close

Noch ein Stück aber ein gangbarer Weg zur Industrie 4.0 – Interview mit Frank Zedler

Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten

Eine gan­ze Flut von Trends ver­än­dert der­zeit den Markt. Wor­te wie Digi­ta­li­sie­rung, Indus­trie 4.0, Smart Cities und Big Data tum­meln sich in den Medi­en. Aber was genau steckt eigent­lich hin­ter die­sen Begrif­fen und womit bekom­men Unter­neh­men es zu tun, wenn sie über den Schritt in eine digi­ta­le Welt spre­chen? Fest steht: unse­re Welt ver­än­dert sich, aber in wel­che Rich­tung? Wir spra­chen mit Frank Zed­ler, Princi­pal Con­sul­tant, Fuji­tsu, über einen gro­ßen Trend der digi­ta­len Zeit. In die­sem Inter­view ver­rät er uns, was genau hin­ter Indus­trie 4.0 steckt, auf was sich Unter­neh­men ein­stel­len müs­sen und wie wir den Sprung in ein neu­es Zeit­al­ter schaf­fen kön­nen. Alle Facet­ten der Indus­trie 4.0 beleuch­ten wir auch in unse­rem Indus­trie 4.0 Com­pe­tence Cen­ter – wir beglei­ten Sie gern auf dem Weg zu einer Smart Fac­to­ry.


Guten Tag Herr Zed­ler, vie­len Dank, dass Sie sich Zeit für die­ses Inter­view neh­men. Wir spre­chen heu­te über Indus­trie 4.0 – ein viel­ge­nann­ter Begriff, aber was steckt dahin­ter?

Industrie 4.0Rein for­mell betrach­tet han­delt es sich bei Indus­trie 4.0 um einen Begriff, der auf die For­schungs­uni­on der deut­schen Bun­des­re­gie­rung und ein gleich­na­mi­ges Pro­jekt in der High­tech-Stra­te­gie der Bun­des­re­gie­rung zurück­geht. Inhalt­lich geht es um die digi­ta­le Ver­net­zung von Pro­duk­ti­ons- und IT-Sys­te­men: Men­schen, Maschi­nen, Logis­tik, Pro­duk­te etc. kom­mu­ni­zie­ren mit­ein­an­der, um die gan­ze Wert­schöp­fungs­ket­te – hori­zon­tal und ver­ti­kal – zu opti­mie­ren.

In wel­che Bezie­hung wür­den Sie Indus­trie 4.0 und die Digi­ta­li­sie­rung set­zen?

Digi­ta­li­sie­rung ist die Vor­aus­set­zung für Indus­trie 4.o. Bei der digi­ta­len Trans­for­ma­ti­on geht es einer­seits dar­um, ana­lo­ge Infor­ma­tio­nen in eine Spei­cher­form zu über­füh­ren und somit Auf­ga­ben vom Men­schen zum Com­pu­ter zu über­tra­gen. Ande­rer­seits sind durch die Digi­ta­li­sie­rung völ­lig neue Geschäfts­mo­del­le mög­lich, die ohne digi­ta­le Tech­no­lo­gien nicht denk­bar wären, zum Bei­spiel Uber oder Airbnb.

Für die Indus­trie 4.0 sind bei­de Inter­pre­ta­tio­nen von Bedeu­tung: Durch die Digi­ta­li­sie­rung von Infor­ma­tio­nen wird die auto­ma­ti­sier­te Pro­duk­ti­on über­haupt erst ermög­licht und auch neue Geschäfts­mo­del­le sind denk­bar. Als Maschi­nen­pro­du­zent könn­te ich mir bei­spiels­wei­se über­le­gen, ob mit dem Ver­kauf der Maschi­ne an den Kun­den die Trans­ak­ti­on abge­schlos­sen sein muss – oder ob ich noch wei­te­re Ser­vices anbie­ten möch­te. Zum Bei­spiel War­tungs­ser­vices auf Basis der tat­säch­li­chen Maschi­nen­leis­tung.

Industrie 4.0 als eine Ausprägung des Internets der Dinge

Wel­che Rol­le spielt das Inter­net der Din­ge dabei?

