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Fujitsu World Tour: Eine Reise zwischen Entsetzen und Neugier – die Welt der Cyborgs

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Wie digi­tal sind wir eigent­lich und wie digi­tal möch­ten wir wirk­lich sein? Mit die­ser Fra­ge eröff­ne­te Dr. Patrick Kra­mer, Geschäfts­füh­rer Digi­well, sei­ne Key­note. Dahin­ter steckt weit mehr, als es auf den ers­ten Blick scheint. Es geht nicht um Robo­ter oder inno­va­ti­ve Maschi­nen, son­dern um Cyborgs. Damit geht es um ein bri­san­tes The­ma, denn noch immer ken­nen wir die Welt der Cyborgs vor allem aus Hol­ly­wood. Mit unse­rer Rei­se zwi­schen Ent­set­zen und Neu­gier kom­men wir der Fik­ti­on jedoch weit näher, als gedacht. Die­se Key­note der Fuji­tsu World Tour ging im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes unter die Haut. 

Hinter einem Cyborg steckt ein technisch ergänzter Mensch und kein Mutant

CyborgsBereits 1974 bedien­te sich das Sci­ence-Fic­tion Gen­re aus der Welt der Cyborgs. Mit „The Six Mil­li­on Dol­lar Man” kam Mit­te der Sieb­zi­ger die ers­te halb Mensch halb Maschi­ne Genera­ti­on in Form einer Serie ins Fern­se­hen – mit durch­schla­gen­dem Erfolg. Astro­naut und Test­pi­lot Colo­nel Ste­ve Aus­tin erhielt in einer sechs Mil­lio­nen Dol­lar Ope­ra­ti­on ein bio­ni­sches Auge, einen Arm und ein Bein. Der Colo­nel mutiert damit zum Hel­den. Die­sem Mus­ter folg­ten vie­le ande­re Film- und Fern­seh­grö­ßen und die Welt der Cyborgs rückt damit in die rei­ne Fiktion.

Tat­säch­lich haben die Lein­wand­hel­den mit den Kun­den von Dr. Patrick Kra­mer wenig gemein­sam. Als neu gilt der Begriff beim genaue­ren Hin­se­hen ohne­hin nicht, denn hin­ter einem Cyborg steckt im Grun­de genom­men nichts ande­res als ein „tech­nisch ergänz­ter” Mensch. Jeder der einen Herz­schritt­ma­cher oder eine künst­li­che Hüf­te trägt, kann sich nach die­ser Defi­ni­ti­on dazu zäh­len. Nur sehen wir einen sol­chen Men­schen nicht als Cyborg. Hin­ter­grund für die künst­li­che Unter­stüt­zung bleibt in vie­len Fäl­len die medi­zi­ni­sche Not­wen­dig­keit. Genau dar­auf jedoch möch­ten man­che nach Dr. Patrick Kra­mer nicht warten.

Intellligente Implantate ermöglichen Vieles – es bleibt die Frage der Ethik

Die Fra­ge nach dem War­um führt uns zurück zu unse­rer ein­gangs gestell­ten Fra­ge und mit­ten in die Sche­re zwi­schen Ent­set­zen und Neu­gier: wie digi­tal möch­ten wir sein? War­um kön­nen wir unse­ren gesun­den Kör­per nicht „upgraden”? Etwa 50.000 Men­schen haben sich die­se Fra­ge eben­falls gestellt und tra­gen bereits ein intel­li­gen­tes Implan­tat. Gera­de ein­mal so groß wie ein Reis­korn ermög­li­chen die unsicht­ba­ren Hel­fer vie­les. Zum Bei­spiel schen­ken Sie unse­rem Kör­per einen sechs­ten Sinn, wie ein Kom­pass beginnt ein sol­ches Implan­tat zum Bei­spiel zu vibrie­ren, wenn wir uns nach Nor­den dre­hen. Oder wir tra­gen in unse­re Fin­ger­kup­pe einen Magne­ten. Oder einen Vibra­tor im männ­li­chen Geschlechtsteil.

