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Beide Perspektiven können voneinander profitieren – „IT-Business meets Science” und Prof. Dr. Buxmann im Interview

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Heu­te ersetzt der Such­ma­schi­nen-Gigant Goog­le oft das klas­si­sche Lexi­kon. Wir twit­tern und pos­ten jeden Tag. Wir gene­rie­ren Daten, ver­las­sen uns auf das Navi und tele­fo­nie­ren nur noch sel­ten. Viel öfter ver­ab­re­den wir uns über Whats­App. Unse­re Gesell­schaft steckt längst mit­ten in der digi­ta­len Trans­for­ma­ti­on. Wir alle haben uns auf den Weg gemacht – nur über das Ziel der Rei­se sind wir uns nicht immer im Kla­ren. Unter­schied­li­che Genera­tio­nen, Sicher­heit und ver­än­der­te Struk­tu­ren – all das spielt eine Rol­le. Vie­le Unter­neh­men ste­hen des­halb heu­te vor der Her­aus­for­de­rung, ihr Geschäfts­mo­dell an die ver­än­der­ten Rah­men­be­din­gun­gen anzu­pas­sen. Mit der Ver­an­stal­tung „IT-Busi­ness meets Sci­ence” beleuch­ten wir das Top­the­ma der IT aus ver­schie­de­nen Per­spek­ti­ven und Prof. Dr. Bux­mann, Tech­ni­sche Uni­ver­si­tät Darm­stadt, greift die wich­tigs­ten Din­ge in die­sem Inter­view für uns auf. War­um und wie kön­nen Pra­xis und Wis­sen­schaft von­ein­an­der ler­nen?

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Guten Tag Herr Prof. Dr. Buxmann, vielen Dank, dass Sie sich Zeit für dieses Interview nehmen. „IT-Business meets Science” verbindet zwei unterschiedliche Bereiche. Warum ist es so wichtig, zwischen den beiden Perspektiven eine Brücke zu bauen?

buxmann2015_300dpiWeil bei­de Per­spek­ti­ven – sowohl die der Pra­xis als auch die der Wis­sen­schaft – von­ein­an­der pro­fi­tie­ren kön­nen. Gera­de das The­ma der digi­ta­len Trans­for­ma­ti­on beschäf­tigt bei­de Grup­pen glei­cher­ma­ßen. In die­sem Kon­text wird es wich­tig sein, die eige­ne Per­spek­ti­ve zu ver­las­sen und sich einen brei­ten Blick auf die aktu­el­len Ver­än­de­run­gen zu ver­schaf­fen. Nur dann kann es gelin­gen, die­sen umfang­rei­chen Trans­for­ma­ti­ons­pro­zess erfolg­reich zu bewäl­ti­gen.

Was zeichnet „IT-Business meets Science” als Veranstaltung aus? Warum lohnt sich die Teilnahme?

Im Rah­men der Ver­an­stal­tung betrach­ten wir eines der ein­fluss­reichs­ten The­men der letz­ten und nächs­ten Jah­re – die Digi­ta­li­sie­rung – aus ver­schie­de­nen Blink­win­keln und hel­fen dabei, Ori­en­tie­rung zu fin­den. Dabei kom­men ver­schie­de­ne Speaker aus der Pra­xis, z.B. von Goog­le und Twit­ter, aber auch Exper­ten aus der Wis­sen­schaft zusam­men, wie Prof. Dr. Johan­nes Buch­mann, einer der welt­weit füh­ren­den IT-Sicher­heits­ex­per­ten.

Außer­dem wird mit Herrn Dr. Schmidt ein wei­te­rer Spe­zia­list aus dem Bereich der Digi­ta­li­sie­rung hin­zu­kom­men, der sich seit gerau­mer Zeit mit digi­ta­len Geschäfts­mo­del­len befasst. Dank der hohen Exper­ti­se unse­rer Refe­ren­ten kön­nen die Gäs­te der Ver­an­stal­tung daher nach­hal­tig von den Vor­trä­gen und den dar­in ver­mit­tel­ten Inhal­ten pro­fi­tie­ren. Zudem besteht die Gele­gen­heit, neue Kon­tak­te zu knüp­fen, z.B. auch mit unse­ren Stu­die­ren­den. 

In diesem Jahr geht es um die „Digitale Transformation” und um „digitale Geschäftsmodelle”. Wie hängen die beiden Kernthemen zusammen?

