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Flexibilität in der Fertigung und mit welchen Lösungen man sie erreicht

Flexibilität in der Fertigung und mit welchen Lösungen man sie erreicht
Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten

Ste­hen auch Sie vor der Her­aus­for­de­rung, Ihre Pro­duk­ti­on stär­ker an die indi­vi­du­el­len Bedürf­nis­se Ihrer Kun­den bzw. Abneh­mer anzu­pas­sen? Wal­ter Graf, Indus­trie 4.0 Evan­ge­list und Fuji­tsu Dis­tin­guis­hed Engi­neer, ver­rät uns im Inter­view, vor wel­chen Her­aus­for­de­run­gen die Fer­ti­gungs­in­dus­trie in die­sem Zusam­men­hang immer wie­der steht – und wie man die­se am bes­ten adres­siert.

Hallo Walter. Lass uns gar nicht lange um den heißen Brei reden: Um was geht es genau?

Ich möch­te das anhand eines kon­kre­ten Bei­spiels aus der Elek­tronik­in­dus­trie erläu­tern. Neh­men wir ein Unter­neh­men, das bis­lang Boards für den Ein­bau in klas­si­sche IT-Sys­te­me her­ge­stellt hat. Im Zuge einer Markt­er­wei­te­rung sol­len die­se Boards nun auch an ande­re Indus­trie­kun­den ver­kauft wer­den, die sehr spe­zi­el­le Anfor­de­run­gen haben, zum Bei­spiel eine höhe­re Resi­li­enz gegen­über Tem­pe­ra­tur und Feuch­tig­keit. Da das Unter­neh­men prin­zi­pi­ell weiß, wie man sol­che Boards baut, kann es so eine Win-Win-Situa­ti­on erzeu­gen und sei­nen Absatz­markt deut­lich ver­grö­ßern. Aber: Die aktu­el­len Pro­duk­ti­ons­li­ni­en haben sehr lan­ge Rüst­zei­ten. Sie kön­nen sich also nicht so schnell an die neu­en, stär­ker hete­ro­ge­nen Anfor­de­run­gen der Kun­den anpas­sen. Das stellt das Unter­neh­men vor neue Her­aus­for­de­run­gen, bei­spiels­wei­se beim Durch­satz, der Maschi­nen­aus­las­tung oder der Qua­li­tät.

Durchsatz, Auslastung, Qualität – sind das nicht längst bekannte Themen?

Walter Graf, Industrie 4.0 Evangelist & Fujitsu Distinguished Engineer
Wal­ter Graf, Indus­trie 4.0 Evan­ge­list & Fuji­tsu Dis­tin­guis­hed Engi­neer

In der Tat beschäf­ti­gen sich Unter­neh­men in der Fer­ti­gungs­in­dus­trie schon seit Jahr­zehn­ten mit genau die­sen The­men und das auf­ge­bau­te Fach­wis­sen ist enorm. Aller­dings ging es bis­lang vor allem um den Aspekt einer effi­zi­en­ten Mas­sen­fer­ti­gung. Das eben erwähn­te Bei­spiel zeigt aber auf, dass ver­meint­lich schon bekann­te Aspek­te wie Durch­satz, Qua­li­tät, etc. eine neue Aus­prä­gung erhal­ten durch eine fle­xi­ble­re Adres­sie­rung der Kun­den­be­dürf­nis­se in Rich­tung klei­ne­rer Los­grö­ßen. Das erfor­dert neue Her­an­ge­hens­wei­sen.

Kannst du uns dazu ein Beispiel nennen?

Bei der Ana­ly­se der besag­ten Fer­ti­gungs­li­nie von Sys­temboards ist uns auf­ge­fal­len, dass es immer wie­der zu Ver­zö­ge­run­gen kam. Deren Ursa­che war eine Mate­ri­al­knapp­heit deut­lich wei­ter vor­ne in der Linie, da man hier mit einer kos­ten­in­ten­si­ven Kom­po­nen­te zu vor­sich­tig umging. Die­se Ver­zö­ge­run­gen haben sich erst vor dem Hin­ter­grund der zuneh­men­den Anzahl unter­schied­li­cher Board­ty­pen als signi­fi­kant stö­rend her­aus­ge­stellt.

Und warum hat man diesen Zusammenhang nicht schon früher erkannt?