CyborgsAm popu­lärs­ten blei­ben jedoch die Mikro­chip-Implan­ta­te. Sie erset­zen den Haus­tür­schlüs­sel oder die Fit­nes­s­card. Wie Dr. Patrick Kra­mer fest­stellt, gehen wir ohne die­se drei Din­ge nicht aus dem Haus: Han­dy, Schlüs­sel und Geld. Genau hier kann ein Body-Upgrade hel­fen. Social Media Pro­fi­le, die Ein­kaufs­lis­te, Pass­wör­ter, Kar­ten oder Flug­ti­ckets – auf einen Chip der mit RFID-Tech­no­lo­gie arbei­tet, passt Eini­ges. Dr. Patrick Kra­mer zum Bei­spiel trägt sein Ehe­ge­lüb­de unter der Haut und einen Haus­tür­schlüs­sel besitzt er eben­falls nicht. Wäh­rend der Key­note zeigt er ein Bild von sei­nem vier­jäh­ri­gen Sohn. Trägt er ein Implantat?

Einmal mehr geraten wir in die Schere zwischen Entsetzen und Neugier

Nach­ah­men kann er die Bewe­gun­gen der Eltern schon, aller­dings gera­ten wir spä­tes­tens bei die­ser Fra­ge in einen ethi­schen Kon­flikt. Kramers Sohn trägt kein Implan­tat, aber wenn wir uns anschau­en, wo die Rei­se hin­geht bleibt die Fra­ge der Ethik bestehen. Wir gera­ten wie­der in die Sche­re zwi­schen Ent­set­zen und Neu­gier. Was bedeu­tet ein Kör­per-Upgrade in 20 Jah­ren? Was wäre, wenn wir direkt an das kom­ple­xes­te Organ des Men­schen gehen könn­ten? Zum Bei­spiel Erfah­run­gen spei­chern könn­ten, um sie an ande­re per Implan­tat zu über­tra­gen? Tat­säch­lich gelang die­ser Schritt bereits und auch Dr. Patrick Kra­mer staunt immer wie­der dar­über, wie schnell ihn die Rea­li­tät über­holt. Trotz der klei­nen „Baby­schrit­te”, die wir in die­sem Bereich machen müssen.

CyborgsEin Implan­tat kann man nicht mal eben zurück­schi­cken. Den­noch kom­men wir weit. Tat­säch­lich konn­ten die Erfah­run­gen eines ver­sier­ten Pilo­ten mit lang­jäh­ri­ger Berufs­er­fah­rung bereits an Aus­zu­bil­den­de wei­ter­ge­ge­ben wer­den. Das Gehirn wan­dert in die Cloud. Heu­te eröff­net uns das Inter­net der Din­ge ste­tig neue Mög­lich­kei­ten. In 20 Jah­ren über­nimmt der Mensch selbst die­sen Part – als Cyborg. Der Mensch als Bestand­teil des Inter­nets – eine bedroh­li­che oder span­nen­de Aus­sicht? Einer Umfra­ge nach zei­gen sich 70 Pro­zent aller Teen­ager offen für Implantate.

Für eine Generation ein Anreiz – für die Anderen eine bedrohliche Zukunft

CyborgsEin erstaun­li­ches Ergeb­nis, fin­det Dr. Patrick Kra­mer, denn eigent­lich sagt er, sei­en die Teens zwi­schen 15 und 18 Jah­ren satt an digi­ta­ler Erfah­rung. Wie lässt sich das über­haupt noch stei­gern? Ein­mal mehr gera­ten wir an die­ser Stel­le an die Gren­zen des­sen, was Men­schen akzep­tie­ren. Jedoch in einem zeigt sich Kra­mer sicher – die­se Genera­ti­on kommt. Emo­tio­nen tei­len wir täg­lich, über sozia­le Netz­wer­ke. Aller­dings könn­te der Mensch als Bestand­teil des Inter­nets sie direkt tei­len, indem er sich mit einem ande­ren Gehirn ver­netzt. Was, wenn wir dazu nur eine Kap­sel schlu­cken müssten?

Wir müss­ten dazu nicht mehr online gehen. Noch gehört ein sol­ches Sze­na­rio tat­säch­lich nach Hol­ly­wood. Aller­dings kann sich Dr. Patrick Kra­mer die­se Ent­wick­lung vor­stel­len. Eben­so spricht der Stand der For­schung dafür, dass der Mensch als Best­an­teil des Inter­nets bald der Rea­li­tät ange­hört. Für die Teen­ager eine span­nen­de Erfah­rung mit einem gewis­sen Reiz. Für vie­le ande­re jedoch auch eine bedroh­li­che Zukunft. Die Welt der Cyborgs bleibt eine Welt, die zwi­schen Neu­gier und blan­kem Ent­set­zen steht.

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