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Digitalisierungs-Boom in der Finanzbranche? Spannende Einblicke beim Online-Forum des FMVÖ

Digitalisierungs-Boom in der Finanzbranche
Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten

Bild (Bank Aus­tria Ver­an­stal­tungs­zen­trum in Wien) von links: Wer­ner Sche­di­wy, Dr. Jochen Zöschg, Wil­helm Peters­mann, Micha­el Wie­deck, Dr. Wal­ter Mösen­ba­cher, Robert Sobot­ka, Zuge­schal­tet: Stef­fen Müter

Vor knapp sechs Mona­ten haben wir einen Blick zurück auf 2020 gewor­fen – auch für die Finanz­bran­che ein tur­bu­len­tes Jahr. Die Gewohn­hei­ten der Kund*innen ver­än­der­ten sich so stark wie kaum zuvor. Plötz­lich wur­de alles, was mög­lich war, ins Digi­ta­le ver­legt. Auf die­se Her­aus­for­de­rung muss­ten Ban­ken und Ver­si­che­run­gen schnell reagieren.

Natür­lich kam auch der Blick in die Zukunft nicht zu kurz. Die­ser ver­sprach: Es bleibt span­nend. Und nicht nur des­we­gen haben wir immer ein Auge (oder auch zwei) auf die neus­ten Ent­wick­lun­gen in der Finanz­bran­che. Die­se tei­len wir zum Bei­spiel in unse­rer Lin­kedIn-Grup­pe „Digi­tal Finan­ce Insights” mit Ihnen.

Sorgt die Post-Corona-Phase für einen Boom?

Am 15. Juni fand das Online-Forum des Finanz-Mar­ke­ting-Ver­ban­des Öster­reich (FMVÖ) statt. Die gemein­sa­me Ver­an­stal­tung von Fuji­tsu und dem FMVÖ beschäf­tig­te sich mit der Coro­na-Pan­de­mie und ihren Aus­wir­kun­gen: „Sorgt die Post-Coro­na-Pha­se für einen Boom für die Digi­ta­li­sie­rung in der Finanz­bran­che?” Vor Ort dis­ku­tier­te Wil­helm Peters­mann, Geschäfts­füh­rer Fuji­tsu Öster­reich und Schweiz, Head of Finan­cial Ser­vices Cen­tral Euro­pe, im Bank Aus­tria Ver­an­stal­tungs­zen­trum in Wien mit wei­te­ren Exper­ten. Stef­fen Müter, Head of Ser­vice Cen­tral & Eas­tern Euro­pe und Geschäfts­füh­rer der Fuji­tsu TDS GmbH, war vir­tu­ell zugeschaltet.

Nach der Begrü­ßung durch den FMVÖ-Prä­si­den­ten Erich May­er stan­den schnell essen­zi­el­le Fra­gen im Fokus: Wie hat sich der Arbeits­all­tag in der Bran­che ver­än­dert? Gab es einen digi­ta­len Boom? Wel­che Berei­che waren beson­ders betrof­fen? Was bleibt dau­er­haft erhal­ten? Wie sieht die digi­ta­le Zukunft der Kun­den­be­zie­hung aus?

Ant­wor­ten dar­auf gibt es in einer aktu­el­len FMVÖ-Stu­die mit dem Titel „Wert der Ver­än­de­rung”, deren zen­tra­le Ergeb­nis­se zu Beginn des Online-Forums vor­ge­stellt wur­den. Die 30 Exper­ten­in­ter­views mit Per­sön­lich­kei­ten aus der Finanz­bran­che, die als Grund­la­ge geführt wur­den, dreh­ten sich um Ver­än­de­run­gen in der Arbeits­welt (Büro vs. Home­of­fice, klas­si­sche vs. Video-Mee­tings), aber auch um die Digi­ta­li­sie­rung von inter­nen Pro­zes­sen oder der Kundenkommunikation.