Industrie 4.0Das Inter­net der Din­ge (Inter­net of Things oder IoT) bezeich­net die Ver­knüp­fung ein­deu­tig iden­ti­fi­zier­ba­rer phy­si­scher Objek­te – things – mit einem vir­tu­el­len Abbild in einer Inter­net-ähn­li­chen Struk­tur. Es besteht also nicht nur aus Men­schen, son­dern auch aus Din­gen. Es ist sozu­sa­gen ein sehr wei­tes Kon­zept, das sowohl den Kon­su­men­ten als auch den Unter­neh­mens­be­reich umfasst. Indus­trie 4.0 – oft auch als Indus­tri­al Inter­net of Things bezeich­net – ist folg­lich die Aus­prä­gung von IoT, die sich auf unter­neh­me­ri­sche Pro­duk­ti­ons­pro­zes­se bezieht. Durch die Anwen­dung von IoT-Tech­no­lo­gien, wie zum Bei­spiel ein­ge­bau­te RFID-Tags und Sen­so­ren, die im Rah­men des Pro­duk­ti­ons­pro­zes­ses die RFID-Tags aus­le­sen, ist es jeder­zeit mög­lich, das Pro­dukt zu loka­li­sie­ren und den Pro­duk­ti­ons­pro­zess zu über­wa­chen. 

Als Bei­spiel für die Über­wa­chung des Pro­duk­ti­ons­pro­zes­ses möch­te ich einen Auto­mo­bil­her­stel­ler nen­nen, der sei­ne sicher­heits­kri­ti­sche Ver­schrau­bung über ein Daten­netz über­wacht. Die ein­zel­nen indus­tri­el­len Schrau­ber sind ver­netzt und lie­fern in Echt­zeit Daten über Dreh­mo­ment und Dreh­win­kel­ver­lauf der Schraub­vor­gän­ge an die Soft­ware. Somit kön­nen sys­te­ma­ti­sche Feh­ler im Her­stel­lungs­pro­zess iden­ti­fi­ziert, Ten­den­zen erkannt und Feh­ler­ur­sa­chen ein­ge­grenzt wer­den.

Viele Herausforderungen, verschiedene Ansätze – vieles muss zusammenwachsen

Wel­che Her­aus­for­de­run­gen bringt die Indus­trie 4.0 mit sich – auf was müs­sen sich Unter­neh­men ein­stel­len?

Unter­neh­men, die über Indus­trie 4.0 nach­den­ken, ste­hen meist vor fol­gen­den Her­aus­for­de­run­gen:

Eine Ver­schmel­zung bis­her getrenn­ter Wel­ten
Industrie 4.0In den meis­ten Unter­neh­men gibt es Daten­si­los auf­grund der Tren­nung zwi­schen IT-Sys­te­men wie klas­si­schen ERP-Sys­te­men und Pro­duk­ti­ons­sys­te­men. Die­se müs­sen inte­griert wer­den, um über­grei­fen­de Ana­ly­sen zu ermög­li­chen. Eine wei­te­re Fra­ge ist, wer zukünf­tig für die­se „inte­grier­te Welt” ver­ant­wort­lich sein wird. Ver­schie­de­ne Unter­neh­mens­be­rei­che, die bis­her für Ihre eige­nen Sys­te­me und Daten ver­ant­wort­lich waren, wer­den zukünf­tig von einem zen­tra­len Bereich aus gelei­tet. Das hat Kon­se­quen­zen für das Bud­get, das Per­so­nal und so wei­ter.

Feh­len­de Stan­dar­di­sie­rung
Bis­her ver­fü­gen die meis­ten Pro­duk­ti­ons­sys­te­me über eige­ne, oft­mals geschlos­se­ne Soft­ware­ar­chi­tek­tu­ren und Schnitt­stel­len. Daher ist eine Stan­dar­di­sie­rung sehr auf­wän­dig. Wir müs­sen uns daher auf Bran­chen­stan­dards ver­stän­di­gen. 

Sicher­heit – Safe­ty & Secu­ri­ty – bei­des zählt
Sicher­heits­aspek­te müs­sen beim Design von Pro­duk­ti­ons­an­la­gen berück­sich­tigt wer­den. Einer­seits bezieht sich das auf die Sta­bi­li­tät der Sys­te­me und Pro­zes­se (Safe­ty), ande­rer­seits auf die Sicher­heit der Daten und das Gefähr­dungs­po­ten­ti­al durch Angrif­fe von außen (Secu­ri­ty). Bis­her wur­den Pro­duk­ti­ons­an­la­gen pri­mär auf Anfor­de­run­gen von Sta­bi­li­tät und Robust­heit hin ent­wi­ckelt. Zukünf­tig müs­sen die Sys­te­me auch gegen Angrif­fe von außen gesi­chert wer­den. 