Vie­le Unter­neh­men sind lan­ge Zeit davon aus­ge­gan­gen, dass die Digi­ta­li­sie­rung vor allem ande­re Unter­neh­men und Bran­chen betrifft. Das kön­nen wir sogar mit Daten bele­gen. Doch nach und nach hat sich her­aus­ge­stellt, dass die Aus­wir­kun­gen der Digi­ta­li­sie­rung eigent­lich jeden betref­fen und dass sich kaum ein Unter­neh­men die­sen Ent­wick­lun­gen ent­zie­hen kann. Vor die­sem Hin­ter­grund ste­hen vie­le Unter­neh­men nun vor der Her­aus­for­de­rung, wie sie ihr Geschäfts­mo­dell den neu­en Rah­men­be­din­gun­gen ent­spre­chend anpas­sen kön­nen. 

Wir sprechen also von fundamentalen Veränderungen in der Gesellschaft. Welche Situationen fallen Ihnen persönlich ein, die diese Veränderungen deutlich machen?

Mir fal­len hier beson­ders sol­che Indus­tri­en ein, die im Rah­men der Digi­ta­li­sie­rung bereits auf den Kopf gestellt wur­den. Spre­chen wir bei­spiel­wei­se über Uber und die Taxi­bran­che oder AirB­nB und die Hotel­bran­che. Wir sehen hier jeweils zwei Wirt­schafts­be­rei­che, die über Jah­re sta­bil von bestimm­ten Unter­neh­men domi­niert wur­den und die nun in einer extre­men Geschwin­dig­keit weit­rei­chen­de Ver­än­de­run­gen erfah­ren haben. AirB­nB besitzt kein ein­zi­ges Hotel, Uber kei­ne Taxis und trotz­dem haben die­se Unter­neh­men mitt­ler­wei­le einen Wert, der die eta­blier­ten Unter­neh­men um Wei­ten über­trifft. Gesell­schaft­lich ist zudem das Phä­no­men „Phub­bing” weit ver­brei­tet, das wir täg­lich beob­ach­ten kön­nen. Der Begriff „Phub­bing” beschreibt die Ange­wohn­heit, sich mit dem Smart­pho­ne zu beschäf­ti­gen, wäh­rend man die Men­schen, mit denen man gera­de gesell­schaft­lich ver­kehrt, ver­nach­läs­sigt.

Ich möchte Ihnen an dieser Stelle auch ein Beispiel nennen: Den Einzelhandel. Was verändert eine sich digitalisierende Gesellschaft am Kaufverhalten des Kunden?

Auch hier wird der Wett­be­werb zuneh­mend här­ter. Obwohl der Ein­zel­han­del schon eini­ge Jah­re mit der stei­gen­den Beliebt­heit von Online-Händ­lern zu kämp­fen hat, schaf­fen es Unter­neh­men wie Ama­zon oder Zalan­do immer bes­ser, Kun­den an sich zu bin­den und ihr Ange­bot zu erwei­tern. Gera­de Ama­zon bie­tet durch die Ana­ly­se und Ver­wen­dung von umfang­rei­chen Daten­men­gen vie­le Emp­feh­lun­gen an, die dem Kun­den das Leben nach­hal­tig erleich­tern. Die­se Vor­tei­le sind natür­lich gegen die berech­tig­ten Pri­vat­sphä­re-Sor­gen der Nut­zer abzu­wä­gen.

Wie wirkt es sich beispielsweise in der Finanzindustrie aus?

Hier gilt immer mehr, dass Finanz­dienst­leis­tun­gen natür­lich gebraucht und nach­ge­fragt wer­den, die­se aber nicht not­wen­di­ger­wei­se von der klas­si­schen Bank, Spar­kas­se oder Volks­bank erbracht wer­den müs­sen. So wer­den die klas­si­schen Geschäfts­mo­del­le der Ban­ken durch klei­ne Fin­techs ange­grif­fen und – viel­leicht für die tra­di­tio­nel­len Ban­ken noch gefähr­li­cher – von Dienst­leis­tun­gen, die von Unter­neh­men wie Apple oder Goog­le ange­bo­ten wer­den, bedroht.

Immer wieder stolpern wir über Google, Twitter, Facebook & Co – was verändert sich im Bereich Marketing?

