Durch die IT-Welt geistern viele Begriffe, die manchmal zwar nicht gleich klingen, aber ein und dasselbe meinen. „Integrierte Systeme“ und „PRIMEFLEX“ zum Beispiel gehören zusammen. Gernot Fels, Principal Product Marketing Manager, Fujitsu, erklärt uns in einem Interview, was hinter den einzelnen Begriffen steckt und stellt uns die PRIMEFLEX-Familie vor. Außerdem findet er eine spannende Antwort auf die Frage, warum sich die Rolle des Rechenzentrums im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung vollkommen neu definiert, welche Rolle „Integrierte Systeme“ in der Zukunft spielen, obwohl sie für Fujitsu kein Neuland sind, und wieso ein Rechenzentrum auf den zweiten Blick doch eine ganze Menge mit einem „alten“ Computerspiel-Klassiker zu tun hat. Kennen Sie es noch? Das Spiel mit den Blöcken, die einfach nicht ineinander passen wollen und am Ende das ganze System zum Absturz bringen? Fügen Sie mit uns und unserem Kollegen Gernot Fels das Puzzle zusammen.

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Hallo Herr Fels, vielen Dank dass Sie sich die Zeit für dieses Interview nehmen. Fangen wir mit einer ungewöhnlichen Frage an. Was haben ein Rechenzentrum und ein Tetris-Spiel Ihrer Meinung nach gemeinsam?

In beiden Fällen steht man vor einer ähnlichen Aufgabe: es geht darum, viele Puzzlestücke sinnvoll zusammenzubauen. Wer schon einmal ein Puzzle zusammengebaut hat, weiß wie lange es dauert, bis man die richtigen Stücke gefunden hat, die nun tatsächlich zusammenpassen. Man weiß, wie viele unnötige Versuche manchmal unternommen wurden, die alle nicht zum Ziel führten. Und wenn es darum geht, eine Rechenzentrumsinfrastruktur aufzubauen, ist die Situation eine ähnliche. 

Vor welchen Herausforderungen steht also der Kunde in der heutigen Zeit mit seinem Rechenzentrum?

Die Geschäftsbereiche fordern stets neue Services und erwarten, dass diese möglichst schnell und reibungslos von der IT-Abteilung bereitgestellt werden. Außerdem stehen immer wieder Modernisierungen an, die man ebenso schnell abwickeln möchte. In aller Regel ist aber die Einführung dieser neuen Services gleichermaßen mit der Einführung einer neuen, zusätzlichen IT-Infrastruktur verbunden. Und eine eben solche Infrastruktur gestaltet sich alles andere als einfach. Sie besteht aus physikalischen und virtuellen Server-, Speicher- und Netzwerkressourcen. Auf den Servern laufen Betriebssysteme, Applikationen und gegebenenfalls weitere Software. Man benötigt eine Management-Schicht, um dies alles unter Kontrolle zu behalten.

Beim Aufbau einer solchen Infrastruktur besteht nun die Herausforderung darin, aus einer Vielzahl von Möglichkeiten die richtige Kombination von Komponenten auszuwählen, die am Ende des Tages zu einem lauffähigen Ergebnis führt. Doch oftmals lässt das Ende des Tages lange auf sich warten. Wenn die Komponenten erst einmal ausgewählt sind, müssen sie integriert werden. Danach sind umfangreiche Tests von Nöten, um die Kompatibilität der Komponenten unter Beweis zu stellen. In aller Regel verläuft dies nicht reibungslos.

Das Ergebnis: Geplante Projektlaufzeiten werden überschritten, die benötigten Services können erst viel später bereitgestellt werden und das schlägt sich natürlich auch in den Kosten nieder.

Mit der „heutigen Zeit“ meinen wir vor allem die fortschreitende Digitalisierung – welche Risiken ergeben sich für ein Rechenzentrum, wenn alles um uns herum digital wird?

Auf Grund der fortschreitenden Digitalisierung bekommt das Rechenzentrum einen völlig neuen Stellenwert. Während in der Vergangenheit der Schwerpunkt auf Produktivitätssteigerung lag, entwickelt sich das Rechenzentrum immer mehr zu einem Motor für Innovation und zum Rückgrat für das Unternehmen, welches die entscheidende Rolle für Wachstum und Erfolg spielt. Im Umkehrschluss bedeutet dies aber auch, dass ein nicht funktionierendes Rechenzentrum zu einem spürbar beeinträchtigten Geschäftserfolg führen kann.