Kom­pe­ten­zen der Mit­ar­bei­ter – Wis­sen geht über die rei­ne Bedie­nung der Maschi­ne hin­aus
Auf­ga­ben von Pro­duk­ti­ons- und so genann­ten „Wis­sens­ar­bei­tern” wach­sen künf­tig zusam­men. Mit­ar­bei­ter aus der Pro­duk­ti­on, die bis­her ope­ra­tiv tätig waren wie zum Bei­spiel Maschi­nen­füh­rer wer­den in Zukunft mehr Pro­zess-Know-How haben müs­sen. Dar­über hin­aus wird die rei­ne Bedie­nung der Maschi­ne – gera­de vor dem Hin­ter­grund des ver­mehr­ten Robo­ter­ein­sat­zes – immer sub­sti­tu­ier­ba­rer wer­den. Pro­duk­ti­ons­mit­ar­bei­ter müs­sen zu „Orches­trie­rern des Pro­duk­ti­ons­pro­zes­ses” wer­den. 

Kul­tur – vie­les muss zusam­men wach­sen
Bis­her getrenn­te Berei­che wie Pro­duk­ti­on, Ent­wick­lung und IT müs­sen in Zukunft mehr zusam­men­ar­bei­ten. Das gilt nicht nur für die Arbeits­tei­lung inner­halb einer Pro­duk­ti­ons­stät­te, son­dern auch inter­na­tio­nal 

Die Digitalisierung stellt mittelständische Unternehmen vor große Herausforderungen

Wie schät­zen Sie die Lage ein – sind wir bereit für den nächs­ten Schritt in die Digi­ta­li­sie­rung?

Stu­di­en zufol­ge haben Groß­un­ter­neh­men die ers­ten Schrit­te in Rich­tung Indus­trie 4.0 bereits gemacht und sind recht gut auf­ge­stellt. Bei mit­tel­stän­di­schen Unter­neh­men sieht die Lage anders aus: Sie sind sich durch­aus bewusst, dass Sie etwas tun müs­sen, um Pro­duk­te oder Pro­duk­tio­nen zu ver­bes­sern. Gleich­zei­tig wis­sen sie aber nicht, wie sie vor­ge­hen sol­len. Gera­de wenn es dar­um geht, nicht nur Pro­duk­te und Pro­duk­ti­on, son­dern auch das Geschäfts­mo­dell zu digi­ta­li­sie­ren, ste­hen die mit­tel­stän­di­schen Unter­neh­men vor gro­ßen Her­aus­for­de­run­gen.

Industrie 4.0Was kann Fuji­tsu kon­kret tun, um Unter­neh­men den Ein­stieg zu erleich­tern?

Fuji­tsu bie­tet zum Ein­stieg in die Indus­trie 4.0 Welt einen Work­shop an, um mit Unter­neh­men die Poten­zia­le die die­ses The­men­feld bie­tet, indi­vi­du­ell je nach Unter­neh­men zu betrach­ten.

Wel­ches Ziel ver­folgt Fuji­tsu mit die­sem Work­shop?

Ziel des Work­shops ist es, im Rah­men einer ers­ten Ana­ly­se im Unter­neh­men bereits vor­han­de­ne Kom­pe­ten­zen zu spie­geln, um dar­auf­hin in einem struk­tu­rier­ten Work­shop – zusam­men mit Fach- und Füh­rungs­kräf­ten des Unter­neh­mens – Ansatz­mög­lich­kei­ten für die Umset­zung der Indus­trie 4.0 auf­zu­de­cken und eine Road­map zu erstel­len.

Eine Roadmap in eine digitale Welt – jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt

Wie soll der Work­shop ablau­fen?

Er besteht aus zwei Pha­sen. Pha­se eins dient der Vor­be­rei­tung des eigent­li­chen Work­shops. Die Teil­neh­mer wer­den nomi­niert und wir bespre­chen die Vor­stel­lun­gen und Zie­le, die mit Indus­trie 4.0 erreicht wer­den sol­len. In Pha­se Zwei wer­den zu Beginn alle Teil­neh­mer auf einen gemein­sa­men Wis­sen­stand gebracht. Ein Impuls­vor­trag sorgt an die­ser Stel­le für neue Anre­gun­gen. Aus­ge­hend von der Ist-Situa­ti­on wer­den unter Ein­satz von Krea­ti­vi­täts­tech­ni­ken gemein­sam kon­kre­te Pro­jekt­ideen erar­bei­tet. Abschlie­ßend wird das Ergeb­nis vor­ge­stellt und dis­ku­tiert.

Wo kön­nen unse­re Kun­den mehr erfah­ren und sich anmel­den?

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen sind in die­sem Fly­er zu fin­den. Ger­ne kön­nen Sie auch direkt Kon­takt zu mir auf­neh­men!

Herr Zed­ler, vie­len Dank für die­ses Inter­view!

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , , ,

Story Page