Podiumsdiskussion mit führenden Experten

Den Haupt­teil der Ver­an­stal­tung bil­de­te dann die im Anschluss statt­fin­den­de Dis­kus­si­on des Podi­ums zur digi­ta­len Zukunft der Bran­che. Neben Wil­helm Peters­mann und Stef­fen Müter waren Dr. Wal­ter Mösen­ba­cher, FINTECHCIRCLE Lon­don – Ambassa­dor, Dr. Jochen Zöschg, Vor­stands­mit­glied Zürich Ver­si­che­rungs-Akti­en­ge­sell­schaft, und Ing. Micha­el Wie­deck, Chief Sales Offi­cer, bank99 AG, Mit­glie­der der Run­de. MMag. Robert Sobot­ka, Geschäfts­füh­rer von Tele­mark Mar­ke­ting über­nahm die Moderation.

Im Rah­men die­ser Run­de aus füh­ren­den Exper­ten der Ban­ken- und Finanz­bran­che kamen eini­ge span­nen­de Fra­gen auf, die wir an die­ser Stel­le lei­der nur aus­zugs­wei­se auf­grei­fen kön­nen. So befass­te sich Micha­el Wie­deck mit der Zukunft von Filia­len und der Über­le­gung, ob mitt­ler­wei­le nicht vie­les „in Selbst­be­die­nung” und „online” statt­fin­den kann.

Die Zukunft von Filialen

Tat­säch­lich ist in den letz­ten Jah­ren bei vie­len Insti­tu­ten eine Straf­fung des Fili­al­net­zes zu beob­ach­ten. Die Form der Kun­den­be­treu­ung ändert sich, immer mehr Pro­zes­se wer­den digi­ta­li­siert. Die per­sön­li­che Kun­den­be­ra­tung bleibt jedoch wei­ter­hin ein wich­ti­ger Aspekt und ein star­kes Bedürf­nis der Kund*innen. Finanz­in­sti­tu­te haben so die Mög­lich­keit, sich über die per­sön­li­che Betreu­ung zu dif­fe­ren­zie­ren. Dabei ist es wich­tig, die Balan­ce zwi­schen indi­vi­du­el­lem Dia­log und stan­dar­di­sier­ten digi­ta­len Pro­zes­sen zu fin­den.

Bis­her resul­tiert aus die­sem Ver­such oft­mals eine Zwi­schen­lö­sung. Stand­or­te blei­ben bestehen, wer­den aber ohne Per­so­nal wei­ter betrie­ben. Moder­ne­re Kon­zep­te hin­ge­gen tra­gen den gestie­ge­nen Ansprü­chen Rech­nung, indem sie zum Bei­spiel Cus­to­mer Onboar­ding in einer voll digi­ta­li­sier­ten Form durch­füh­ren – wie bei der LA CAIXA-Bank in Spa­ni­en. Die­se ermög­licht es ihren Kund*innen, via Ban­ko­mat neue Kon­ten zu eröff­nen oder Hypo­the­ken zu bean­tra­gen. Auch hybri­de Lösun­gen aus digi­ta­len Pro­zess­schrit­ten und der per­sön­li­chen Anspra­che in Video­kon­fe­ren­zen sind denk­bar. Für die Bean­tra­gung eines Kre­dits ist auch der Ein­satz von Robo­tic Pro­cess Auto­ma­ti­on (RPA) eine Opti­on. Was das bedeu­tet, fasst Wil­helm Peters­mann zusammen:

„Sehr oft über­le­gen sich Kun­den außer­halb der Büro­zei­ten, ob sie einen Kre­dit bean­tra­gen wol­len. Mit einem auto­ma­ti­sier­ten End-to-End-Pro­zess, der mit Ein­satz von künst­li­cher Intel­li­genz ohne Mit­wir­kung eines Sach­be­ar­bei­ters abläuft, bie­ten Finanz­in­sti­tu­te ihren Kun­den qua­si rund um die Uhr die Mög­lich­keit, Kre­dit­ver­trä­ge rasch abzuschließen.”

