir lesen ein Buch, wir fah­ren Auto und wir gehen arbei­ten. Für Men­schen ohne Han­di­cap gehö­ren die­se Auf­ga­ben zum All­tag, für Men­schen mit Behin­de­rung bedeu­ten sie eine rie­si­ge Hür­de, die sich nicht immer über­win­den lässt. Oft genug müs­sen Betrof­fe­ne bereits vor der Auf­ga­be „Beruf” kapi­tu­lie­ren. Seit 25 Jah­ren arbei­tet Fuji­tsu mit der Lebens­hil­fe Donau-Ries eng zusam­men. Men­schen zu hel­fen, haben auch wir in unse­rem „Fuji­tsu Way” fest verankert.

Mit den Werk­stät­ten der Lebens­hil­fe Donau-Ries kön­nen Betrof­fe­ne einem Beruf nach­ge­hen und einen Teil ihres Lebens­un­ter­hal­tes selbst ver­die­nen. Für die Mit­ar­bei­ter der Werk­stät­ten bedeu­tet das viel mehr als eine ein­fa­che Arbeit: Etwas zu tun, stärkt das Selbst­ver­trau­en. War­um das so wich­tig ist und wie der All­tag der Betrof­fe­nen aus­sieht, erfah­ren die Aus­zu­bil­den­den von Fuji­tsu mit dem Pro­jekt „Azu­bi­So­zi­al 2016” im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes haut­nah. Kom­men Sie doch ein­fach mit. 

Eine Woche lang besuch­ten die Aus­zu­bil­den­den die Werk­stät­ten der Lebens­hil­fe Donau-Ries, führ­ten vie­le Gesprä­che, leg­ten selbst Hand an und lern­ten die ein­zel­nen Abtei­lun­gen und ihre Mit­ar­bei­ter ken­nen. Dar­aus ent­stand ein beein­dru­cken­des „Tage­buch”, wel­ches eine eben­so beein­dru­cken­de Geschich­te erzählt. Über Men­schen, für die man­che Selbst­ver­ständ­lich­keit eben nicht selbst­ver­ständ­lich ist. Wir neh­men Sie jetzt mit auf die Rei­se. Beglei­ten Sie unse­re Aus­zu­bil­den­den nach Nörd­lin­gen – mit einem ganz beson­de­ren Reisebericht:


Mon­tag: „dank die­ser Ein­rich­tung kön­nen sie ihr Selbst­ver­trau­en und ihre Fähig­kei­ten stärken”

Bericht AzubiSozial_2Nach der Ankunft am Bahn­hof Nörd­lin­gen wur­den wir von Chris­ti­an Rich­ter – der uns durch das Pro­jekt als Ansprech­part­ner und Orga­ni­sa­tor beglei­tet – abge­holt. Anschlie­ßend ging es mit dem Bus zum Hotel und dann in die Werk­statt. Dort ange­kom­men erklär­te uns der Stand­ort­lei­ter die Geschich­te und die Details der Werk­stät­ten. In ins­ge­samt sie­ben unter­schied­li­chen Arbeits­be­rei­chen beschäf­tigt die Lebens­hil­fe Donau-Ries Men­schen mit Beein­träch­ti­gun­gen. Die Mit­ar­bei­ter sind auf­grund ihrer geis­tig-psy­chi­schen Beein­träch­ti­gun­gen nicht voll belast­bar oder auf Hil­fe ange­wie­sen. Dank die­ser Ein­rich­tung kön­nen sie aber trotz­dem einer gere­gel­ten Tätig­keit nach­ge­hen und ihr Selbst­ver­trau­en und ihre Fähig­kei­ten stärken.

Diens­tag: bas­teln mit „Käse­stück­chen” und ein Tel­ler vol­ler guter Gespräche

Bericht AzubiSozial_AnglerprojektTag zwei des Sozia­len Pro­jekts begann mit der Abfahrt am Hotel zu den Werk­stät­ten der Lebens­hil­fe. Nach der Ankunft arbei­te­ten wir in den Grup­pen und tra­fen uns im Schu­lungs­raum, um das „Angel­pro­jekt” zu pla­nen. Die Auf­ga­be lau­te­te „bas­teln”. Uns stan­den bereits zuge­schnit­te­ne Bret­ter, zwei Kis­ten und eine Viel­zahl von „Käse­stück­chen” zur Ver­fü­gung. Wir durf­ten mit zwei behin­der­ten Men­schen das Holz boh­ren, ent­gra­den und schlei­fen sowie die fer­ti­gen Stü­cke zusam­men­schrau­ben. Beim gemein­sa­men Mit­tag­essen konn­ten wir uns gut mit den Mit­ar­bei­tern aus­tau­schen. Noch bis 16.00 Uhr arbei­te­ten wir an unse­rem Pro­jekt, ganz fer­tig­stel­len konn­ten wir es lei­der nicht. Dazu fehl­te uns die Zeit.

Mitt­woch: ein Tag im Wohn­heim der Mitarbeiter

Am Mitt­woch besuch­ten wir nach unse­rem Ein­satz in den Werk­stät­ten das Behin­der­ten­wohn­heim. Wir muss­ten es erst ein­mal suchen, es sah genau­so aus wie die ande­ren Häu­ser. Wir wur­den freu­dig erwar­tet und nah­men im Wohn­zim­mer Platz. Der Betreu­er erzähl­te uns, wie der Tag in einem Wohn­heim abläuft, wie die Bewoh­ner kochen, essen, put­zen und sich aus­ru­hen. Wir klär­ten offe­ne Fra­gen und im Anschluss erhiel­ten wir noch eine Füh­rung und unter­hiel­ten uns über die Vor- und Nach­tei­le eines Wohnheimes.