Die­se Kor­re­la­ti­on zwi­schen einer Ver­zö­ge­rung deut­lich wei­ter hin­ten in der Pro­duk­ti­on und einer Mate­ri­al­knapp­heit wei­ter vor­ne in der Linie war hoch­gra­dig nicht tri­vi­al und auch für einen aus­ge­wie­se­nen Pro­duk­ti­ons­ex­per­ten nicht zu erken­nen.

Ein ande­res Bei­spiel: Beim Tes­ten der Elek­tro­nik-Kom­po­nen­ten kam es immer wie­der zu Ver­zö­ge­run­gen, die sich nicht durch feh­ler­haf­te Pro­duk­te erklä­ren lie­ßen. Mit den Pro­duk­ten war, bis auf weni­ge Aus­nah­men, alles in Ord­nung. Künst­li­che Intel­li­genz konn­te dann aber fest­stel­len, dass das Tes­te­quip­ment selbst einem Ver­schleiß unter­lag. Des­we­gen kam es in vie­len Fäl­len zu Ver­zö­ge­run­gen, obwohl an den Pro­duk­ten nichts zu bemän­geln war. Die KI kann dabei sogar einen sol­chen ver­schleiß­be­ding­ten Aus­schuss von einem unter­schei­den, der durch Feh­ler in den geprüf­ten Kom­po­nen­ten ver­ur­sacht wird.

Und hier kom­me ich zu zwei wich­ti­gen Erkennt­nis­sen. Ers­tens: Nur der kon­se­quen­te Ein­satz von moder­nen IT-Tech­no­lo­gien wie z. B. Ana­ly­tics und Künst­li­cher Intel­li­genz kann hier die nöti­gen Zusam­men­hän­ge erken­nen las­sen. Und zwei­tens: Das wie­der­um ist nur mög­lich, wenn man die Pro­duk­ti­ons­li­nie voll­stän­dig digi­ta­li­siert hat und somit auf einen umfang­rei­chen Daten­pool zugrei­fen kann.

Mal provokativ gefragt: Gilt das nur für die Elektronikindustrie?

Flexibilität in der Fertigung und mit welchen Lösungen man sie erreichtNein, natür­lich nicht. Ich habe das Bei­spiel ledig­lich gewählt, um die Grund­prin­zi­pi­en näher zu erläu­tern. Es wird dar­an deut­lich, wie sich fle­xi­ble­re Anfor­de­run­gen der Kun­den auf die Pro­duk­ti­on aus­wir­ken und wie tra­di­tio­nell bekann­te Kenn­grö­ßen wie Durch­satz, Qua­li­tät etc. beein­flusst wer­den. Außer­dem zeigt es, wel­che Pro­blem­stel­lun­gen sich erge­ben, die man effek­tiv nur durch die Anwen­dung von moder­nen IT-Tech­no­lo­gien wie Ana­ly­tics bzw. KI und die kon­se­quen­te Digi­ta­li­sie­rung der Pro­duk­ti­ons­li­nie adres­sie­ren kann. IT-Tech­no­lo­gien ermög­li­chen so Ein­bli­cke in die Pro­duk­ti­on, die es vor­her nicht gab. Ergänzt mit dem Wis­sen der jewei­li­gen Pro­duk­ti­ons­ex­per­ten erge­ben sich so wert­vol­le Infor­ma­tio­nen.

Stehen viele Produktionsleiter nicht auch unter einem massiven Kostendruck?

Ja, das ist der Fall. Und gera­de vor die­sem Hin­ter­grund ist der Bezug der Pro­duk­ti­on auf die Anfor­de­run­gen der Kun­den bzw. Abneh­mer beson­ders wich­tig. Nur so kann man einen Zusam­men­hang her­stel­len zwi­schen den (neu­en) Geschäfts­mög­lich­kei­ten bzw. dem damit erwar­te­ten Umsatz- und Ergeb­nis­zu­wachs und den Mit­teln, die man in der Fer­ti­gung dazu in die Hand neh­men will.

Direkt damit ver­bun­den sind zwei wei­te­re Aspek­te: Die meis­ten Unter­neh­men betre­ten hier tech­no­lo­gi­sches Neu­land. Sie sind auf die Exper­ti­se ande­rer ange­wie­sen und kei­ne der betei­lig­ten Par­tei­en hat das kom­plet­te Wis­sen bei sich. Das in den Unter­neh­men vor­han­de­ne Wis­sen zur Pro­duk­ti­on ist dabei nach wie vor unab­ding­bar. Und der ande­re Aspekt ist die Schwie­rig­keit, zu einem frü­hen Zeit­punkt ein Pro­jekt zu defi­nie­ren, bei dem alle Schrit­te bis zum Schluss bereits fest­ste­hen. Co-crea­ti­on und eine agi­le Her­an­ge­hens­wei­se an neue Pro­jek­te mit der Fähig­keit, schnel­le Rich­tungs­wech­sel umzu­set­zen, sind dann der Garant dafür, dass die Kos­ten im Rah­men blei­ben.