Erfolgreiche IT-Projekte in der Finanzbranche

Eine Fra­ge, die wäh­rend der Podi­ums­dis­kus­si­on direkt an Wil­helm Peters­mann gerich­tet wur­de, war die, ob es einen spür­ba­ren Boom an IT-Pro­jek­ten in der Finanz­bran­che gab, aus­ge­löst durch die Pan­de­mie. Und gene­rell: Wie kann die IT-Bran­che die Digi­ta­li­sie­rung die Bran­che unterstützen?

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Sei­ne Ant­wort war ein­deu­tig: „Wir haben Kun­den, wel­che ihr Pro­jekt­port­fo­lio kom­plett umge­krem­pelt haben. Ein Kun­de hat zum Bei­spiel von 119 Ver­än­de­rungs­pro­jek­ten auf 29 Vor­ha­ben redu­ziert. Und raten Sie, wel­che Pro­jek­te übrig geblie­ben sind: Fast alle hat­ten mit Auto­ma­ti­sie­rung, Digi­ta­li­sie­rung und Kos­ten­op­ti­mie­rung zu tun.

Neben die­sen Ein­spa­run­gen oder Ver­schie­bun­gen von Pro­jek­ten gäbe es aber auch vie­le Kund*innen, die expli­zit neue Digi­ta­li­sie­rungs­pro­jek­te ins Leben rufen. Den größ­ten Erfolg hät­ten dabei die Digi­ta­li­sie­rungs­vor­ha­ben, die in der Umset­zung sowohl Vertreter*innen aus dem Busi­ness als auch wel­che aus der IT im Pro­jekt­team ver­ei­nen. In den meis­ten Fäl­len kom­men dar­über hin­aus zusätz­li­che Bera­ter hin­zu. Fuji­tsu unter­stützt die­se Teams dann zum Bei­spiel mit Co-crea­ti­on Work­shops, in denen mit einer gut struk­tu­rier­ten Metho­de („Activ8”) und einem agi­len Ansatz in kur­zen Sprints rasch umsetz­ba­re Ergeb­nis­se entstehen.

Schritt für Schritt in die Digitalisierung

Gene­rell, so Peters­mann, sei­en die Digi­ta­li­sie­rung von Pro­zes­sen, der „Modern Work­place” und die effi­zi­en­te Bewirt­schaf­tung von hybri­den IT-Umge­bun­gen erst der Anfang. Noch wich­ti­ger wird für die Unter­neh­men eigent­lich die Erkennt­nis, dass sie nach die­sen ers­ten klei­nen Schrit­ten wei­te­re, deut­lich grö­ße­re gehen müs­sen. Die­se umfas­sen dann die Digi­ta­li­sie­rung von Pro­duk­ten und die Schaf­fung von unter­neh­mens­über­grei­fen­den Öko­sys­te­men. Ein Bei­spiel sind neue For­men der Mobilität:

„Stel­len Sie sich vor, Sie bedie­nen Kun­den, die ein Elek­tro-Car-Sharing benut­zen. Sie kön­nen Vor­gän­ge wie die Auf­nah­me des Kun­den sowie sei­ne Iden­ti­fi­ka­ti­on, die Frei­schal­tung der Autos und die Bezah­lung der Auf­la­dung mit einer Block­chain-Lösung betrugs­si­cher auto­ma­ti­sie­ren. Außer­dem kön­nen Sie mit IoT und Sen­so­ren exakt für die gefah­re­nen Stre­cken Ver­si­che­run­gen anbie­ten. Die­se bezie­hen dann neben der gefah­re­nen Stre­cke das Fahr­ver­hal­ten, die Wit­te­rung und vie­les mehr ein”.

Man­ches davon mag heu­te noch nach Zukunfts­mu­sik klin­gen. Doch vie­le Unter­neh­men machen bereits ers­te Schrit­te in die­se Richtung.

Die Auswirkungen der Covid-Pandemie in Asien

Abge­run­det wur­de der Online-Event schließ­lich durch einen Blick nach Asi­en. Dort wer­den die lang­fris­ti­gen Aus­wir­kun­gen der Covid-Pan­de­mie auf die Finanz­wirt­schaft bereits sicht­bar. Dr. Mar­tin Schulz, Chef-Volks­wirt von Fuji­tsu, wur­de dazu live aus Japan zuge­schal­tet und berich­te­te über die neu­es­ten Entwicklungen.

