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Statement of the Month: IT muss intelligenter werden!

Rupert Lehner
Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Rupert LehnerRupert Leh­ner, Seni­or Vice Pre­si­dent Sales Ger­ma­ny bei Fuji­tsu Tech­no­lo­gy Solutions

Eigent­lich sol­len neue Tech­no­lo­gien alles ein­fa­cher und bes­ser machen. Doch nicht immer funk­tio­niert das wie gewünscht. Das gilt auch für die Infor­ma­ti­ons- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­no­lo­gie (ICT). Ursprüng­lich soll­te sie dem Men­schen zu Hau­se und bei der Arbeit neue Frei­räu­me schaf­fen und bescher­te ihm E‑Mail und das Instant Messaging, seit kur­zem auch Social Media, Uni­fied Com­mu­ni­ca­ti­ons und Video Col­la­bo­ra­ti­on. Die Vor­tei­le lie­gen dabei auf der Hand – jeder­zeit kön­nen wir von jedem Ort und End­ge­rät aus mit Kol­le­gen, Kun­den, Freun­den oder der Fami­lie kom­mu­ni­zie­ren. Wer mal eben schnell eine E‑Mail „her­aus­jagt“ oder eine Nach­richt auf einer Col­la­bo­ra­ti­on-Platt­form wie Micro­soft Lync pos­tet, spart Zeit und ist pro­duk­ti­ver als sei­ne Kol­le­gen aus der alt­vor­de­ren Fax- und Brief­post-Ära. Doch mitt­ler­wei­le haben sich auch die­se Kom­mu­ni­ka­ti­ons-Tools für die jün­ge­ren unter uns bereits über­holt. Sie schwö­ren auf Face­book, Goog­le+ und Twit­ter für die beruf­li­che und pri­va­te Nutzung.

Infor­ma­ti­on Over­load – die Kehr­sei­te der Medaille

Doch die Kla­gen über uner­wünsch­te Neben­wir­kun­gen des „Always-on“-Zeitalters häu­fen sich: mehr Stress durch die stän­di­ge Erreich­bar­keit, die Flut an Infor­ma­tio­nen und der Druck, auf ein­ge­hen­de Nach­rich­ten sofort ant­wor­ten zu müs­sen; weni­ger Zeit für wich­ti­ge Auf­ga­ben, weil der Mit­ar­bei­ter einen beträcht­li­chen Teil sei­nes Arbeits­ta­ges mit dem Lesen und Sor­tie­ren von E‑Mails, Sofort­nach­rich­ten und Postings ver­bringt. Bes­se­rung ist nicht in Sicht. Laut einer Unter­su­chung von Varo­nis, einem Anbie­ter von Data-Manage­ment-Lösun­gen, erhält die Mehr­zahl der Beschäf­tig­ten (45 Pro­zent) heu­te im Schnitt 50 bis 100 E‑Mails pro Tag. Bei rund 24 Pro­zent sind es sogar bis zu 500 Nachrichten.

Radi­ka­le Lösun­gen wie das beherz­te Drü­cken der „Entf“-Taste hel­fen da nicht wei­ter. Vie­le Mit­ar­bei­ter ver­fah­ren not­ge­drun­gen wei­ter­hin nach der Aschen­put­tel-Metho­de: Die „guten“ Mit­tei­lun­gen wer­den müh­se­lig in diver­se Ord­ner sor­tiert, die „schlech­ten“ wan­dern in den Papierkorb.

Hier stellt sich eine neue Auf­ga­be für die IT, deren Lösung dem Nut­zer das Leben wirk­lich leich­ter machen könn­te. Nicht nur, dass Nach­rich­ten und ande­re Infor­ma­tio­nen für den Nut­zer vor­sor­tiert wer­den und sich damit der „Infor­ma­ti­on Over­load“ dras­tisch redu­ziert. So müss­te das Messaging-Sys­tem den Inhalt von Mit­tei­lun­gen bezie­hungs­wei­se E‑Mails auf bestimm­te Stich­wör­ter unter­su­chen und anschlie­ßend selbst­stän­dig für jede Nach­richt eine Prio­ri­täts­stu­fe ver­ge­ben oder über deren Rele­vanz für den Adres­sa­ten entscheiden.

Intel­li­gen­te IT ist bereits da …

Das kann nicht funk­tio­nie­ren? Doch, wie Ansät­ze in ande­ren Bran­chen bewei­sen. Beim Online-Ein­kauf haben wir uns längst dar­an gewöhnt, dass das Shop­ping-Sys­tem unser Ein­kaufs­ver­hal­ten ana­ly­siert und uns auf Basis die­ser Infor­ma­tio­nen ent­spre­chen­de Vor­schlä­ge macht. Das­sel­be bahnt sich im klas­si­schen Ein­zel­han­del an: Das Ein­kaufs­er­leb­nis wird „per­so­na­li­siert“. In Lebens­mit­tel­ge­schäf­ten lau­fen bereits Ver­su­che mit Wire­less LANs, über die der Ein­zel­händ­ler dem Kun­den über des­sen Smart­pho­ne maß­ge­schnei­der­te Ange­bo­te unter­brei­tet oder auf Rabatt­ak­tio­nen hinweist.

