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Voneinander lernen als Mehrwert der Vielfalt: Interview mit Britta Laatzen

Voneinander lernen als Mehrwert der Vielfalt: Interview mit Britta Laatzen
Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten

Im mitt­ler­wei­le vier­ten Teil unse­rer klei­nen Serie wol­len wir Ihnen heu­te Brit­ta Laat­zen, Seni­or Pro­ject Mana­ger bei Fuji­tsu, vor­stel­len. Wir haben mit ihr dar­über gespro­chen, wie Ihr Weg in die IT aus­sah, was ihr bei ihrer Arbeit am meis­ten Spaß macht – und war­um sie es wich­tig fin­det, immer wie­der von­ein­an­der zu lernen.

Alle Inter­views unse­rer Serie fin­den Sie übri­gens unter dem Schlag­wort „Role­mo­del”.

Hallo Britta. Wir kennen uns ja vom Ada Lovelace Day im Fujitsu Office in Frankfurt 2017. Für dieses Event laden wir immer Frauen in technischen Rollen ein, um das Netzwerk zu stärken und den Austausch zu fördern. Leider ist die Gruppe in der Regel eher überschaubar – der viel beschworene Mangel an Frauen in der IT macht sich hier wohl besonders bemerkbar…

Es stimmt schon: was die Anzahl der Teil­neh­me­rin­nen betrifft, ist das ein eher klei­nes Event. Aber dafür sind die, die da sind, umso enga­gier­ter und es ist immer eine span­nen­de Veranstaltung.

Letz­tes Jahr habe ich dort übri­gens selbst einen Bei­trag gestal­tet. Wir haben ein Koope­ra­ti­ons­pro­jekt zwei­er Län­der in der IT der öffent­li­chen Ver­wal­tung vor­ge­stellt und im Zuge des­sen mit der Grup­pe dis­ku­tiert, wel­che Skills Lead Solu­ti­on IT-Architekt*innen aus unse­rer Sicht eigent­lich brau­chen, mit wirk­lich inter­es­san­ten Ergeb­nis­sen. Und am Ende kommt es vor allem dar­auf an und nicht auf die Men­ge der Teilnehmerinnen.

War die IT Dein erklärtes Ziel?

Ich moch­te es schon immer zu rech­nen, das war immer „meins”. Ich habe dann Tech­ni­sche Infor­ma­tik stu­diert. Da lag damals der Frau­en­an­teil bei rund 40%, also gar nicht so nied­rig. Wohl­ge­fühlt habe ich mich in der eher män­ner­do­mi­nier­ten Umge­bung immer. Da ich mich dort auch nie benach­tei­ligt gefühlt habe, war alles ganz nor­mal und natürlich.

Nach dem Stu­di­um habe ich in ver­schie­de­nen Unter­neh­men gear­bei­tet, immer in der Infor­ma­tik. Aber Pro­gram­mie­ren war nicht so meins. Ent­schei­dend geprägt haben mich dann die Jah­re bei einem Ham­bur­ger Maschi­nen­bau-Unter­neh­men. In unse­rem Team haben wir eine kom­ple­xe UNIX-Infra­struk­tur auf­ge­baut und anschlie­ßend auch vie­le Jah­re den IT-Betrieb orga­ni­siert. Die Erfah­rung hat mich geer­det. Dar­aus zie­he ich noch heu­te viel für mei­ne Bera­tung. Das klei­ne Team, das ich bei dem Maschi­nen­bau­er hat­te, war in dem Moment gut und inter­es­sant. Mitt­ler­wei­le ist es für mich aller­dings erfül­len­der, in die Rol­le als Pro­jekt­lei­te­rin oder Chan­ge Mana­ge­rin zu schlüp­fen und Teams und Men­schen zu leiten.

Wie lange bist Du jetzt bei Fujitsu?