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Die von ihm beob­ach­te­ten Ver­än­de­run­gen im Home­of­fice sind auch hier­zu­lan­de bereits bemerk­bar. Wil­helm Peters­mann: „Das Büro hat sei­nen Cha­rak­ter ver­än­dert. Es dient nicht mehr pri­mär für Schreib­tisch­ar­beit. Moder­ne Post-Covid-Büro-Lay­outs haben kaum mehr Ein­zel­bü­ros und über­haupt wesent­lich weni­ger Schreib­tisch-Arbeits­plät­ze. Die meis­ten Unter­neh­men wen­den heu­te bei den Arbeits­plät­zen ein Desk Sharing Kon­zept an. Der grö­ße­re Teil der Büro­flä­chen wird als Begeg­nungs­zo­nen und zur Krea­tiv­ar­beit genutzt.”

Sol­che Ver­än­de­run­gen stel­len natür­lich auch die IT-Abtei­lun­gen vor Her­aus­for­de­run­gen. Beson­ders die Anfor­de­run­gen an Daten­si­cher­heit und Secu­ri­ty sind für Finanz­in­sti­tu­te hoch. Es wer­den außer­dem neue Tools benö­tigt, wel­che die Team­ar­beit über vie­le Stand­or­te hin­weg för­dern. Nach­voll­zieh­ba­re und von Legal und Com­pli­an­ce akzep­tier­te digi­ta­le Ver­fah­ren müs­sen eta­bliert wer­den, Daten und Appli­ka­tio­nen müs­sen rund um die Uhr und über­all den berech­tig­ten Benut­zern zur Ver­fü­gung ste­hen. Unter­neh­men, wel­che die­se fle­xi­blen, moder­nen Arbeits­for­men nicht anbie­ten, wer­den es in Zukunft wohl eher schwer haben, neue Talen­te zu rekrutieren.

Das Online-Forum FMVÖ: ein Fazit

Nach einer kur­zen Dis­kus­si­on, was wir aus euro­päi­scher Sicht von den Ent­wick­lun­gen in Asi­en ler­nen kön­nen, neig­te sich das Online-Forum mit der Beant­wor­tung von Zuschau­er­fra­gen sei­nem Ende zu.

Zum Schluss stand noch ein­mal die wohl zen­trals­te Fra­ge des Events im Fokus: Wel­che Ver­än­de­run­gen wer­den dau­er­haf­te Aus­wir­kun­gen haben? Was bleibt? Wil­helm Peters­mann sieht eine ein­deu­ti­ge Rich­tung: „Finanz­dienst­leis­ter müs­sen digi­ta­le Ser­vices anbie­ten, um sich im Wett­be­werb Vor­tei­le zu sichern. Sie sind gezwun­gen, Geschäfts­mo­del­le anzu­pas­sen und neue Wege der Kun­den-Inter­ak­ti­on zu fin­den. Dabei geht es bei­spiels­wei­se um die Auto­ma­ti­sie­rung von Geschäfts­ab­läu­fen mit­tels Robo­tic Pro­cess Auto­ma­ti­on. Die­se Ent­wick­lung ist durch die Covid-19-Situa­ti­on ver­stärkt wor­den. Die IT-Bran­che kann die Finanz­bran­che bei die­ser Auf­ga­be unter­stüt­zen.

Weitere Informationen

Möch­ten Sie mehr zu den The­men erfah­ren? Dann emp­feh­len wir Ihnen die Auf­zeich­nung des Events, die Sie hier anse­hen kön­nen. Wenn Sie mit wei­te­ren Expert*innen über die The­men dis­ku­tie­ren wol­len, die Sie bewe­gen, tre­ten Sie doch unse­rer Lin­kedIn-Grup­pe „Digi­tal Finan­ce Insights” bei. Wir freu­en uns auf Sie!

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