Auch Intel­li­gen­te TV-Sys­te­me mit Inter­net-Anbin­dung oder Online-Musik-Ser­vices wer­den uns künf­tig Vor­schlä­ge machen, wel­che Titel, Sen­dun­gen oder Fil­me zur Ver­fü­gung ste­hen, die nach unse­rem Geschmack sind. IT-Sys­te­me hin­ter den Kulis­sen wer­ten dabei aus, wel­che Ange­bo­te der Nut­zer bevor­zugt und stel­len eine ent­spre­chen­de Aus­wahl zusammen.

Selbst das Lieb­lings­kind der Deut­schen, das Auto, wird schlau­er und kom­mu­ni­ziert mit ande­ren Fahr­zeu­gen oder Leit­sys­te­men, nutzt also Cloud-Com­pu­ting-Res­sour­cen. Wie das in der Pra­xis funk­tio­niert, zeigt bei­spiels­wei­se SPATIOWL, ein orts­be­zo­ge­ner Daten­dienst von Fuji­tsu. Er sam­melt Fahr­zeug­da­ten aller Art und kom­bi­niert sie mit ande­ren Infor­ma­tio­nen, etwa dem aktu­el­len Stand­ort des Fah­rers oder Daten über die Ver­kehrs- und Wet­ter­la­ge. Gesam­melt, selek­tiert, aus­ge­wer­tet und bereit­ge­stellt wer­den die­se Infor­ma­tio­nen in Echt­zeit über Cloud-Com­pu­ting-Rechen­zen­tren. Auf Basis von Tech­no­lo­gien von SPATIOWL las­sen sich zahl­rei­che Diens­te bereit­stel­len: von der Rou­ten-Pla­nung über Gefah­ren­mel­dun­gen bis hin zu Sys­te­men, die das Fahr­zeug auto­ma­tisch steu­ern, wäh­rend der Fah­rer sei­ne E‑Mails oder Instant Messages durchgeht.

… doch sie muss noch smar­ter werden!

Ansatz­punk­te, wie die Infor­ma­ti­ons- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­no­lo­gie unser Leben ein­fa­cher gestal­ten kann, gibt es somit genug. Auch die erfor­der­li­chen Tech­no­lo­gien ste­hen zu einem Gut­teil bereits zur Ver­fü­gung, von mobi­len Sys­te­men und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­ni­ken über Lösun­gen für die Maschi­ne-zu-Maschi­ne-Kom­mu­ni­ka­ti­on bis hin zu Cloud Com­pu­ting und Big-Data-Analysen.

Was noch fehlt, sind selbst­ler­nen­de IT-Sys­te­me. Nein, kei­ne neun­mal­klu­gen Robo­ter oder Super­com­pu­ter mit Welt­herr­schafts­al­lü­ren, wie sie in Sci­ence-Fic­tion-Fil­men vor­kom­men. ICT-Unter­neh­men müs­sen viel­mehr intel­li­gen­te IT-Lösun­gen ent­wi­ckeln, die aus dem beob­ach­te­ten Ver­hal­tens­mus­ter ihres Nut­zers die rich­ti­gen Schlüs­se zie­hen – und ihm dabei hel­fen, die für ihn rele­van­ten Infor­ma­tio­nen zu erhal­ten. Dies muss zudem auf die aktu­el­le Rol­le des Nut­zers zuge­schnit­ten sein: In sei­ner Posi­ti­on als Mit­ar­bei­ter im Unter­neh­men benö­tigt der User ande­re Daten als zu Hau­se auf der Couch. Das Stich­wort heißt „Human Centric IT“. Eine intel­li­gen­te Wirt­schaft und moder­ne Gesell­schaft wird ohne sol­che intel­li­gen­te IT-Sys­te­me nicht über­le­bens­fä­hig sein.

Doch gleich­zei­tig steht auch der Anwen­der, der davon pro­fi­tie­ren soll, in der Pflicht, der IT Zugriff auf sei­ne Daten zu ermög­li­chen. Intel­li­gen­te IT- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­sys­te­me, die dem Nut­zer Arbeit abneh­men, indem sie Infor­ma­tio­nen aus­wer­ten, fil­tern und selbst­stän­dig Ent­schei­dun­gen tref­fen und ein omni­po­ten­ter User, der kei­ne Infor­ma­tio­nen von sich selbst preis­ge­ben möch­te – das kann nicht funk­tio­nie­ren. Bei­de Sei­ten müs­sen sich bewe­gen, das heißt die Anbie­ter von ICT-Lösun­gen und die Nut­zer! Erst dann kön­nen wir eine intel­li­gen­te IT, in deren Mit­tel­punkt der Mensch mit sei­nen kon­kre­ten Bedürf­nis­sen steht, realisieren.

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