Don­ners­tag: es geht nicht um Pro­duk­ti­vi­tät, son­dern um einen gere­gel­ten, sinn­vol­len Tagesablauf

Bericht AzubiSozial_Cafe_SamokaAm Don­ners­tag haben wir uns in der Frü­he erst zu einer Feed­back­run­de getrof­fen. Hier­bei wur­de der Wunsch deut­lich, ein biss­chen in den För­der­grup­pen (Grup­pen für Extrem­fäl­le) mit­zu­ar­bei­ten. Kur­zer­hand teil­te man uns in Zwei­er­grup­pen auf und wies uns bestimm­te Berei­che zu. Erstaun­lich war, dass selbst hier die Leu­te „arbei­ten”. Unser Betreu­er erklär­te uns, dass es hier jedoch weni­ger um Pro­duk­ti­vi­tät gehe, son­dern dar­um, den Behin­der­ten einen gere­gel­ten, sinn­vol­len Tages­ab­lauf zu ermög­li­chen. Danach arbei­te­ten wir wie­der in unse­ren ursprüng­li­chen Werkstattgruppen.

Am Nach­mit­tag fuh­ren wir in die Stadt und besuch­ten das Café Samo­ka, eine Außen­stel­le der Lebens­hil­fe. Hier arbei­ten nur ehe­ma­li­ge Mit­ar­bei­ter der Werk­stät­ten. Umso erstaun­li­cher, wie gut uns ein Ange­stell­ter erklä­ren konn­te, woher der Kaf­fee kam und wie er zube­rei­tet wird. Danach durf­ten wir uns noch auf eine Füh­rung vom Chef des Cafés zuerst durch das Samo­ka und danach durch die gan­ze Stadt freu­en. Wir bestie­gen den „Dani­el” und besich­tig­ten die Stadt­mau­er, die rund um die Alt­stadt von Nörd­lin­gen erhal­ten geblie­ben ist.

Frei­tag: „allein das Gefühl, gebraucht zu wer­den, erfüllt sie mit vol­ler Freude”

Nach dem gemein­sa­men Früh­stück wur­den wir abge­holt und fuh­ren in eine wei­te­re Behin­der­ten­werk­stät­te. Dort ange­kom­men wur­den wir schon freu­dig erwar­tet und nah­men in einem Bespre­chungs­raum Platz. Bald kamen auch Bar­ba­ra Hyna, die loka­le Aus­bil­dungs­ko­or­di­na­to­rin in Augs­burg, und der Chef der Donau-Ries Werk­stät­ten. Jeder Azu­bi erzähl­te sei­ne Erfah­run­gen und die Run­de dis­ku­tier­te dar­über. Dabei ent­stand ein sehr posi­ti­ves Resü­mee, über das sich auch der Chef sehr freu­te. Nach der Bespre­chung erhiel­ten wir noch eine Füh­rung durch die Werk­stät­te. Wir beka­men Ein­bli­cke in die Abtei­lun­gen wie Metall­ver­ar­bei­tung, Holz­ver­ar­bei­tung und die Lager­hal­le. Je nach Behin­de­rungs­grad wer­den die Leu­te ein­ge­schätzt und bestimm­ten Tätig­kei­ten zuge­ord­net. Außer­dem ach­ten die Mit­ar­bei­ter der Lebens­hil­fe dar­auf, dass sich die Mit­ar­bei­ter, wel­che zusam­men ein Pro­dukt fer­ti­gen, auch gut ver­ste­hen, damit ein gutes Arbeits­kli­ma entsteht.

Die Werk­stät­te stellt Pro­duk­te für ver­schie­dens­te Fir­men her wie zum Bei­spiel Brems­schei­ben für Audi oder Bohr­fut­ter für Bosch. Die Mit­ar­bei­ter haben Spaß an der Arbeit und das sieht man ihnen auch an. Allein das Gefühl, gebraucht zu wer­den, erfüllt sie mit vol­ler Freu­de. Im Prin­zip ist die Ein­rich­tung im Ver­gleich zu der ers­ten Werk­stät­te kom­plett gleich. Sie unter­schei­den sich jedoch in der Grö­ße und an der Art der Behin­de­rung der Mit­ar­bei­ter. Die Ange­stell­ten hier haben eine nicht so aus­ge­präg­te Behin­de­rung und sind daher fit­ter, um kom­ple­xe­re Auf­ga­ben zu meistern.

Nach der Füh­rung gab es noch ein gemein­sa­mes Mit­tag­essen in der Kan­ti­ne. Wir bere­de­ten nichts mehr groß, alle waren erschöpft von der Woche.


Unse­re Aus­zu­bil­den­den ver­lie­ßen Nörd­lin­gen mit wert­vol­len Erfah­run­gen im Gepäck, die sich mit Wor­ten nicht erset­zen las­sen. Wir sagen an die­ser Stel­le dan­ke für ein beson­de­res „Tage­buch” und tau­chen im 2. Teil noch ein­mal in die ein­zel­nen Abtei­lun­gen der Werk­stät­ten ein. Die gute Zusam­men­ar­beit mit der Lebens­hil­fe Donau-Ries bestä­tigt unse­re Visi­on ein­mal mehr: im Mit­tel­punkt steht der Mensch und wir geben unse­ren Aus­zu­bil­den­den die Chan­ce, durch eige­ne Erfah­run­gen die Hür­den und Bar­rie­ren der Mit­ar­bei­ter ken­nen zu ler­nen. Für die­se Men­schen bedeu­tet ein gere­gel­ter All­tag mehr – denn er ist eben kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit. Eben mal ein Buch lesen, Auto fah­ren, zur Arbeit gehen, sich etwas kochen, eine Per­spek­ti­ve und eine Chan­ce im Leben erhal­ten – dafür set­zen wir uns gemein­sam ein.

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