Bei Fuji­tsu bin ich nun schon seit 12 Jah­ren, die längs­te Zeit davon im stra­te­gi­schen IT-Con­sul­ting. Der Start war nicht ganz ein­fach, weil ich vor­her eine ande­re Art der Kom­mu­ni­ka­ti­on kann­te. Ich kam von einem ame­ri­ka­ni­schen Unter­neh­men mit fla­cher Hier­ar­chie. Außer­dem gab es damals bei Fuji­tsu in Deutsch­land kaum Com­mu­nities – oder ich habe sie nicht wahr­ge­nom­men, weil sie nur wenig prä­sent waren. Dafür wird mitt­ler­wei­le an der Stel­le wirk­lich rich­tig Gas gegeben.

Ein ech­tes High­light war für mich vor drei Jah­ren die Auf­nah­me in den Kreis der Fuji­tsu Dis­tin­guis­hed Engi­neers (FDE). Das ist eine Aner­ken­nung mei­nes Tuns, mei­ner tech­ni­schen Kar­rie­re. Wir machen als Com­mu­ni­ty so coo­le Sachen und haben tol­le Mög­lich­kei­ten zur Ver­net­zung. Und da ich sehr ger­ne tei­le, bin ich dort eben­falls gut auf­ge­ho­ben – bei den FDE gibt es eine rich­ti­ge Kul­tur des Tei­lens. Der Aus­tausch mit­ein­an­der und das Tei­len von Wis­sen ist für mich ein wich­ti­ges Thema.

Mit dem Titel eines Fuji­tsu Dis­tin­guis­hed Engi­neers wer­den Mitarbeiter*innen aus­ge­zeich­net, die kon­ti­nu­ier­lich her­aus­ra­gen­de Leis­tun­gen über alle Aspek­te Ihrer tech­ni­schen Auf­ga­be hin­weg zei­gen. Neben tech­ni­scher Exper­ti­se, wer­den hier Krea­ti­vi­tät und Inno­va­ti­on, aber auch die Vor­bild­funk­ti­on der Mitarbeiter*innen gewür­digt. Mehr zu den Fuji­tsu Dis­tin­guis­hed Engi­neers fin­den Sie in unse­rem Bei­trag zur FDE Kon­fe­renz 2019 sowie in einem Arti­kel in unse­rem eng­lisch­spra­chi­gen Blog.

 

Was macht Dir an Deiner Arbeit am meisten Spaß?

Ganz ein­fach: Kund*innen in stra­te­gi­schen IT-Fra­gen zu bera­ten. Das ist für mich krea­tiv und erfül­lend. Natür­lich machen mir nicht alle Pro­jek­te gleich viel Spaß – wenn ich das erzäh­len wür­de, wür­de mir das wohl auch kei­ner glau­ben. Aber ganz vie­le sind ein­fach rich­tig spit­ze. Ich fin­de es am span­nends­ten, wenn noch eine ande­re Kom­po­nen­te dazu kommt: wenn es men­schelt und es auch dar­um geht zu eru­ie­ren, wie bei Kund*innen die ein­zel­nen Sta­ke­hol­der zusam­men­spie­len oder ob sich da Fron­ten auf­tun. Ich ver­mit­te­le dann ger­ne und behal­te die unter­schied­li­chen Inter­es­sen im Blick. Am Ende muss eine gute Lösung für alle ste­hen. Weil ich als struk­tu­riert und gleich­zei­tig sozi­al kom­pe­tent ein­ge­schätzt wer­de, über­neh­me ich oft die Auf­ga­be der Mediatorin.

Am meis­ten gehe ich aber in mei­ner Arbeit auf, wenn ich Abwechs­lung und ganz unter­schied­li­che Auf­ga­ben habe. Mal ein Kun­den­pro­jekt, danach ein For­schungs­pro­jekt, anschlie­ßend ein wenig FDE-Arbeit, Men­to­ring und schließ­lich noch ein Ver­än­de­rungs­pro­jekt – dann bin ich glück­lich. Und das ist es, was mir bei Fuji­tsu so gut gefällt. Ich kann selbst­be­stimmt arbei­ten, dabei sel­ber wach­sen und gleich­zei­tig ande­re befä­hi­gen. Das macht mich zufrie­den. Was mir bei mei­nem Start vor 12 Jah­ren auch gleich auf­ge­fal­len ist: Wir den­ken nicht so sehr in Quar­ta­len wie vie­le ande­re Unter­neh­men. Wir hal­ten es auch mal aus, wenn Kund*innen eine Wei­le mit den vor­han­de­nen Lösun­gen glück­lich sind und kei­ne neu­en benö­ti­gen. Und wer das mal anders ken­nen­ge­lernt hat, weiß die­se Ent­spannt­heit wirk­lich zu schätzen.