Um diesen Herausforderungen und Risiken zu begegnen, wurde FUJITSU Integrated System PRIMEFLEX entwickelt. Was steckt hinter diesem Begriff?

PRIMEFLEX ist der Markenname für Integrierte Systeme von Fujitsu. Unter einem integrierten System verstehen wir eine vordefinierte, vorintegrierte und vorgetestete Kombination von Komponenten, die für Rechenzentrumsinfrastrukturen erforderlich sind. Das heißt, dass fast alle der zuvor genannten Aktivitäten im Rahmen eines Rechenzentrumsprojektes entfallen können, da diese Aktivitäten bereits vor Projektstart von Fujitsu durchgeführt wurden.

Welche Vorteile ergeben sich für den Kunden daraus?

Die Vorteile für unsere Kunden liegen auf der Hand: Die Einführung neuer Infrastrukturen gestaltet sich einfacher und schneller. Die Risiken, dass man vielleicht doch noch ein blaues Wunder erlebt und etwas nicht funktioniert, sind absolut minimiert und das schlägt sich natürlich wiederum positiv auf die Kosten nieder. Und man sollte dabei nicht vergessen, dass sich all diese Aspekte positiv auf das Gemüt der IT-Verantwortlichen auswirken, deren Team sich so weitaus mehr um andere strategische und wichtige Dinge kümmern kann.

Können Sie das anhand eines konkreten Fallbeispiels einmal für uns erläutern?

Nehmen wir zum Beispiel eines unserer hyperkonvergenten PRIMEFLEX-Systeme: PRIMEFLEX for VMware EVO:RAIL. Dieses System ist bereits in weniger als fünfzehn Minuten nach dem ersten Einschalten lauffähig. Sicher können diese fünfzehn Minuten nicht generell für alle PRIMEFLEX-Systeme genannt werden. Bei anderen PRIMEFLEX-Systemen sind es vielleicht 45 Minuten oder wenige Stunden, nach denen der Betrieb beginnen kann. Wenn man dies aber mit den üblichen Projektlaufzeiten von vier bis sechs oder noch mehr Monaten vergleicht, so ist der Unterschied doch deutlich erkennbar.

Was macht eine PRIMEFLEX-Infrastruktur zu einer Besonderen? Wo liegen die Stärken des Systems?

Zunächst einmal sollte erwähnt werden, dass Integrierte Systeme für Fujitsu kein Neuland sind. Wir haben bereits im Jahre 2002 unser erstes Integriertes System ausgeliefert, also lange bevor der Begriff „Integriertes System“ im Markt bekannt wurde. Wir haben danach sukzessive unseren internen Prozess optimiert, sei es im Produktmanagement, in der Qualitätssicherung, der Produktion oder im Support.

Wir bieten ready-to-run Systeme, die bereits vorinstalliert zum Kunden ausgeliefert werden, wie auch Referenzarchitekturen, die bis zu einem gewissen Grad an spezielle Kundenbedürfnisse angepasst werden können. Bei Bedarf können Referenzarchitekturen mit oder ohne Anpassung auch vorinstalliert ausgeliefert werden. Ansonsten erleichtern die standardmäßig ausgelieferten Konfiguration- und Installationsbeschreibungen die Einführung.

In jüngster Vergangenheit machen verstärkt hyperkonvergente Systeme auf sich aufmerksam, die einen wesentlichen Schritt in Richtung software-definiertes Rechenzentrum darstellen. Die PRIMEFLEX-Familie beinhaltet bereits heute sowohl traditionelle Integrierte Systeme, wie auch hyperkonvergente Systeme, um für unterschiedliche Anwendungsfälle das Richtige zu bieten.

PRIMEFLEX-Systeme setzen sich aus Komponenten von Fujitsu und unserer Technologiepartner zusammen, sind in einer Vielzahl von Projekten, wie auch in der Fujitsu-eigenen Cloud erprobt.