Und gleich­zei­tig sorgt eine kla­re Aus­rich­tung einer Pro­duk­ti­on an neue Geschäfts­zie­le dafür, dass der finan­zi­el­le Rah­men aus­rei­chend groß bemes­sen wer­den kann.

Wie kann Fujitsu bei all diesen Themen helfen?

Nicht zuletzt auf­grund der Unter­stüt­zung in inter­nen Pro­jek­ten in der eige­nen Pro­duk­ti­on haben wir eini­ge Erfah­rung in der Zusam­men­ar­beit von Pro­duk­ti­ons­ex­per­ten mit Data Engi­neers und Data Sci­en­tists. Als IT-Unter­neh­men mit Fer­ti­gungs-Know-how beherr­schen wir die wich­tigs­ten IT-Tech­no­lo­gien. Dazu gehö­ren zum Bei­spiel künst­li­che Intel­li­genz und ihre Anwen­dung bei der Qua­li­täts­kon­trol­le und der Pro­duk­ti­ons­op­ti­mie­rung, Job Shop Sche­du­ling und Robo­ter­op­ti­mie­rung mit Hil­fe von quan­ten­in­spi­rier­ten Tech­no­lo­gien und eini­ges mehr. In jedem Fall legen wir auf eine agi­le und risi­ko­ar­me Her­an­ge­hens­wei­se Wert und berück­sich­ti­gen bei der Archi­tek­tur unse­rer Lösun­gen auch aktu­el­le Sicher­heits­an­for­de­run­gen.

Flexibilität in der Fertigung und mit welchen Lösungen man sie erreichtSeit die­sem Jahr bün­deln wir zusätz­lich unse­re Res­sour­cen in einer eigens gegrün­de­ten Con­nec­ted Ser­vices-Orga­ni­sa­ti­on, die ana­log einem Start-up alle wesent­li­chen Funk­tio­nen in einem agi­len Team bün­delt. Einen guten Über­blick über das, was im Bereich der Con­nec­ted Ser­vices mög­lich ist, gibt übri­gens unse­re Web­sei­te.

Außer­dem möch­te ich auf eini­ge Brea­k­out Ses­si­ons hin­wei­sen, die wir auf dem Fuji­tsu Forum 2019 anbie­ten. In den Brea­k­out Ses­si­ons dis­ku­tie­ren Fuji­tsu Spe­zia­lis­ten, Kun­den und Part­ner aus der gan­zen Welt über die neus­ten tech­no­lo­gi­schen Inno­va­tio­nen und tau­schen sich zu ihren Erfah­run­gen aus. Wer also noch nicht zum Fuji­tsu Forum am 6. und 7. Novem­ber in Mün­chen ange­mel­det ist, soll­te das auf jeden Fall noch nach­ho­len.

Das sind unse­re Manu­fac­tu­ring-Brea­k­out Ses­si­ons:

 Datum  Uhr­zeit Titel
06.11.2019 10:00 – 10:45 How can we trans­form the future of Manu­fac­tu­ring
06.11.2019 13:00 – 13:45 From Engi­ne Com­pa­ny to Smart Tech­no­lo­gy Lea­der
06.11.2019 13:00 – 13:45 How to maxi­mi­se pro­duc­ti­vi­ty and fle­xi­bi­li­ty with AI dri­ven image reco­gni­ti­on in qua­li­ty con­trol?
07.11.2019 13:30 – 14:15 The role of shop floor assi­s­tance in crea­ting Smart Fac­to­ries

Wenn jemand direkt mit mir über sei­ne indi­vi­du­el­len Her­aus­for­de­run­gen spre­chen möch­te: Gemein­sam mit mei­nem Kol­le­gen Chris­tof Schleidt bie­te ich auf dem Fuji­tsu Forum auch einen Expert Talk zum The­ma an – „Fuji­tsu Con­nec­ted Ser­vices – our ans­wer to an incre­a­singly con­nec­ted world“ (Nr. 22). Wir freu­en uns schon jetzt auf vie­le span­nen­de Gesprä­che!

Vielen Dank, Walter.

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