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Statement of the Month: Totgesagte leben (viel) länger

Dr. Rolf Strotmann
Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Dr. Rolf StrotmannDer Main­frame wird auch in den kom­men­den Jahr­zehn­ten eine zen­tra­le Rol­le in vie­len Rechen­zen­tren spie­len sagt Dr. Rolf Strot­mann, Vice Pre­si­dent Enter­pri­se Ser­ver and Soft­ware bei Fuji­tsu. Lesen Sie im nach­fol­gen­den State­ment of the Mon­th, war­um der Main­frame mehr als ein Ser­ver ist.

Rie­sig, laut und stark: So prä­sen­tier­te sich der ers­te Groß­rech­ner bei sei­ner Welt­pre­mie­re vor fünf­zig Jah­ren. Er war der unum­strit­te­ne Platz­hirsch, bewun­dert und gefei­ert. Ein wenig selbst­ver­liebt war sich der IT-Boli­de sei­ner uner­reich­ten Leis­tungs­fä­hig­keit und Zuver­läs­sig­keit bewusst. Und so ist es kein Wun­der, dass sich der Main­frame irgend­wann den Ruf einer altern­den Diva zuzog, deren anspruchs­vol­le Spe­zi­al­be­hand­lung nur noch weni­ge IT-Fach­kräf­te ver­ste­hen. Doch jetzt erobert sich der Groß­rech­ner einen Teil sei­ner Büh­ne zurück.

Auf­trieb durch Cloud Com­pu­ting und Big Data

Nach Jah­ren der Sta­gna­ti­on ver­lei­hen Trends wie die Rezen­tra­li­sie­rung der IT, Big Data sowie Mobi­li­ty und Cloud Com­pu­ting dem Groß­rech­ner wie­der neu­en Auf­trieb. Wäh­rend die IT seit den 90-er Jah­ren vor allem auf dezen­tra­le Cli­ent-Ser­ver-Umge­bun­gen getrimmt wur­de, zeich­net sich nun­mehr eine Trend­wen­de in Rich­tung Zen­tra­li­sie­rung von Rechen­zen­trums­leis­tun­gen und Kon­so­li­die­rung von Ser­ver­far­men ab. Genau hier kann der Main­frame sei­ne Stär­ken wie­der voll aus­spie­len. Denn Maschi­nen wie die Ser­ver der BS2000 Rei­he ermög­li­chen es, nicht nur eine Viel­zahl an vir­tu­el­len Ser­vern zu star­ten, son­dern neh­men durch ihre immense Leis­tungs­fä­hig­keit deut­lich mehr vir­tu­el­le Ser­ver Hucke­pack. Das spart Platz und Strom im Rechen­zen­trum und hilft, die Kos­ten zu sen­ken. Damit avan­ciert der Main­frame zum zen­tra­len Pro­blem­lö­ser für Betrei­ber von Rechen­zen­tren: Denn Platz­man­gel und Ener­gie­kos­ten machen ihnen am meis­ten zu schaf­fen. Hin­zu kommt, dass zen­tra­le Auf­ga­ben, wie zum Bei­spiel das Patch-Manage­ment über den Main­frame lau­fen und dadurch Zuver­läs­sig­keit und Sicher­heit der Groß­rech­ner auch für die vir­tu­el­len Maschi­nen gewähr­leis­tet wer­den können.

Top-Leis­tung, moder­ne Funktionalitäten

Um den Ansprü­chen im Ser­ver­pool moder­ner Rechen­zen­tren gerecht zu wer­den, eig­net sich der Main­frame als zen­tra­les Hoch­leis­tungs­sys­tem also her­vor­ra­gend. Das kri­ti­sche Image haf­tet dem Gigan­ten den­noch wei­ter an. Denn es spricht sich erst lang­sam her­um, dass auch die Ver­wal­tung längst nicht mehr so umständ­lich ist, wie vie­le glau­ben. Nach einem Face-Lift prä­sen­tiert sich der Groß­rech­ner heu­te mit einer gra­fi­schen Benut­zer­ober­flä­che und bie­tet Plug-Ins für die Admi­nis­tra­ti­on etwa über mobi­le End­ge­rä­te wie Tablet-PCs an. Zudem erleich­tern moder­ne Ent­wick­lungs­um­ge­bun­gen das Erstel­len von Anwen­dun­gen für die Groß­rech­ner­welt. Aus tech­no­lo­gi­scher Sicht hat der Main­frame also lan­ge noch nicht aus­ge­dient. Fuji­tsu ent­wi­ckelt des­halb Hard­ware und Betriebs­sys­tem kon­ti­nu­ier­lich wei­ter und bringt im Tur­nus von drei Jah­ren neue Ver­sio­nen auf den Weg zum Kunden.

Kar­rie­re­tur­bo für Unerschrockene

Die Gefah­ren für den Groß­rech­ner lau­ern indes ganz woan­ders. Denn das ange­kratz­te Image hat auch unter Stu­den­ten die Run­de gemacht. Infol­ge­des­sen hat sich der Nach­wuchs auf Tech­no­lo­gien wie Java spe­zia­li­siert. Wenn es um die Admi­nis­tra­ti­on von Groß­rech­nern und um Cobol-Kennt­nis­se geht, liegt das Alter der Main­frame-Spe­zia­lis­ten in vie­len Unter­neh­men weit über dem Durch­schnitt der Beleg­schaft. Für jün­ge­re Kol­le­gen ist die Inte­gra­ti­on in ein Groß­rech­ner­team des­halb gele­gent­lich etwas schwie­rig. Die Alters­struk­tur der Main­frame­spe­zia­lis­ten eröff­net jedoch auch unge­ahn­te Chan­cen für New­co­mer: Jun­ge Nach­wuchs­kräf­te kön­nen in der Nische mit ihren zusätz­li­chen Main­frame­kennt­nis­sen punk­ten und selbst für grö­ße­re Pro­jek­te schnell Ver­ant­wor­tung über­neh­men. In ande­ren Berei­chen der IT sind die Kar­rie­re­pfa­de hin­ge­gen häu­fig deut­lich länger.

Fazit

Der Main­frame wird auch in den kom­men­den Jahr­zehn­ten eine zen­tra­le Rol­le in vie­len Rechen­zen­tren spie­len. Dank neu­er Ein­satz­sze­na­ri­en macht er bereits ver­lo­ren geglaub­tes Ter­rain wie­der gut und erobert sogar neu­es hin­zu. Fakt ist, der Main­frame ist mehr als ein Ser­ver. Er ist der Takt­ge­ber im Data Cen­ter. Aus wirt­schaft­li­cher Per­spek­ti­ve wird er sich auch in den kom­men­den Jahr­zehn­ten behaup­ten und außer­dem als Steig­bü­gel­hal­ter für so man­che Tur­bo­kar­rie­re dienen.

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