Im Gro­ßen und Gan­zen kann man sagen: Mir ist die Abwechs­lung wich­tig, aber ich fin­de auch eine über­grei­fen­de Zusam­men­ar­beit erfül­lend, zum Bei­spiel zwi­schen Her­stel­lern und Wis­sen­schaft / For­schung, öffent­li­chen Ein­rich­tun­gen usw. Da ent­ste­hen tol­le Din­ge, weil sich die ver­schie­de­nen Per­spek­ti­ven wun­der­bar ergän­zen – manch­mal durch­aus kon­tro­vers, aber immer gewinnbringend.

Unterschiedliche Perspektiven die sich ergänzen – ist das nicht auch der Mehrwert von Vielfalt?

Ja, das kann man so sagen. Da geht es dann aber natür­lich noch ein biss­chen tie­fer, was die unter­schied­li­chen Per­spek­ti­ven betrifft. Aber ich bin wirk­lich davon über­zeugt, dass durch das Zusam­men­brin­gen unter­schied­li­cher Per­spek­ti­ven etwas sehr wert­vol­les Neu­es ent­ste­hen kann – wenn man das Kon­tro­ver­se zulässt und gut mode­riert. Man muss auch das berei­chern­de am Pro­zess sehen und nicht nur auf die direkt sicht­ba­ren Schwie­rig­kei­ten und Her­aus­for­de­run­gen fokus­siert sein.

Ins­ge­samt liegt mir das The­ma sehr am Her­zen und ist einer der Grün­de, war­um ich unser E‑Mentoring Future Me unter­stüt­ze und auch sonst jede Gele­gen­heit ergrei­fe, das gegen­sei­ti­ge „von­ein­an­der ler­nen” z. B. von Jün­ge­ren und Älte­ren zu för­dern. Ich war im letz­ten Jahr auch schon Men­to­rin und habe dar­aus so viel Power und Ener­gie zie­hen kön­nen. Mei­ne Men­tee hat so viel fri­schen Wind her­ein­ge­bracht, das war fan­tas­tisch. Davon zeh­re ich heu­te noch!

Mein abso­lu­ter Traum wäre es, mein pri­va­tes Ziel – Frau­en und Mäd­chen zu unter­stüt­zen – noch stär­ker mit dem Beruf­li­chen zu ver­bin­den. Aktu­ell arbei­te ich mit mei­nem Kol­le­gen Wer­ner Roth an einer Pod­cast-Rei­he zu die­sem The­ma. Ich bin wirk­lich gespannt, was dar­aus wird. Außer­dem betreue ich zusam­men mit mei­nem Mann an zwei Tagen in der Woche das Kind einer allein­er­zie­hen­den Mut­ter. Wir haben kei­ne eige­nen Kin­der, da ich das Gefühl hat­te, Job und Kin­dern nicht so glei­cher­ma­ßen gerecht wer­den zu kön­nen, wie ich es woll­te. Aber so ist das jetzt auch eine wun­der­ba­re Erfahrung.

Gibt es etwas im Job, was Du nicht so gerne magst?

Ja klar. Mei­ne „Schwä­che” ist es, mit­rei­ßend drauf los zu reden. Also so ins Blaue hin­ein. Ich füh­le mich dabei aber nicht so sehr als „Enter­tai­ne­rin”, wie ich es ger­ne wür­de. Manch­mal hät­te ich ger­ne ein klei­nes PR-Männ­chen auf der Schul­ter, das mir im rich­ti­gen Moment die rich­ti­gen Wor­te ein­flüs­tert. Das wäre toll.

Das brauchst Du nicht liebe Britta, ich fand es ein wunderbares Gespräch – ganz ohne Einflüsterer. Vielen Dank!

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