Das Mar­ke­ting wird immer daten­ge­trie­be­ner. Unter­neh­men wie Face­book kön­nen Nut­zer auf einer unglaub­lich detail­lier­ten Ebe­ne adres­sie­ren. Das zeigt sich ins­be­son­de­re an den letz­ten ope­ra­ti­ven Ergeb­nis­sen, die bei­spiels­wei­se Goog­le und Face­book vor­ge­legt haben. Auch der Her­aus­for­de­rung, Wer­bung auf mobi­len End­ge­rä­ten zu inte­grie­ren, begeg­nen die­se Unter­neh­men mitt­ler­wei­le immer bes­ser.

Aller­dings ist gera­de in Deutsch­land zu sehen, dass vie­le Nut­zer mit den Geschäfts­mo­del­len von Goog­le und Face­book eigent­lich nicht ein­ver­stan­den sind. Daher wid­men wir uns in ver­schie­de­nen Pro­jek­ten der Fra­ge, wie der öko­no­mi­sche Wert von Daten bestimmt wer­den kann und wel­che Pri­vat­sphä­re-freund­li­chen Geschäfts­mo­del­le mög­lich sind. 

Mit welchen Referenten greifen Sie diese Themen in der Veranstaltung auf und was zeichnet die Vorträge aus?

Es wird ins­ge­samt vier Vor­trä­ge geben:

  • „Lang­fris­ti­ge Cyber­si­cher­heit“ von Prof. Johan­nes Buch­mann (TU Darm­stadt)
  • „The Power and the Pro­blem of Now – Live ist das neue Geil!“ von Panos Mey­er (Twit­ter)
  • „Geschäfts­mo­del­le der digi­ta­len Öko­no­mie“ von Dr. Hol­ger Schmidt (Focus Maga­zin)
  • „Der Nut­zer steht an ers­ter Stel­le – alles Wei­te­re folgt von selbst“ von Lutz Mache (Goog­le)

Einmal zusammengefasst: Was geben Sie Ihren Besuchern mit auf den Weg und welche Punkte machen „IT-Business meets Science” als Veranstaltung so besonders?

Ich den­ke, dass die Ver­an­stal­tung eine tol­le Gele­gen­heit bie­tet, sich mit digi­ta­len Geschäfts­mo­del­len und den zuge­hö­ri­gen Her­aus­for­de­run­gen aus­ein­an­der­zu­set­zen. Dabei ist beson­ders die Kom­bi­na­ti­on von Wis­sen­schaft und Pra­xis span­nend, auch vor dem Hin­ter­grund, dass unse­re Stu­die­ren­den oft näher an den aktu­el­len Ent­wick­lun­gen dran sind als Unter­neh­men.

Herr Prof. Dr. Bux­mann, vie­len Dank für die­ses Inter­view!

Am 13. Okto­ber dreht sich an der Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät (TU) Darm­stadt alles um die Digi­ta­li­sie­rung. Bereits zum fünf­ten Mal tref­fen sich IT und Wis­sen­schaft und schla­gen eine Brü­cke zwi­schen zwei auf den ers­ten Blick unter­schied­li­chen Per­spek­ti­ven. Mit span­nen­den Vor­trä­gen und Ein­bli­cken in die Pra­xis bie­ten der Lehr­stuhl Wirt­schafts­in­for­ma­tik und die Fuji­tsu TDS GmbH Digi­ta­li­sie­rung aus allen Per­spek­ti­ven. Wei­te­re Infor­ma­tio­nen zur Ver­an­stal­tung erhal­ten Sie auf der Inter­net­sei­te des Ver­an­stal­ters. Freu­en Sie sich auf hoch­ka­rä­ti­ge Refe­ren­ten von Goog­le, Twit­ter und dem FOCUS Maga­zin sowie auf Bei­trä­ge der TU Darm­stadt – wir freu­en uns auf Ihren Besuch.

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  • […] „Herzlich Willkommen zur IT-Business meets Science!“ Das blau-weiße Schild am Eingang der Technischen Universität Darmstadt war nicht zu übersehen und lud am 13.10. zu einem Treffen voller spannender Vorträge, guter Diskussionen und vieler Möglichkeiten zum netzwerken ein. Die IT-Business meets Science, die dieses Jahr bereits zum fünften Mal stattfand, stand unter dem Motto „Digitale Transformation und digitale Geschäftsmodelle“. Dem Konzept der Veranstaltung folgend wurde das Thema aus verschiedenen Perspektiven betrachtet – Wissenschaft traf auf Praxis. Durch den Austausch können beide Seiten die eigene Perspektive hinterfragen, voneinander lernen und profitieren, wie Prof. Dr. Peter Buxmann (TU Darmstadt) bereits im Vorfeld der Veranstaltung betonte. […]

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