Es sollte aber auch erwähnt werden, dass PRIMEFLEX durch attraktive Services über alle Phasen des Produktlebenszyklus hinweg begleitet wird: angefangen von der Beratung, über die Unterstützung bei Design und Sitzung, die Inbetriebnahme vor Ort, die Integration in die existierende Produktivumgebung, ein Lifecycle Management und eine gesamtheitliche Wartung mit einem Single Point of Contact im Problemfall. Und sollte der Kunde einen kompetenten Partner benötigen, der auch den Betrieb der Rechenzentrumsinfrastruktur übernimmt, dann ist sicher auch Fujitsu mit seinen über 150 Rechenzentren in 20 Ländern die erste Wahl. Und sollte es Budgetrestriktionen geben, so können wir mit attraktiven Finanzierungsoptionen helfen.

Welche Bereiche, die in Ihren Augen auch für die Zukunft eine bedeutende Rolle spielen, deckt die PRIMEFLEX-Familie ab?

PRIMEFLEX-Systeme wurden für die Anwendungsfälle entwickelt, für die wir entsprechenden Bedarf bei unseren Kunden identifizieren konnten. Dies sind heute vor allem SAP- und Microsoft-Umgebungen, Server- und Desktop-Virtualisierung, Private Cloud-Infrastrukturen, Lösungen für Hochverfügbarkeit und Disaster Recovery, sowie Big Data und High Performance Computing. Diese Anwendungsbereiche haben aus unserer Sicht auch das Potenzial, unseren Kunden bei der Bewältigung ihrer Herausforderungen rund um das Rechenzentrum zu helfen. Durchaus denkbar sind natürlich auch neue Anwendungsfelder.

Was brauchen Rechenzentren Ihrer Meinung nach, wenn Sie den Anforderungen der Zukunft gerecht werden möchten?

Um den Anforderungen der Zukunft gerecht zu werden, sollte vor allem der Geschäftsbezug im Zentrum der Betrachtung stehen. Und unabhängig davon, was für das Geschäft für welche Bereiche am wichtigsten ist, sind Entscheidungen zu treffen: was mache ich selbst in meinem Rechenzentrum mit welcher Technologie? Wo greife ich auf Integrierte Systeme eines Anbieters zurück, wo mache ich manches vielleicht auch noch selbst, weil meine Vorstellungen so speziell sind und ich zudem noch über die notwendigen Skills verfüge? Was lasse ich von einem Dienstleister erledigen, welche Dienste beziehe ich aus der Cloud eines Cloudanbieters und so weiter.

Wichtig ist dabei in allen Fällen, dass mir die angestrebte Lösung die Flexibilität bietet, schnell auf neue Anforderungen reagieren zu können. Oftmals wird die optimale Lösung für ein Unternehmen eine Mischform dieser Optionen, also ein hybrider Ansatz, sein.

Fujitsu unterstützt dieses Vorgehen mit seinem Business Centric Data Center Ansatz. Hierbei werden die Geschäftsziele klar in den Vordergrund gestellt und danach die vorgenannten Möglichkeiten bezüglich Technologie und Bezugsweg abgewogen, um das Kerngeschäft bestmöglich zu unterstützen beziehungsweise im Idealfall sogar entscheidend zu stärken. Das eigene Rechenzentrum kann den Unterschied zum Mitbewerb ausmachen, und dieses Bewusstsein setzt sich immer mehr durch. Das wird von vielen Kunden bereits seit Jahren verfolgt, wurde aber oftmals noch nicht komplett umgesetzt. Fujitsu hilft natürlich gerne dabei.

Wagen wir eine kleine Prognose – auf welche Veränderungen dürfen wir uns in der PRIMEFLEX-Familie noch freuen?

Eines ist sicher: die PRIMEFLEX-Familie in ihrer heutigen Zusammensetzung ist nicht in Stein gemeißelt. Es werden neue Angebote hinzukommen. Ein offenes Geheimnis ist die Entwicklung von PRIMEFLEX for VMware EVO:RACK, ein hyper-konvergentes Angebot für Private Cloud Infrastrukturen, das die mit PRIMEFLEX for VMware EVO:RAIL begonnene Reise fortsetzt. Sicher wird es auch in innovativen Themenfeldern wie Big Data den einen oder anderen Zuwachs geben. Mehr möchte ich hierzu allerdings noch nicht verraten. Ein wenig Spannung sollte schließlich noch bleiben. 

Herr Fels, vielen Dank für dieses Interview!



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