Es macht einen Unterschied, ob wir als Tourist und frei von jeglichen Verpflichtungen ein fremdes Land erkunden, oder ob wir für einen begrenzten Zeitraum dort leben und arbeiten – wie Susann. Für ein Jahr tauscht sie ihren Schreibtisch am Fujitsu Standort München gegen ein Großraumbüro im Shiodome City Center mitten in Tokio und jetzt wagte unsere Kollegin das Abenteuer „Urlaub“. Wir nennen die Auszeit an dieser Stelle bewusst Abenteuer, da die Japaner eine grundsätzlich andere Einstellung zu diesem Thema mit in den Betrieb bringen. Susann jedenfalls tat das, was ein Mitarbeiter in Tokio ihrem Eindruck nach nie tun würde: Sie gönnte sich eine dreiwöchige Pause.

Sich Urlaub zu nehmen, um einmal abzuschalten gehört bei uns in Deutschland zum normalen Arbeitsalltag. In Japan vertreten die Kollegen eine grundsätzlich andere Auffassung, die Susann erstaunt und auch ein bisschen nachdenklich stimmt. Wir alle kennen die Gedanken, die uns von einer Arbeitspause unter Umständen abhalten können und die viele vor ihrem Urlaubsantritt in die Waagschale werfen: „Wenn mein Kollege im Office ist, muss ich auch da sein“ oder „ich bin zu beschäftigt und kann jetzt nicht fehlen“. Für Susann überwog die Vorfreude, immerhin gab es auch außerhalb der Grenzen Tokios für unsere Kollegin viel zu entdecken. Dieser aufregenden Zeit entgegenfiebernd reichte sie ihren Urlaubsantrag ein und trat diesen auch tatsächlich an – ihre japanischen Kollegen staunten nicht schlecht.

Von bis zu 30 verfügbaren Urlaubstagen werden hier in Japan durchschnittlich nur zehn genommen. Mir tun meine Kollegen da wirklich leid, die aus Überzeugung sagen, dass sie maximal einen Tag im Monat Urlaub nehmen, denn die zehn Tage sind auf das ganze Jahr verteilt. Für die Japaner selbst ist dieses Verhalten allerdings so normal, dass es einfach nicht in Frage gestellt wird – und bis zu einem gewissen Grad ist jeder selbst für sein Glück verantwortlich.

Susann_Post_11_1

Urlaub – Susann genoss ihre Zeit als „Tourist“ in Japan in vollen Zügen

Grundsätzlich reisen auch Japaner gern und für eine Woche im Jahr gehen alle „Salary-men“ in Urlaub, ganz Japan geht auf Reisen. Sowohl der 3. („Verfassungstag“) als auch der 4. („Tag des Grünens“) und 5. Mai („Kindertag“) gelten in Japan als Feiertag und beinahe alle Arbeitnehmer versuchen in dieser Zeit Brückentage zu ergattern. Viele Unternehmen passen sich dem traditionellen Tenor an und schließen ihren Betrieb für die verbleibenden Werktage ganz. In der „Golden Week“ erreichen die Preise für Flüge und Hotels durchschnittlich einen Jahreshöchstwert. Reisen in die typischen Urlaubsgebiete zur „Golden Week“ planen die Japaner teils Jahre im Voraus. Auf das Wetter können sich die Urlauber zu dieser Jahreszeit in der Regel verlassen und Anfang Mai heißt es dann überall auf die Entspannung fertig los.

Keine Zugverspätung innerhalb von drei Wochen – Susann reiste auf Schienen

Entspannt und spannend zugleich gestaltete sich auch die Urlaubszeit für Susann, nicht zuletzt weil die Zuverlässigkeit des „Japan-Railpass“ den Reisespaß deutlich anhob. Lustige Verunglimpfungen des Reisemittels auf Schienen kennen wir alle und jeder von uns hat schon einmal auf einen verspäteten Zug gewartet. Susann nicht, als pünktlich, zuverlässig, sauber und angenehm beschreibt unsere Kollegin die Reisebedingungen durch das Land.

Susann_Post_11_2Was mich jedoch in meinen Urlaub besonders positiv überrascht hat, ist die Zuverlässigkeit von Bus und Bahn. Auf die öffentlichen Verkehrsmittel ist bei uns nicht immer Verlass und ab und zu begegnen einem verschmutzte Abteile oder unfreundliches Personal. Hier existiert das komplette Gegenteil. Innerhalb von drei Wochen kam kein Zug zu spät. Obwohl die Tickets hier eher ein bisschen teurer sind, macht der Japan-Railpass den Reisespaß für uns Touristen doch noch erschwinglich. Nicht nur das Reisen selbst, sondern auch alle Unterkünfte waren sauber und wir wurden überall freundlich aufgenommen. Damit kann ich Japan als Reiseland guten Gewissens empfehlen.

Angst vor Sprachbarrieren brauchen Touristen in Japan nach Susann nicht haben. Englisch sollte man können, japanisch selbst verlangt dort keiner. Zur Not klappt die Verständigung vielleicht auch mit Händen und Füßen, Hilfe fand unsere Kollegin auf ihrer Tour aber überall:

Es gibt immer jemanden, der einen zumindest versteht und gerne hilft.

Uns bleibt nur zu sagen: schön, dass Du wieder da bist, Susann. Wir freuen uns jetzt schon auf weitere spannende Eindrücke. Sie möchten wissen, was unsere Kollegin bisher erlebt hat oder warum eine neue „Smart Wohnung“ zunächst einmal für einen gehörigen Schrecken sorgte? Kein Problem, alle Beiträge von Susann finden Sie unter dem Schlagwort „Reisetagebuch Japan“.



Sie möchten schon gehen?

Abonnieren Sie vorher noch schnell unseren Newsletter – so verpassen Sie keinen neuen Beitrag.