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„Regelmäßiger Austausch ist das A und O”: Vereinbarkeit von Familie und Beruf – aus der Sicht einer Führungskraft

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

In bis­her zwei Bei­trä­gen haben wir uns mit der Eltern­zeit beschäf­tigt und egal, aus wel­cher Per­spek­ti­ve wir die­se wert­vol­le Zeit betrach­ten – um Fami­lie und Beruf erfolg­reich auf einen Nen­ner zu brin­gen, müs­sen alle Betei­lig­ten an einem Strang zie­hen. Auch und vor allem die zustän­di­ge Füh­rungs­kraft. Micha­el beschäf­tigt ins­ge­samt 19 Mit­ar­bei­ter, sechs arbei­ten in Teil­zeit und fünf davon sind jun­ge Müt­ter. Die Wochen­stun­den­zahl der Teil­zeit­mit­ar­bei­te­rin­nen liegt zwi­schen 12 oder 25 Stun­den pro Woche. Wir haben mit Micha­el über sei­ne Erfah­run­gen gespro­chen. Wir haben ihn gefragt, mit wel­chen Her­aus­for­de­run­gen er kon­fron­tiert wird und was er ande­ren Füh­rungs­kräf­ten rät.

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Hal­lo Micha­el, dan­ke dass Du Dir Zeit für uns nimmst. Wie mana­gest Du Dein Team?

Sie kön­nen es sich fast wie eine Art Job­sha­ring vor­stel­len. Wir haben die Auf­ga­ben im Team so auf­ge­teilt, dass unse­re Teil­zeit­mit­ar­bei­ter Auf­ga­ben über­neh­men, die sich gut in Teil­zeit bewäl­ti­gen oder auf­tei­len las­sen. Sie arbei­ten an drei bis vier Tagen die ver­ein­bar­te Stun­den­zahl. Bei die­sem „Job­sha­ring” ver­su­che ich als Füh­rungs­kraft immer die Dring­lich­keit im Auge zu behal­ten. Die Teil­zeit­kol­le­gin­nen über­neh­men Auf­ga­ben, die nicht so tages­ak­tu­ell aus­ge­führt wer­den müs­sen. Dabei soll kei­ne Wer­tig­keit ent­ste­hen – es gibt ein­fach Auf­ga­ben, die bes­ser in Voll­zeit aus­ge­führt wer­den und dank die­ser Auf­tei­lung kann ich sicher stel­len, dass sich mei­ne Mit­ar­bei­te­rin­nen kei­nen Stress machen, egal in wel­chem Stun­den­mo­dell und alle leis­ten einen gleich wert­vol­len Beitrag. 

Wäre das auch Dei­ne Emp­feh­lung für ande­re Führungskräfte?

Ja, unbe­dingt. Die Teil­zeit­kol­le­gen sol­len auf gar kei­nen Fall in eine „Druck­si­tua­ti­on” kom­men. Sie haben Auf­ga­ben, die sich nicht nur men­gen­mä­ßig in Teil­zeit bewäl­ti­gen las­sen, son­dern auch zeit­mä­ßig. So ver­mei­den wir, dass Unzu­frie­den­heit durch Über­for­de­rung entsteht. 
Nicht zu unter­schät­zen ist zumin­dest in mei­nem Bereich auch der sinn­vol­le Ein­satz von Tools. Außer­dem haben wir natür­lich alle Pro­zes­se noch ein­mal genau unter die Lupe genom­men und über­prüft, was wie ver­än­dert wer­den kann, damit die Auf­ga­ben im Team gut ver­teilt wer­den können. 
Am Ende konn­ten wir die Auf­ga­ben so auf­tei­len, dass nun alle die Emp­fin­dung haben ihren per­sön­li­chen und vor allem einen gleich wich­ti­gen Bei­trag im Team zu leis­ten – unab­hän­gig von der Stun­den­zahl, die gear­bei­tet wird. Das ist in mei­nen Augen wich­tig, weil nur ein Mit­ar­bei­ter, der einen wert­vol­len Bei­trag leis­tet ist auch ein zufrie­de­ner Mitarbeiter. 

Hast Du sonst noch einen Rat?

Regel­mä­ßi­ger und offe­ner Aus­tausch mit den Mit­ar­bei­tern ist in mei­nen Augen das A und O. Das ver­su­che ich bei allen Belas­tun­gen des All­tags immer zu beher­zi­gen und es zahlt sich aus. So kön­nen bei­spiels­wei­se Teil­zeit­mit­ar­bei­te­rin­nen auch mal spon­tan Tage tau­schen. Und ich weiß, ob das Arbeits­pen­sum mach­bar ist, oder ob Auf­ga­ben umver­teilt wer­den müs­sen. Je bes­ser und enger ich als Füh­rungs­kraft mit mei­nen Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­tern im Aus­tausch bin, umso bes­ser ist mei­ne Ein­schät­zung der Situation.

War der Kita-Streik bei Euch im Team ein Thema?

Ja, zwei Kol­le­gin­nen waren akut betrof­fen. Durch Home Office und fle­xi­ble Arbeits­zei­ten war die­se Pha­se aber über­brück­bar. Wich­tig ist dabei aber vor allem, dass es kla­re Regeln gibt und es am Ende nicht zu Mehr­ar­beit führt. Das ist in so einer Situa­ti­on ja wirk­lich nicht der Sinn der Sache. Grund­sätz­lich kann ich aber fest­stel­len, dass eini­ge der Kol­le­gen, die in Teil­zeit tätig sind, oft sogar sehr ger­ne mehr arbei­ten wür­den, aber das Com­mitt­ment zu einer höhe­ren Stun­den­zahl scheu­en. Vor allem unser Home Office Ange­bot und die fle­xi­blen Arbeits­zei­ten erleich­tern gera­de Müt­tern die Ver­ein­bar­keit von Fami­lie und Beruf in die­sem Punkt erheb­lich. Solan­ge die Ver­trau­ens­grund­la­ge stimmt, ist das wirk­lich eine gute Hilfe.

Vie­len Dank für die­ses Interview!

Im nächs­ten Bei­trag beschäf­ti­gen wir uns mit einem sen­si­blen The­ma und spre­chen über die Ver­ein­bar­keit von Pfle­ge und Beruf. Oft gestal­tet sich der All­tag für Betrof­fe­ne ohne­hin schon hart und lässt sich auf den ers­ten Blick kaum mit einer wei­te­ren Beschäf­ti­gung ver­ein­ba­ren. Pfle­ge kos­tet Kraft und dar­über zu spre­chen, erst Recht. Dank des demo­gra­phi­schen Wan­dels kann es jeden von uns tref­fen und zwei Kol­le­gen haben den Mut gefun­den, ihre Erfah­run­gen mit uns zu tei­len. Dafür möch­ten wir uns bereits an die­ser Stel­le herz­lich bedanken.

Fol­gen­de Bei­trä­ge sind bis­her in der Serie „Ver­ein­bar­keit von Fami­lie und Beruf” erschienen:

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